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Autoreneintrag · Alberto Moravia
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Porträt Alberto Moravia
Alberto Moravia
1907 – 1990
– Autorenporträt –

Alberto Moravia

1907 – 1990 · 82 Jahre

Italienischer Erzähler, der das Leben in Rom oft aus der Sicht einfacher Menschen schilderte und wegen der offenen Darstellung von Sexualität wiederholt in Konflikt mit der katholischen Kirche geriet – einer seiner Romane wurde deshalb sogar auf den Index gesetzt.

Kurzbiografie↑

Alberto Moravia, geboren am 28. November 1907 in Rom, zählt zu den bekanntesten italienischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Eigentlich hieß er Alberto Pincherle; das Pseudonym Moravia lehnte er an den Familiennamen seiner Großmutter an. Bereits sein Debüt Die Gleichgültigen legte die beiden großen Themen fest, die sein Werk durchziehen: die Macht von Sexualität und Geld. In seinen Romanen und Erzählungen schilderte er das Leben in Rom, oft aus der Sicht einfacher Menschen. Wegen seiner offenen Darstellung von Sexualität geriet er wiederholt in Konflikt mit der katholischen Kirche. Moravia starb am 26. September 1990 in seiner römischen Wohnung.


Biografie↑

Als zweites von vier Kindern einer jüdisch-katholischen Familie wurde Alberto Pincherle in der via Giovanni Sgambati in Rom geboren. Sein jüdischer Vater Carlo, ein Architekt und Maler, stammte aus Venedig. Die katholische Mutter, Teresa Iginia De Marsanich, kam aus Ancona. Den Namen Moravia – das lateinische Wort für Mähren – legte sich der Schriftsteller später zu, in Anlehnung an den Familiennamen der Großmutter väterlicherseits.

Im Alter von neun Jahren erkrankte er an Knochentuberkulose. Zwischen 1916 und 1925 verbrachte er die meiste Zeit in Sanatorien, unter anderem zwei Jahre im Sanatorio Codivilla in Cortina d’Ampezzo. In diesen Jahren las er viel, darunter Werke von Giacomo Leopardi, Carlo Goldoni, Arthur Rimbaud, Molière, Giovanni Boccaccio, Alessandro Manzoni, William Shakespeare, Charles Dickens, Nikolai Gogol und Dostojewski.

Nach seiner Entlassung aus dem Sanatorium begann er 1925 mit den Aufzeichnungen zu seinem Roman Die Gleichgültigen. Das Werk schildert das ereignisarme Leben der verwitweten Mariagrazia, ihres Liebhabers Leo und ihrer beiden gerade erwachsen gewordenen Kinder. Die beiden großen Themen seines späteren Schaffens, die Macht von Sexualität und Geld, sind hier schon angelegt. Den 1929 erschienenen Roman ließ Moravia auf eigene Kosten drucken; er gilt als einer der ersten existenzialistischen Romane. Schon 1927 hatte er begonnen, Erzählungen in der Zeitschrift '900 zu veröffentlichen.

In den 1930er Jahren arbeitete Moravia als Auslandskorrespondent für italienische Tageszeitungen und bereiste Polen, China, Mexiko und die USA. 1936 lernte er die Schriftstellerin Elsa Morante kennen, die er 1941 heiratete. Seine journalistische Arbeit brachte ihn früh in Konflikt mit dem faschistischen Regime unter Benito Mussolini und mit dem Vatikan. Er erhielt Schreibverbot und verlor seine Arbeit. Daraufhin zog er sich zwischen 1941 und 1943 nach Capri zurück, wo er die Arbeit wieder aufnahm und mit La mascherata eine Satire auf den Faschismus schrieb.

Während der deutschen Besetzung Roms 1943 geriet auch Moravia in Lebensgefahr und flüchtete in die Berge der Ciociaria. Versteckt unter einfachen Menschen, schrieb er dort an weiteren Romanen. Nach der Befreiung Italiens erschien Agostino, das Psychogramm eines dreizehnjährigen Jungen, der mit seiner Mutter die Ferien am Meer verbringt. Nach dem Krieg kehrte Moravia zum Journalismus zurück, arbeitete für den Corriere della Sera und schrieb vor allem Filmkritiken.

