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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Vítězslav Nezval
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Porträt Vítězslav Nezval
Vítězslav Nezval
1900 – 1958
– Autorenporträt –

Vítězslav Nezval

1900 – 1958 · 57 Jahre

Vítězslav Nezval zählt zu den führenden Stimmen der tschechischen Avantgarde und war Mitbegründer des Poetismus, einer verspielten, bildreichen Dichtung, sowie eine der führenden Persönlichkeiten des tschechischen Surrealismus – 1953 wurde er zum Nationalkünstler ernannt.

Kurzbiografie↑

Zu den führenden Stimmen der tschechischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts zählt Vítězslav Nezval, geboren 1900 in Biskoupky, gestorben 1958 in Prag. Er war Dichter, Schriftsteller und Übersetzer und gilt als Mitbegründer des Poetismus sowie als eine der führenden Persönlichkeiten des tschechischen Surrealismus. Sein Werk umfasst Lyrik, Dramen, experimentelle Prosa, Abenteuergeschichten und Bücher für Kinder. 1953 wurde er zum Nationalkünstler ernannt und erhielt die goldene Medaille des Weltrats für Frieden.


Biografie↑

Als Sohn eines Landlehrers kam Vítězslav Nezval am 26. Mai 1900 in Biskoupky zur Welt. Mit drei Jahren zog die Familie nach Šemíkovice, einen Ort, den er später in seinen Werken beschrieb. Von 1911 an besuchte er das Gymnasium in Trebitsch, das er 1919 abschloss. Anschließend studierte er ein Semester an der Juristischen Fakultät in Brünn. Sein Studium setzte er später an der philosophischen Fakultät in Prag fort, beendete aber auch dieses nicht.

Im Jahr 1922 trat er gemeinsam mit Karel Teige der Gruppierung Devětsil bei. Dort war er Mitbegründer des Poetismus und wurde nach und nach zum politischen Initiator der tschechischen Avantgardebewegung. 1924 trat er der kommunistischen Partei KSČ bei. In den Jahren 1924 und 1925 arbeitete er als Sekretär bei der Erstellung von Masaryks Lexikon. Von 1928 bis 1929 war er Dramaturg des Befreiten Theaters (Osvobozené divadlo), widmete sich später aber nur noch dem Schreiben. Seine Texte erschienen auch in großen Tageszeitungen und Zeitschriften wie Rudé právo, Tvorba, Odeon, Nová scéna und Lidové noviny.

Auf Reisen in die Sowjetunion, nach Frankreich, Italien und Griechenland traf Nezval zahlreiche Surrealisten, darunter André Breton. Unter dessen Eindruck gründete er 1934 die tschechoslowakische Surrealistische Gruppe, die er 1938 wieder auflöste. Er schloss sich der antifaschistischen Bewegung an und war 1944 kurze Zeit inhaftiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Nezval ein aktiver Kommunist und erhielt für seine Arbeit zahlreiche Anerkennungen und Preise. Den Idealen des Poetismus blieb er dabei treu und verteidigte sie gegen den Sozialistischen Realismus. 1951 übernahm er die Leitung der Abteilung Film des Informationsministeriums, 1953 wurde er zum Nationalkünstler ernannt. Er starb am 6. April 1958 in Prag an den Folgen eines Herzinfarkts und einer Scharlacherkrankung und wurde auf dem Vyšehrader Friedhof bestattet. Ein 1982 entdeckter Asteroid trägt seit 2008 seinen Namen.


Literarische Merkmale↑

Als Vertreter der assoziativen Poesie verband Nezval kühne Bildsprünge mit einer freien, spielerischen Fügung der Sprache. Sein Gedicht Abeceda zeigt diese experimentelle Ader besonders deutlich: Er und die Tänzerin Milča Mayerová choreografierten es 1924, Karel Paspa fotografierte, und in der Gestaltung von Karel Teige erschien es 1926 als Buch. Neben der Lyrik schrieb er experimentelle Prosa, Abenteuergeschichten und Literatur für Kinder.

Den stärksten Einfluss auf seine Arbeit hatten Karel Hlaváček, Otokar Březina, Jakub Deml, Arthur Rimbaud und Guillaume Apollinaire sowie Übersetzungen französischer Dichter. Aus dem Poetismus fand er später zum Surrealismus, dem seine phantastischen Bildwelten verpflichtet blieben. Sein Roman Valerie und die Woche der Wunder etwa entwirft traumartige, bedrohliche Szenerien und diente als Vorlage für den gleichnamigen Film von Jaromil Jireš. Seine Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg verliert nach verbreiteter Einschätzung stark an Qualität.


Rezeption↑

Anerkennung wurde Nezval zu Lebzeiten reichlich zuteil: 1953 ernannte man ihn zum Nationalkünstler, und er erhielt die goldene Medaille des Weltrats für Frieden. Als Mitbegründer des Poetismus und führende Persönlichkeit des tschechischen Surrealismus prägte er die Avantgarde seines Landes nachhaltig.

Sein Werk fand über Jahrzehnte hinweg auch den Weg ins Deutsche. Übersetzungen erschienen von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart, unter anderem Auf Trapezen in der Übertragung von Franz Fühmann, Der Prager Spaziergänger sowie zuletzt Neuausgaben von Akrobat und Valerie und die Woche der Wunder. In der Forschung wurde besonders sein dramatisches Schaffen sowie sein Roman Valerie und die Woche der Wunder untersucht. Dass 2008 ein Asteroid nach ihm benannt wurde, zeigt, wie sein Name bis heute fortlebt.

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