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Porträt Leonid Nikolajewitsch Andrejew
Leonid Nikolajewitsch Andrejew
1871 – 1919
– Autorenporträt –

Leonid Nikolajewitsch Andrejew

1871 – 1919 · 48 Jahre

Russischer Erzähler und Dramatiker, der als „Sturmvogel der Revolution“ galt und sich 1917 gegen die Bolschewiki wandte – ein Autor der düsteren, pessimistischen Töne.

Kurzbiografie↑

Zu den markanten Stimmen der russischen Literatur um 1900 gehört Leonid Nikolajewitsch Andrejew. Er wurde 1871 geboren und starb 1919 im Alter von 48 Jahren. Bekannt wurde er als Erzähler und Dramatiker, dessen Werk sich vom Realismus zu einer düsteren, pessimistischen Ausdrucksweise wandelte. Er war ein Freund Maxim Gorkis und galt als „Sturmvogel der Revolution“, bis er sich 1917 gegen die Bolschewiki stellte. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen die Erzählung Das rote Lachen und das Drama Das Leben des Menschen.


Biografie↑

Geboren wurde Leonid Andrejew am 21. August 1871 (nach altem Kalender am 9. August). Als Geburtsort nennen die Quellen unterschiedliche Schreibweisen desselben Ortes: Wikidata verzeichnet Orjol, die Deutsche Nationalbibliothek Orel. Nach einem Jurastudium war er für kurze Zeit als Anwalt in Moskau tätig, später arbeitete er als Journalist, Gerichtsberichterstatter und Feuilletonist.

Wie die Mehrheit der russischen Intelligenz sympathisierte auch Andrejew zunächst mit der Revolution von 1905. Nach deren Scheitern wandte er sich den konservativen Kräften zu. Diese Entwicklung und der Tod seiner Frau führten bei ihm zu einer pessimistischen, irrationalen Geisteshaltung. Verstärkt wurde diese Haltung durch den Einfluss von Schopenhauer, Tolstoi und Dostojewski.

Sein bekanntes Theaterstück Hinauf zu den Sternen vollendete Andrejew 1905. Dieses Drama entwickelte Maxim Gorki nach anfänglicher Zusammenarbeit unter dem Titel Kinder der Sonne später allein weiter.

Die russische Februarrevolution 1917 begrüßte Andrejew, die Machtergreifung der Bolschewiki im Oktober desselben Jahres sah er dagegen als Katastrophe an. Daraufhin wanderte er, mit kurzen Zwischenaufenthalten in Deutschland und Frankreich, in das von Russland unabhängig gewordene Finnland aus. Dort veröffentlichte er gegen die Bolschewiki gerichtete Schriften, darunter den Text S.O.S., der einen Hilferuf der russischen Bevölkerung an den Westen darstellt.

Andrejew starb 1919 auf seinem Landsitz. Auch hier weichen die Quellen voneinander ab: Als Sterbeort nennt Wikidata Gorkowskoje, die Deutsche Nationalbibliothek Mustamäki. Der Ort lag damals im finnischen Gebiet und gehört heute zu Russland. Sein Sohn Daniil Leonidowitsch Andrejew war ebenfalls Schriftsteller.


Literarische Merkmale↑

Andrejews Erzählweise war anfangs realistisch und expressionistisch geprägt. Im Lauf der Jahre verdüsterte sie sich zunehmend, und der Ton wurde immer sarkastischer und resignierender. In seinen Schauspielen arbeitete er mit allegorischen Anspielungen, die das Hässliche, Unharmonische und Verunstaltete hervorheben und geradezu überzeichnen. Auf diese Weise, so eine zeitgenössische Deutung, sollte „das Gefühl des unerträglichen Ausgeliefertseins an Tod und Vernichtung noch“ verdichtet werden. Immer wieder schildert er seelische, von Pessimismus erfüllte Leidensgeschichten.


Rezeption↑

Auf deutschen Bühnen fanden Andrejews Stücke früh Beachtung. Eine besondere Stellung nimmt die Uraufführung von König Hunger an der Berliner Volksbühne am 28. Februar 1924 ein, für die Oskar Schlemmer das Bühnenbild schuf. Die Regie hatte Fritz Holl, die Musik stammte von Wolfgang Zeller, und in der titelgebenden Hauptrolle spielte Paul Henckels. Paul Wiegler schrieb über Holls Regie, er habe „im Verein mit dem Maler Oskar Schlemmer das stärkste“ geleistet, was ihm bisher gelungen sei. Alfred Kerr lobte „Schlemmers Bühnenbilder voll irdischer Kraft“ und sprach vom „Mythos aus dem Alltag“.

Andrejews Werke wurden früh und in großer Zahl ins Deutsche übertragen. Zwischen 1903 und den 1920er Jahren erschienen zahlreiche Ausgaben, viele davon im Bühnen- und Buchverlag russischer Autoren J. Ladyschnikow in Berlin. Auch später kümmerten sich Verlage um sein Werk: Der Aufbau Verlag gab gesammelte Werke in Einzelbänden heraus, und Übersetzungen erschienen unter anderem bei Rowohlt, Suhrkamp und Manesse. Maxim Gorki widmete ihm ein literarisches Porträt.

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