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Autoreneintrag · Hans Erich Nossack
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Porträt Hans Erich Nossack
Hans Erich Nossack
1901 – 1977
– Autorenporträt –

Hans Erich Nossack

1901 – 1977 · 76 Jahre

Einer der ersten Erzähler der deutschen Nachkriegsliteratur, der den Bombenkrieg und die Zerstörung seiner Heimatstadt Hamburg zum Thema machte – 1961 mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt.

Kurzbiografie↑

Als einer der ersten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur schilderte Hans Erich Nossack (1901–1977) die Schrecken des Bombenkriegs. In seinem Prosatext Der Untergang von 1948 verarbeitete er die Zerstörung seiner Heimatstadt Hamburg, die er selbst erlebt hatte. Zunächst trat der Hamburger als Lyriker und Dramatiker in Erscheinung, später vor allem als Erzähler und Romancier. Seine Figuren stehen häufig in existentiellen Grenzsituationen, und immer wieder fragt Nossack, ob die selbstgewählte Isolierung in einer sinnentleerten Welt noch eine Lebensmöglichkeit sei. Für sein Werk erhielt er 1961 den Georg-Büchner-Preis.


Biografie↑

Geboren wurde Hans Erich Nossack am 30. Januar 1901 in Hamburg, wo er auch am 2. November 1977 starb. Er entstammte einer wohlhabenden Hamburger Familie; sein Vater Eugen Nossack betrieb eine Handelsfirma für Kaffee und Rohkakao. 1919 machte er das Abitur am humanistischen Gymnasium Johanneum in Hamburg. Im Wintersemester 1919/20 immatrikulierte er sich an der 1919 gegründeten Hamburger Universität für Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft.

1920 wechselte er an die Universität Jena. Dort begann er ein Studium der Rechtswissenschaft sowie der Staats- und Volkswirtschaftskunde, das er 1922 abbrach. Die Deutsche Biographie nennt für Jena die Fächer Rechtswissenschaften und Philosophie und spricht von fünf Semestern. Im selben Jahr trat Nossack aus dem Corps Thuringia Jena aus, dem er seit dem Sommer 1920 angehört hatte. Er verzichtete auf die Unterstützung durch seine Familie und versuchte, sich als Hilfsarbeiter durchzuschlagen. Vorübergehend wurde er Mitglied der KPD.

1923 kehrte Nossack nach Hamburg zurück. 1925 heiratete er Gabriele Knierer (1896–1987), mit der er trotz großer Schwierigkeiten sein Leben lang verheiratet blieb. Er wurde Bankangestellter und absolvierte in den folgenden Jahren eine Ausbildung als Bankkaufmann. Neben dem Brotberuf verfasste er Gedichte und schrieb Dramen. 1930 wurde er erneut Mitglied der KPD und beteiligte sich an Widerstandsaktionen.

Nach Hausdurchsuchungen durch die SA und die Polizei sowie einem gegen ihn verhängten Publikationsverbot zog er sich 1933 in die väterliche Firma zurück. Verhaftet wurde er nicht. Bald darauf übernahm er die Leitung der Importfirma.

1943 wurden seine Tagebücher beim schwersten Bombenangriff auf Hamburg vernichtet. Einige Manuskripte konnte Nossack verkokelt aus seinem Tresor retten und rekonstruieren. Abgesehen von einigen 1942 und 1944 in der Neuen Rundschau erschienenen Gedichten erschienen seine ersten Veröffentlichungen ab 1947, zunächst beim Wolfgang-Krüger-Verlag in Hamburg. Im Jahr darauf erschienen erste Bücher in Übersetzung in Frankreich. In seinem Prosatext Der Untergang von 1948 thematisierte er als einer der ersten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur die Schrecken des Bombenkriegs anhand der Zerstörung seiner Heimatstadt.

