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Autoreneintrag · Nezāmi
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Porträt Nezāmi
Nezāmi
1141 – 1209
– Autorenporträt –

Nezāmi

1141 – 1209 · 68 Jahre

Persischer Dichter des 12. Jahrhunderts, der aus einfachen Liebesgeschichten kunstvolle Epen mit philosophischer Tiefe formte – sein Stoff „Leila und Madschnun“ wirkt bis in die Musik des 20. Jahrhunderts nach.

Kurzbiografie↑

Der persische Dichter Nezāmi lebte im 12. Jahrhundert in Gandscha, einer Stadt im heutigen Aserbaidschan. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter des romantischen Epos in der persischen Literatur. Aus einfachen Liebes- und Heldengeschichten formte er große Verserzählungen mit vielschichtigen Figuren und philosophischem Hintergrund. Zu seinen bekanntesten Dichtungen zählen „Chosrau und Schirin“, „Leila und Madschnun“, „Die Sieben Schönheiten“ und das Alexanderbuch. Seine Schüler gaben ihm den Beinamen Hakīm, was „Weiser“ oder „Arzt“ bedeutet.


Biografie↑

Geboren wurde Nezāmi um 1141 in Gandscha, das heute in Aserbaidschan liegt. Der Ortsname wird unterschiedlich wiedergegeben: Wikidata führt ihn als Gəncə, die Deutsche Nationalbibliothek als Gäncä. Sein vollständiger Name lautet Ǧamāl ad-Dīn Abū Muḥammad Ilyās ibn Yūsuf ibn Zakī ibn Muʼayyid; bekannt ist er als Nezāmi von Gandscha, auch Nizami geschrieben.

Seine Mutter Ra'isa war Kurdin. Von der Familie seines Vaters Yusūf wird angenommen, dass sie aus Qom stammte. Nezāmi verlor seine Eltern früh. Aufgezogen wurde er von einem Onkel mütterlicherseits, Chwadscha Umar. Später heiratete er dreimal.

Über sein Leben ist nur wenig bekannt. Sicher scheint, dass er es bis auf eine einzige Reise ganz in seiner Geburtsstadt verbrachte. Er stand bei den herrschenden Seldschukenfürsten in Gunst und war einer ihrer Günstlinge.

Sein Wissen reichte weit über die Dichtung hinaus. Nezāmi war auch in der Mathematik, der Astronomie, der Medizin, der Rechtsprechung, der Geschichte, der Philosophie, der Musik und den Künsten bewandert. Diesem breiten Wissen verdankte er den Ehrennamen Hakīm, den ihm seine Schüler gaben.

Er starb 1209; als Todestag wird der 12. März genannt. Als Sterbeort ist Gandscha überliefert.


Literarische Merkmale↑

Vor Nezāmi waren die romantischen Epen der persischen Literatur meist einfache Liebes- oder Heldengeschichten. Die bereits bestehenden romantischen Epen Warqa und Gulschah oder Wis und Ramin übertraf er bei weitem. Damit schuf er einen Maßstab für das romantische Epos, an dem sich alle späteren Dichter orientierten.

Neu war vor allem, wie er seine Figuren zeichnet. Sie sind reichhaltiger angelegt, und ihre Entwicklung steht im Vordergrund. So lässt der untreue Held Chosrou seinen Rivalen, den treuen Farhād, umbringen und kommt ungestraft davon. Auch die Handlung baut Nezāmi weit kunstvoller auf als seine Vorgänger. Chosrou und Schirin etwa begegnen sich zufällig auf der Reise zum jeweils anderen, verlieben sich und erkennen einander doch nicht. Ein reicher Freund Madschnuns will Lailas Stamm mit Krieg zwingen, die beiden Liebenden zu vereinen; Madschnun aber hasst den Krieg und verbietet es.

Dazu kommt die philosophische Grundierung. Schirin steht für die Liebe an sich, Madschnun für den Gottsucher. Die sieben Prinzessinnen entsprechen den sieben Planeten und sieben Seelenzuständen. Alexander sucht vergeblich das Wasser des Lebens und diskutiert mit Platon und Aristoteles.

Nezāmi arbeitet außerdem mit literarischen Symbolen, die das Geschehen spiegeln. Berühmt sind seine Sonnenauf- und -untergänge, die auf das Kommende vorausweisen. Jeder der sieben Prinzessinnen ist zudem eine Farbe und eine Weltgegend zugeordnet, die das jeweilige Gefühl versinnbildlichen und in den Erzählungen wiederkehren.

