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Porträt Cyprian Kamil Norwid
Cyprian Kamil Norwid
1821 – 1883
– Autorenporträt –

Cyprian Kamil Norwid

1821 – 1883 · 61 Jahre

Zu Lebzeiten verkannter Dichter der polnischen Romantik, der sein Leben in Armut und Emigration verbrachte und erst lange nach seinem Tod neben Mickiewicz und Słowacki zu den großen Namen der polnischen Literatur zählte.

Kurzbiografie↑

Zu den bedeutenden Stimmen der polnischen Romantik zählt Cyprian Kamil Norwid, der 1821 nahe Warschau geboren wurde und 1883 in Paris starb. Er war Dichter, Maler und Bildhauer. Zu Lebzeiten blieb er verkannt: Von seinem einundzwanzigsten Lebensjahr an lebte er in der Emigration, geplagt von Armut und Krankheit. Erst die Künstler des Jungen Polen entdeckten ihn wieder. Heute wird er neben Adam Mickiewicz und Juliusz Słowacki zu den wichtigsten Dichtern der polnischen Literatur gezählt.


Biografie↑

Geboren wurde Norwid 1821 in Laskowo-Głuchy, einem kleinen Dorf im Nordosten von Warschau. Seine Kindheit war von mehreren Todesfällen in der Familie überschattet. Die Mutter starb 1825, woraufhin ihn seine Großmutter Hilaria z Buynów Sobieska erzog. Über einen 1557 verstorbenen Urgroßvater bestand eine verwandtschaftliche Linie zum König Johann III. Sobieski. Die Großmutter starb 1830, der Vater 1835.

Unterstützt von verschiedenen Angehörigen besuchte er mehrere Gymnasien in Warschau, schloss seine Schulbildung jedoch nie ab. Weitgehend brachte er sich das Wissen selbst bei und erhielt Unterricht an einer privaten Kunstschule. Im Jahr 1840 debütierte er mit dem Gedicht Mój ostatni sonet (Mein letztes Sonett) in der Zeitschrift Piśmiennictwo Krajowe.

Wegen der politischen Lage nach dem Novemberaufstand von 1830/31 verließ er Warschau 1842. Nach Polen kehrte er nie wieder zurück. Er reiste durch Deutschland, Italien und Tschechien. Von Ende 1843 bis Anfang 1845 studierte er Bildhauerei an der Florentiner Akademie bei Giuseppe Bezzuoli und Luigi Pampaloni; diese Zeit prägte sein weiteres Schaffen. Nach einem längeren Aufenthalt in Rom und Reisen durch Süditalien zog er 1846 nach Berlin, wo er als Gasthörer Universitätsvorlesungen besuchte.

Einige der Emigranten, mit denen Norwid in Berlin verkehrte, planten einen neuen Aufstand in Polen. Die preußische Polizei hielt ihn nach dem Auffliegen des Vorhabens für einen Mitverschwörer. Er kam für einen Monat ins Gefängnis und wurde danach aus Preußen ausgewiesen. Die feuchten Zustände in der Haft waren vermutlich die Ursache seiner später immer schlimmeren Taubheit. Nach einem halben Jahr in Brüssel zog er wieder nach Rom. Dort lernte er Adam Mickiewicz kennen und freundete sich mit Zygmunt Krasiński an, der ihn finanziell unterstützte. In Rom stand er zudem den Resurrektionisten nahe.

Von Rom aus ging er 1849 nach Paris. Dort hatte er Kontakt zu prominenten polnischen Emigranten, unter anderem zu Frédéric Chopin, Adam Jerzy Czartoryski und Juliusz Słowacki, den er kurz vor dessen Tod traf. Auch Emigranten aus anderen Ländern wie Georg Herwegh und Alexander Iwanowitsch Herzen lernte er kennen. Schriftstellerisch war er hier produktiv, blieb aber von Armut und Krankheit gezeichnet. In der Hoffnung auf ein besseres Leben zog er 1852 weiter nach New York. Seine Versuche, dort als Maler und Bildhauer Fuß zu fassen, scheiterten. 1854 kehrte er nach Paris zurück und verbrachte dort den Rest seines Lebens.

Norwid war nicht nur Künstler, sondern auch Vortragsredner und Literaturkritiker. Durch Vorträge und Veröffentlichungen trug er zur Wiederentdeckung des ebenfalls verkannten Juliusz Słowacki bei. Neben Gedichten schuf er zahlreiche Zeichnungen, Radierungen, Gemälde und Aquarelle, konnte davon jedoch nichts verkaufen. Auch seinen umfangreichen Gedichtband Vade-mecum gelang es ihm trotz intensiver Bemühungen nicht zu veröffentlichen. An Tuberkulose erkrankt, verbrachte er die letzten Jahre schwer krank und einsam im Œuvre St. Casimir im 13. Arrondissement von Paris, einer Einrichtung für verarmte polnische Veteranen und Waisen.

Zunächst wurde er in einem Armengrab in Ivry beigesetzt und später auf den Polnischen Friedhof in Montmorency umgebettet. Nach Ablauf der Ruhefrist wurde seine Asche in ein Grab für Hausangestellte des Hôtel Lambert verbracht. 2001 kam eine Handvoll Erde von seinem Grab in eine Urne in der Wawel-Kathedrale in Krakau, am Eingang der „Krypta der Nationaldichter“. Dort war 1993 bereits ein kleines Bronzedenkmal errichtet worden. Zu seinem 200. Geburtstag ließ der polnische Staat das Grab in Montmorency aufwändig restaurieren.


Literarische Merkmale↑

Norwid arbeitete zeitlebens mit dem Wort ebenso wie mit dem Bild. Neben seinen Gedichten schuf er Zeichnungen, Radierungen, Gemälde und Aquarelle. Sein umfangreicher Gedichtband Vade-mecum blieb zu seinen Lebzeiten unveröffentlicht. Über seine dichterische Arbeit hinaus trat er als Vortragsredner und Literaturkritiker hervor.


Rezeption↑

Anerkennung fand Norwid zu Lebzeiten nicht. Seine Gedichte und seine bildende Kunst blieben ohne Käufer, und selbst seinen großen Gedichtband Vade-mecum konnte er nicht in Druck bringen. Er starb arm und sozial isoliert in Paris.

Erst später wandelte sich sein Ansehen grundlegend. Die Künstler des Jungen Polen entdeckten ihn wieder, und heute steht er neben Adam Mickiewicz und Juliusz Słowacki unter den wichtigsten Dichtern der polnischen Literatur. Sein Nachruhm zeigt sich auch in der Erinnerungskultur: 1993 wurde in der Wawel-Kathedrale in Krakau ein kleines Bronzedenkmal für ihn errichtet, 2001 kam Erde von seinem Grab in eine Urne an der „Krypta der Nationaldichter“. Zu seinem 200. Geburtstag ließ der polnische Staat sein Grab in Montmorency aufwändig restaurieren.

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