1949 wurde Nossack in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz gewählt. 1950 gehörte er neben Hans Henny Jahnn zu den Gründungsmitgliedern der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Seit 1961 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Zwischen 1949 und 1955 konnte Nossack nicht publizieren, da sein Verleger Krüger verkäuflichere Prosa in Form eines Liebesromans von ihm verlangte, den er nicht liefern konnte und wollte. So verschwand er über mehrere Jahre nahezu vollständig von der literarischen Bühne. In dieser Zeit der Krise freundete er sich mit Ernst Kreuder an, mit dem er einen regen und herzlichen Briefwechsel unterhielt. Schließlich wechselte Nossack zum Suhrkamp Verlag, bei dem 1955 sein Roman Spätestens im November erschien, sein erster und bis heute erfolgreichster. Suhrkamp wurde daraufhin sein Hausverlag und blieb es bis zu seinem letzten Roman Ein glücklicher Mensch.

1956 löste er mit Hilfe des Schweizer Industriellen Kurt Bösch die väterliche Firma auf und zog nach Aystetten bei Augsburg. Seitdem war er als freier Schriftsteller tätig. Zusammen mit Rudolf Hagelstange vertrat er 1961 die bundesdeutschen Schriftsteller bei der Feier zum 100. Geburtstag von Rabindranath Tagore in Neu-Delhi. 1962 zog er nach Darmstadt. Von 1964 bis 1968 war er Vizepräsident der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur. 1965 zog er nach Frankfurt am Main. Seiner Frau zuliebe kehrte er im Dezember 1969 nach Hamburg zurück, wo er bis zu seinem Tod 1977 lebte und schrieb. Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach.


Literarische Merkmale↑

Das einschneidende Ereignis in Nossacks Leben war die Bombardierung seiner Vaterstadt 1943, bei der ein großer Teil seiner unveröffentlichten Manuskripte verbrannte, darunter ein nach dem Vorbild Friedrich Hebbels geführtes Tagebuch. Der Erzählungsband Interview mit dem Tode von 1948, der den wenige Wochen nach der Hamburger Katastrophe verfasste Bericht Der Untergang enthält, machte ihn als Autor sofort bekannt. Durch Vermittlung Jean Paul Sartres wurde er bereits 1950 ins Französische übersetzt.

Auch in den folgenden Erzählungen und Romanen schildert Nossack Menschen, die sich in existentiellen Grenzsituationen befinden oder durch einen „Aufbruch ins Nicht-Versicherbare“ der Banalität ihres Lebens zu entkommen suchen. Nach eigener Aussage wurde er dabei von Ernst Barlach und dem mit ihm befreundeten Hans Henny Jahnn angeregt. In seinen Texten wirft er immer wieder die Frage auf, ob die selbstgewählte Isolierung in einer sinnentleerten Welt eine Lebensmöglichkeit darstellt.

Seine Prosa erinnert, wie die des mit ihm lebenslang befreundeten Hermann Kasack, sowohl in der häufig parabelhaften Anlage als auch in ihrer Aussage an das Werk Kafkas. Thematisch verrät sie deutliche Einflüsse des französischen Existentialismus.


Rezeption↑

Besonders in den 1950er und 1960er Jahren fanden Nossacks Romane und Erzählungen große Resonanz; sie sind in fünfzehn Sprachen übersetzt worden. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet: 1961 erhielt er den Georg-Büchner-Preis, 1963 den Wilhelm-Raabe-Preis und 1973 den Alexander-Zinn-Preis. 1973 wurde ihm der Orden Pour le mérite verliehen.

Neben seinen Akademiemitgliedschaften in Mainz, Hamburg und Darmstadt gehörte er seit 1965 dem PEN an und wurde im selben Jahr Ehrenmitglied des Verbands deutscher Übersetzer.

Sein Werk hat eine Reihe literaturwissenschaftlicher Studien angeregt. Christof Schmid legte 1968 die Untersuchung Monologische Kunst vor und gab 1970 den Sammelband Über Hans Erich Nossack heraus. Weitere Arbeiten widmeten sich seiner Biographie und der Grenzsituation als Schlüssel zu seinem Werk, darunter Studien von Gabriele Söhling, die 1997 auch seine Tagebücher herausgab. 1998/99 richtete die Staatsbibliothek Hamburg ihm eine Ausstellung unter dem Titel „…niemals Lebenserinnerungen“ aus.

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