Madschnūn Lailā
Überblick↑
Der Stoff von Laila und Madschnun gehört zu den bekanntesten Liebesgeschichten des Orients. Er stammt ursprünglich aus der arabischen Überlieferung; die früheste bekannte Form reicht in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts zurück. Der persische Dichter Nezāmi formte daraus um 1180 seine Fassung Laylī va Madschnūn. Der Beiname „Madschnun“ bedeutet wörtlich „von einem Dämon Besessener“ und steht hier für die Besessenheit von der geliebten Laila. Die Geschichte wurde in der arabischen, persischen, aserbaidschanischen, kurdischen, türkischen und urdusprachigen Literatur immer wieder neu erzählt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Qais, der einzige Sohn eines Beduinenfürsten. Er gilt als gutaussehend und hochbegabt. Über den Beginn seiner Liebe zu Laila gibt es zwei Überlieferungen. Nach der einen kennen sich die beiden schon von Kindesbeinen an und haben gemeinsam die Herden gehütet. Nach der anderen begegnen sie einander zufällig auf einem Fest der Frauen: Qais schlachtet dort ein Kamel als seinen Beitrag, und Laila ist die Einzige, die sich ihm zuwendet.
Später hält Qais um ihre Hand an. Doch Lailas Eltern sind gegen diese Verbindung und setzen alles daran, die beiden zu trennen. Aus der verwehrten Liebe erwächst eine Leidenschaft, die Qais den Beinamen Madschnun einträgt: den Besessenen. In klaren Augenblicken dichtet er Verse auf seine unerfüllte Liebe.
Die Handlung im Detail↑
Zwei Traditionen berichten unterschiedlich vom Anfang. In der einen wachsen Laila und Qais, der einzige Sohn eines Beduinenfürsten, miteinander auf und hüten gemeinsam die Herden. In der anderen treffen sie zufällig auf einem Fest von Frauen aufeinander. Qais schlachtet dort ein Kamel als Beitrag zum Fest und verliebt sich in Laila, die sich als einzige ihm zuwendet.
Als Qais später um ihre Hand anhält, stellen sich Lailas Eltern quer. Sie versuchen mit allen erdenklichen Mitteln, das Paar auseinanderzubringen, und verheiraten Laila schließlich mit einem gewissen Ward bin Mohammed al-ʿUqaili. Qais verkraftet das nicht. Er ist von Laila besessen, verliert den Verstand und lebt fortan in der Wüste, ohne jeden Kontakt zur Außenwelt.
Sein Vater nimmt ihn mit auf eine Pilgerfahrt nach Mekka, doch die Verwirrung des Sohnes steigert sich nur. In lichten Momenten verfasst Qais Verse über seine verlorene Liebe, etwa: „Leyla, Leyla! Mögen meine Verse Dir zu Füßen fallen!“ Bis zu seinem Tod sieht er Laila nur noch ein einziges Mal. An seiner unglücklichen Liebe geht er zugrunde.
Stil↑
In persischer Sprache verfasst, steht Nezāmis Fassung in der Tradition der romantischen Dichtung des Orients. Der Stoff selbst ist arabischen Ursprungs. Kennzeichnend ist die Verbindung von Erzählung und eingelegter Liebeslyrik: Die Verse, die der Liebende in seinen klaren Augenblicken dichtet, sind Teil der Geschichte. Schon der Name der Hauptfigur trägt die Deutung in sich, denn „Madschnun“ bezeichnet den von einem Dämon Besessenen und stammt vom arabischen Wort für Dämon ab.
Rezeption↑
Die Wirkung des Stoffes reicht über Jahrhunderte und über viele Sprachen hinweg. Berühmt sind neben Nezāmis Fassung die persischen Bearbeitungen von Amīr Chusrau Dihlavī und von Dschami aus dem 15. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert schrieb Fuzūlī eine aserbaidschanische Adaption unter dem Titel Dāstān-ı Leylā ve Mecnūn.
Auf der Bühne fand der Stoff ebenfalls seinen Platz. In Baku wurde 1908 die Oper Leyli va Madschnun des aserbaidschanischen Komponisten Üzeyir Hacıbəyov aufgeführt. Der deutsche Komponist Detlev Glanert schuf mit Leyla und Medjnun seine erste Oper; sie wurde 1988 in München uraufgeführt. Bei der Ruhrtriennale 2010 kam der Stoff in Bochum als „Theatralische Erzählung“ mit einem Text von Albert Ostermaier und der Musik von Samir Odeh-Tamimi heraus. In Düsseldorf brachte die Gruppe Kabawil 2008 ein Jugend-Tanztheaterstück zur Uraufführung.
Auch die Rockmusik griff den Stoff auf. Eric Clapton verwendete Motive der Liebesgeschichte in seinem Lied Layla, einem der meistgespielten Rocksongs der 1970er Jahre. Auf der Platte Layla and Other Assorted Love Songs von Derek and the Dominos werden Teile von Nezāmis Text im Lied I am yours zitiert; Nezāmi ist dort als Textautor angegeben.
Besonders zahlreich sind die Verfilmungen in den indischen Filmindustrien, von Stummfilmen der 1920er Jahre bis zu neueren Produktionen. Daneben entstanden persische und türkische Verfilmungen. In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur wirkt der Stoff weiter: Michael Kleebergs Roman Der Idiot des 21. Jahrhunderts stützt sich auf das Epos Nezāmis, und in Navid Kermanis Roman Große Liebe von 2014 bezieht sich der Erzähler immer wieder auf Laila und Madschnun. Auf Deutsch liegt die Dichtung in der Übertragung von Rudolf Gelpke vor, erstmals 1963 bei Manesse in Zürich erschienen.
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