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Werkseintrag · Mademoiselle de Maupin
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Cover Mademoiselle de Maupin
Mademoiselle de Maupin
1835
– Werkseintrag –

Mademoiselle de Maupin

1835 · Roman

Auf der Suche nach der vollkommenen Schönheit verliebt sich ein junger französischer Adliger in einen auffallend schönen Fremden – und quält sich mit der Frage, ob dahinter eine verkleidete Frau steht.

Überblick↑

Der Roman Mademoiselle de Maupin von Théophile Gautier erschien 1835 in Paris beim Verleger Eugène Renduel. Er verbindet eine halblegendäre Lebensgeschichte mit einer romantischen Suche nach vollkommener Schönheit und Liebe. Als Vorbild diente die Opernschauspielerin Julie d'Aubigny, genannt de Maupin (1670–1707), die als Fechterin und als Frau in Männerkleidung von sich reden machte. Das Buch gehört zu den beim breiten Publikum bekanntesten Werken des Autors.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht der zweiundzwanzigjährige Chevalier d'Albert, ein romantisch gestimmter junger Mann. Er leidet daran, dass er weder das Ideal weiblicher Schönheit noch die vollkommene, alles erfüllende Liebe findet. Eine Beziehung mit der jungen, schönen Witwe Rosette füllt für einige Monate seine innere Leere, doch bald stellt sich Überdruss ein. Aus Angst, ihr das Herz zu brechen, trennt er sich dennoch nicht von ihr.

Alles ändert sich, als d'Albert dem auffallend schönen jungen Théodore de Sérannes begegnet. Er verliebt sich in ihn und ahnt zugleich, dass sich hinter der männlichen Erscheinung eine verkleidete Frau verbergen könnte. Die Ungewissheit quält ihn: Er kann die Wahrheit nicht herausfinden und fürchtet, sein Gefühl könnte eine verbotene Neigung sein. Aus dieser Lage entfaltet Gautier ein feinsinniges Spiel um Schein, Begehren und die Frage, was Schönheit eigentlich ausmacht.

Die Handlung im Detail↑

Der junge Chevalier d'Albert sucht vergeblich nach dem Ideal weiblicher Schönheit und nach einer allumfassenden sinnlichen Liebe. In der Verbindung mit der jungen Witwe Rosette findet er für einige Monate Erfüllung, bis Übersättigung eintritt. Er erkennt, dass Rosette im Grunde eine weltgewandte Kurtisane ist, mag sich aber nicht von ihr trennen, um sie nicht zu verletzen.

Die Lage wandelt sich mit dem Auftreten Théodores de Sérannes, eines jungen Mannes von großer Schönheit. Rosette hat ihn einst geliebt, wurde jedoch abgewiesen und stürzte sich aus Verzweiflung in ein ausschweifendes Leben. D'Albert, empfänglich für jede Erscheinung von Schönheit, verliebt sich in Théodore. Er vermutet in ihm eine verkleidete Frau und quält sich mit der Ungewissheit und mit der Furcht, sein Gefühl könnte widernatürlich sein.

Théodore ist tatsächlich eine Frau: Mademoiselle Madeleine de Maupin. Nach dem Verlassen des Pensionats wollte sie die Männer erst genauer kennenlernen, bevor sie heiratet, und gab sich dafür selbst als Mann aus. Sie lernte reiten, große Mengen Alkohol vertragen und fechten. So wurde sie unter den wildesten Lebemännern und Raufbolden anerkannt und galt bald als gefürchteter Duellant.

Wie d'Albert bei seiner Suche nach dem weiblichen Ideal erlebt auch Madeleine eine bittere Enttäuschung. Einen vollkommenen Kavalier findet sie nicht. Zwar begegnet sie manchem guten Kameraden, doch die meisten Männer erweisen sich körperlich oder moralisch als roh. Ihre verborgene Neigung zu Frauen lebt sie nicht aus – verinnerlichte moralische Regeln und ihr Umfeld halten sie davon ab.

Ein Rätsel bleibt ihr allein die körperliche Liebe. Um diese Lücke zu schließen, gibt sie sich d'Albert zu erkennen und wählt ihn als einigermaßen anständigen Partner für eine erste sinnliche Erfahrung. Der Chevalier erkennt in ihr endlich das gesuchte Ideal der Schönheit. Doch am Morgen ist die Mademoiselle verschwunden. Vor ihrer Abreise verbringt sie – so deutet es der Autor unmissverständlich an – auch einige Stunden mit Rosette.

Dem enttäuschten Liebhaber hinterlässt sie einen Brief. Darin nennt sie klar die Gründe, warum sie nicht bei ihm bleiben kann. Sie kündigt an, weiter in der Gestalt Théodores zu leben, und rät ihm, nicht nach ihr zu suchen. Eine Nebenhandlung gilt der jungen Schönheit Ninon, die Madeleine als angeblichen Pagen mit sich führt; auch dieser Zug stammt aus der Legende um Julie de Maupin.

Stil↑

Zum Teil klingt die Form des Briefromans an, ohne das ganze Buch zu bestimmen. Am deutlichsten wird sie im abschließenden Brief Madeleines, in dem sie ihre Beweggründe darlegt. Heikle Vorgänge spricht der Erzähler nicht offen aus, sondern deutet sie nur an und überlässt das Weitere der Vorstellung des Lesers. So entsteht ein Spiel mit Andeutung und Verhüllung, das gut zum Thema der verborgenen Identität passt. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder die Frage nach dem Wesen vollkommener Schönheit.

Rezeption↑

Zusammen mit Kapitän Fracasse gehört Mademoiselle de Maupin zu den beim breiten Publikum beliebtesten Werken Gautiers. 1966 verfilmte Mauro Bolognini den Roman unter dem Titel Madamigella di Maupin.

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