Seine wichtigste Errungenschaft ist, dass sich alle seine Epen zugleich auf einer philosophischen Ebene lesen lassen. Machzan ol-Asrār und der zweite Teil des Alexanderbuches sind von vornherein philosophisch angelegt. Chosrau und Schirin behandelt das Wesen der irdischen Liebe und Chosraus Weg zum treuen Liebhaber. Leila und Madschnun beschreibt die himmlische Liebe und Madschnuns Weg zum wahren Mystiker, der der Schönheit der Welt nicht mehr bedarf. In Die Sieben Schönheiten wird aus einem vergnügungssüchtigen Prinzen ein gerechter König, der am Ende seinen tyrannischen Wesir hinrichten lässt. Das Alexanderbuch zeigt nach Nezāmis eigener Einleitung die Entwicklung eines islamischen Propheten auf dem Weg zuerst zur physischen, dann zur moralischen Weltherrschaft.


Rezeption↑

Bekannt wurde Nezāmis Name in Europa durch den französischen Orientalisten Barthélemy d'Herbelot de Molainville. Dessen Lebenswerk Bibliothèque orientale enthielt einen biografischen Eintrag unter dem Namen „Nazami“; das Buch erschien 1697 postum, herausgegeben von Antoine Galland in Paris.

Erst 1786 folgte eine erste Übersetzung: William Jones, seit 1783 Richter am Obersten Gericht in Kalkutta, veröffentlichte zwanzig Erzählungen aus der Schatzkammer der Geheimnisse auf Englisch. Ins Deutsche kam Nezāmi 1798, als Joseph von Hammer-Purgstall erste Nachdichtungen aus Chosrau und Schirin in Christoph Martin Wielands Zeitschrift Neuer Teutscher Merkur erscheinen ließ. Der Übersetzer, ein Absolvent der Wiener Orientalischen Akademie, gab sie 1809 in Leipzig als Buch heraus. Weitere europäische Teilausgaben folgten: Layli and Majnún: a poem von James Atkinson (London 1836), Behram-Gur und die Russische Fürstentochter von Franz von Erdmann, eine zweisprachige persisch-deutsche Teilausgabe der Sieben Schönheiten (Kasan 1843), sowie Alexanders Zug zum Lebensquell im Land der Finsterniss von Hermann Ethe (München 1871).

Bis heute wird Nezāmi in vielen Ländern geehrt. In Baku besteht seit 1939 das nationale Nizami-Museum für aserbaidschanische Literatur. In seiner Geburtsstadt Gandscha stehen ein 1991 neu eröffnetes Mausoleum und ein Museum mit Manuskripten und Büchern. Denkmäler und Skulpturen gibt es in Iran und Aserbaidschan, außerdem in Moskau, Sankt Petersburg, Kiew, Peking, Taschkent, Marneuli, Chișinău, in der Wolga-Republik Udmurtien und in Rom, wo 2012 in der Villa Borghese ein Denkmal enthüllt wurde. Die UNESCO erklärte 1991 zum Nezāmi-Jahr.

Auch die Literaturkritik hat Vergleiche gezogen. Rudolf Gelpke stellte Nezāmi wegen der „Spannweite seiner Phantasie“ neben Jean Paul; einige Kritiker sehen Ähnlichkeiten mit E. T. A. Hoffmann.

Seine Stoffe wirken bis in die Musik und auf die Bühne. Eric Clapton veröffentlichte 1970 mit Derek and the Dominos den Titelsong Layla. Horst Lohse schrieb die Préludes Epitaph für Nizami (1976–1978), uraufgeführt 1979 in Coburg, sowie das Ballett Die Abenteuer des schönen Mahan. Detlev Glanert vertonte 1988 zur ersten Münchener Biennale das Märchen für Musik Leyla und Medjnun nach einem Libretto von Peter Schneider und Aras Ören. 2010 brachte die Ruhrtriennale das Musiktheater Leila und Madschnun heraus, mit einem Libretto von Albert Ostermaier und der Musik von Samir Odeh-Tamimi. 1982 entstand in Aserbaidschan der Spielfilm Nizami unter der Regie von Eldar Kulijew.

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