1891 – 1960
Zora Neale Hurston
Kurzbiografie↑
Zora Neale Hurston war eine amerikanische Schriftstellerin und Folkloristin. Sie wurde 1891 in Notasulga in Alabama geboren und wuchs in Eatonville in Florida auf, wo ihr Vater Pastor und später Bürgermeister war. Sie gilt als eine der führenden Akteurinnen der Harlem Renaissance. Neben ihrem literarischen Werk sammelte sie über Jahre hinweg Geschichten, Lieder und Gebete der schwarzen Bevölkerung in den Südstaaten und in der Karibik. Nach großen Erfolgen in den 1930er Jahren verarmte sie und starb 1960 in Fort Pierce in Florida.
Biografie↑
Geboren wurde Zora Neale Hurston am 7. Januar 1891 in Notasulga im Bundesstaat Alabama. Sie war das fünfte von acht Kindern und stammte aus einer traditionsbewussten afroamerikanischen Gemeinschaft. Als sie drei Jahre alt war, zog die Familie nach Eatonville in Florida. Dort arbeitete der Vater als Pastor; 1897 wurde er zum Bürgermeister gewählt.
Der Tod der Mutter Lucy Potts Hurston im Jahr 1904 veränderte das Leben der Familie. Noch im selben Jahr schickte der Vater seine Tochter zur Schule nach Jacksonville, wo bereits die ältere Schwester Sarah lebte. Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau heiratete er erneut. Mit der neuen Stiefmutter, die nur sechs Jahre älter war als sie selbst, kam Zora schlecht zurecht. So lebte sie nacheinander bei verschiedenen Verwandten.
Ihr Vater unterstützte sie schließlich nicht mehr. Ab 1917 arbeitete sie deshalb als Kellnerin und besuchte nebenher die Abendschule Morgan Academy, die sie 1918 abschloss. Von 1918 bis 1920 studierte sie an der Howard University in Washington. Dort gehörte sie zu den ersten Mitgliedern der Studentinnenverbindung Zeta Phi Beta.
Im Jahr 1921 lernte sie Alain LeRoy Locke und Montgomery Gregory kennen, die sie in den Literaturclub der Howard University einluden. Noch im selben Jahr begann sie, die literarischen Abende bei der Dichterin Georgia Douglas Johnson zu besuchen, die zur Harlem Renaissance gezählt wird. Dort traf sie zahlreiche Intellektuelle, darunter Jean Toomer, W. E. B. Du Bois, Jessie Fauset, Marita Bonner, Alice Dunbar-Nelson, Angelina Weld Grimké und Bruce Nugent.
Im Jahr 1925 zog Hurston nach New York und nahm sich eine Wohnung in Harlem. In dieser Zeit veröffentlichte sie erste Essays und Kurzgeschichten. Mit der Kurzgeschichte Spunk und dem Theaterstück Color Struck gewann sie zwei zweite Preise im Schreibwettbewerb der Zeitschrift Opportunity, dazu ein Stipendium für das Barnard College. Beim Bankett der Preisverleihung lernte sie Langston Hughes kennen, außerdem Carl Van Vechten und Fannie Hurst, die ihre Förderin wurde.
Ab dem Herbst 1925 studierte sie am Barnard College Anthropologie. Zu ihren Lehrern zählten Ruth Benedict und Gladys Reichard sowie Franz Boas an der Columbia University. Auch mit Melville J. Herskovits arbeitete sie zusammen. Ihren Bachelor-Abschluss erhielt sie 1928.
Im Jahr 1926 wirkte sie an der einzigen Ausgabe der Zeitschrift Fire!! mit, gemeinsam mit Wallace Thurman, Langston Hughes, Aaron Douglas, Gwendolyn Bennett und Bruce Nugent. Sie veröffentlichte darin ein Theaterstück und eine Erzählung.