1947 erschien Die Römerin. Erstmals stand das Leben einer einfachen Frau aus der römischen Unterschicht im Mittelpunkt: Adriana wird schon als junges Mädchen von ihrer Mutter als Modell an zweitklassige Maler verkauft, rebelliert aber nicht gegen ihr Schicksal. Die Themen Sexualität, Suizid und Wertverlust erregten Anstoß bei der katholischen Kirche, die das Werk 1952 wegen Obszönität auf den Index setzte. Im selben Jahr erhielt Moravia für seine Erzählungen den Premio Strega, einen bedeutenden italienischen Literaturpreis.

1953 gründete er mit Alberto Carocci die Zeitschrift Nuovi Argomenti, für die er zusammen mit seinem Freund Pier Paolo Pasolini als Redakteur arbeitete. 1954 und 1959 legte er die beiden Bände seiner Römischen Erzählungen vor, in denen Gauner, Taxifahrer, Hausmädchen und Gelegenheitsprostituierte von ihren Abenteuern berichten. So entsteht ein Mosaik des römischen Lebens. Mit Die Langeweile gelang ihm 1960 noch einmal ein Welterfolg; er griff darin das Thema der Gleichgültigkeit aus seinem ersten Roman wieder auf.

Nach der Trennung von Elsa Morante 1962 lebte Moravia lange mit der Schriftstellerin Dacia Maraini zusammen. 1986 sorgte seine Heirat mit der um 47 Jahre jüngeren Spanierin Carmen Llera für Aufsehen. Sein Wohnsitz und seine stärkste Inspiration blieb Rom. Auch im demokratischen Italien eckte er immer wieder an, vor allem beim Vatikan, der seine Bücher wegen ihrer sexuellen Beschreibungen ablehnte. Sein politisches Interesse dokumentiert sich in seiner Wahl zum Abgeordneten der Kommunistischen Partei Italiens im Europaparlament, dem er von 1984 bis 1989 angehörte. Moravia starb 1990 an Herzversagen.


Literarische Merkmale↑

Bestimmend für Moravias Schreiben sind zwei Themen, die bereits in seinem Debüt angelegt sind und alle nachfolgenden Werke prägen: die Macht von Sexualität und Geld. Immer wieder umkreist er die Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit seiner Figuren. In Die Gleichgültigen bestimmen Lethargie und Antriebslosigkeit der Personen den Ton des Buches. In Die Langeweile variierte er dasselbe Thema noch einmal, wobei Sexualität hier nicht mehr als Verständigung zwischen zwei Menschen erscheint, sondern auf eine beziehungslose Triebhaftigkeit reduziert wird.

Sein Blick richtet sich häufig auf einfache Menschen, besonders auf starke Frauenfiguren aus der römischen Unterschicht. In den Römischen Erzählungen führt er die niemals schmerzfreie Kunst des Überlebens nicht als Drama, sondern als Komödie vor. Rom prägt durchweg die Atmosphäre seiner Romane. Sein Erzählen gilt als früh existenzialistisch geprägt; Die Gleichgültigen wird zu den ersten existenzialistischen Romanen gezählt. Zugleich waren seine Romane, ähnlich wie der italienische Film der Nachkriegszeit, vom Neorealismus geprägt.


Rezeption↑

Schon früh fanden Moravias Romane und Erzählungen den Weg auf die Leinwand. Italienische Regisseure verfilmten seine Stoffe, darunter Luigi Zampa, Vittorio De Sica und Bernardo Bertolucci. Doris Dörrie drehte 1988 eine deutsche Neuverfilmung von Ich und er. In Frankreich entstand 1963 unter der Regie von Jean-Luc Godard der zum Klassiker gewordene Film Die Verachtung mit Michel Piccoli und Brigitte Bardot, teilweise gedreht in der Villa Malaparte auf Capri.

Zugleich stieß sein Werk wiederholt auf Widerstand. Die katholische Kirche setzte Die Römerin 1952 wegen Obszönität auf den Index, und der Vatikan lehnte ihn auch später wegen seiner ausführlichen sexuellen Beschreibungen ab. Anerkennung fand er 1952 mit dem Premio Strega für seine Erzählungen. Sein politisches Engagement führte ihn bis ins Europaparlament, dem er von 1984 bis 1989 als Abgeordneter der Kommunistischen Partei Italiens angehörte.

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