Ab 1927 sammelte sie vier Jahre lang Folklore in den Südstaaten. Die Anfänge waren wenig erfolgreich. Sie forschte zunächst in Florida, auch in ihrer Heimatstadt Eatonville, und ebenso in Alabama. Bei ihren Feldforschungen in Arbeiter- und Gefangenenlagern begab sie sich immer wieder in Lebensgefahr. Möglich wurden diese Recherchen durch die finanzielle Unterstützung von Charlotte Mason. Von August bis Dezember 1928 arbeitete sie mit Hoodoo-Priestern in New Orleans. Anfang 1930 sammelte sie Material auf den Bahamas.
Die Geschichten, Lieder, Tänze und Gebete der schwarzen Bevölkerung stellte sie unter anderem in einer Produktion am Broadway vor. Nach dem Erscheinen von Mules and Men erhielt sie von der Guggenheim-Stiftung einen Forschungsauftrag. Er führte sie 1936 nach Jamaika und Haiti. In den Jahren 1938 und 1939 arbeitete sie in Florida für das amerikanische Arbeitsbeschaffungsprogramm Works Progress Administration.
Zwischen Wissenschaft und Literatur entschied sie sich schließlich für die Schriftstellerei. In den 1930er Jahren zählte sie zu den bedeutendsten Stimmen der afroamerikanischen Literatur.
In den 1950er Jahren lag ihr literarischer Höhepunkt weit zurück. Ein wichtiges Buchprojekt wurde vom Verlag abgelehnt. Ihre letzten Jahre verbrachte sie mit Anstellungen als Hilfslehrerin und Bibliothekarin. Gesundheitliche und finanzielle Not nahmen zu. Im Jahr 1959 erlitt sie mehrere Schlaganfälle und musste Sozialhilfe beantragen. Man nahm sie in das Fürsorgeheim von St. Lucie County auf, wo sie wenige Monate später einem Herzleiden erlag. Sie starb am 28. Januar 1960 in Fort Pierce in Florida.
Ihr Besitz wurde nach dem Tod verbrannt, wie es damals üblich war. Nur ein Teil davon konnte durch den Hilfssheriff gerettet werden; dieser Rest ging später an die University of Florida. Freunde sammelten Geld für das Begräbnis. Beigesetzt wurde sie in einem anonymen Grab auf dem Friedhof Garden of Heavenly Rest in Fort Pierce.
Literarische Merkmale↑
Prägend für Hurstons Schreiben ist die Sprache der schwarzen Landbevölkerung des amerikanischen Südens. Sie ließ ihre Figuren im Dialekt sprechen, statt deren Reden in gehobenes Schriftenglisch zu übersetzen. Genau daran nahmen andere afroamerikanische Autoren Anstoß: Ralph Ellison und Richard Wright kritisierten sie seinerzeit dafür.
Ihr zweites Kennzeichen ist die Nähe zur Volkskunde. Jahrelang sammelte sie Geschichten, Lieder, Tänze und Gebete, und dieses gesammelte Material floss in ihr literarisches Werk ein. In ihren Büchern verarbeitete sie ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen an das ländliche Leben der Schwarzen im Amerika der Jahrhundertwende. Wissenschaftliche Feldforschung und Erzählkunst gingen bei ihr ineinander über.
Rezeption↑
Als eine der führenden Akteurinnen der Harlem Renaissance gehörte Hurston in den 1930er Jahren zu den bedeutendsten Autoren der afroamerikanischen Literatur. Bereits ihre frühen Arbeiten wurden ausgezeichnet: Für Spunk und Color Struck erhielt sie zwei zweite Preise im Wettbewerb der Zeitschrift Opportunity. Nach Mules and Men förderte sie die Guggenheim-Stiftung mit einem Forschungsauftrag.
Umstritten war sie unter ihren eigenen Kollegen. Ralph Ellison und Richard Wright warfen ihr vor, im Dialekt der Schwarzen zu schreiben.
Ihre späten Jahre verliefen im Abseits. Ein wichtiges Buchprojekt lehnte der Verlag ab, und sie starb verarmt in einem Fürsorgeheim. Für das Begräbnis mussten Freunde Geld sammeln, und sie wurde in einem anonymen Grab beigesetzt. Ein Teil ihres Nachlasses entging der Vernichtung und gelangte später an die University of Florida.
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