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Autoreneintrag · Wsewolod Michailowitsch Garschin
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Porträt Wsewolod Michailowitsch Garschin
Wsewolod Michailowitsch Garschin
1855 – 1888
– Autorenporträt –

Wsewolod Michailowitsch Garschin

1855 – 1888 · 33 Jahre

Russischer Erzähler des 19. Jahrhunderts, dessen schonungslose Kriegsgeschichten zu den Klassikern der Antikriegsliteratur zählen – 1888 nahm er sich mit 33 Jahren das Leben.

Kurzbiografie↑

Wsewolod Michailowitsch Garschin zählt zu den bedeutendsten russischen Erzählern des 19. Jahrhunderts. Geboren 1855, schuf er in nur wenigen Jahren ein schmales, aber einflussreiches Werk aus Erzählungen und Novellen. Berühmt wurde er durch seine Kriegsgeschichten, die auf seinen eigenen Erlebnissen als Freiwilliger im Russisch-Türkischen Krieg beruhen. Sein Werk, so wird angenommen, wirkte auf Tschechow, Gorki und weitere russische Autoren. Von schwerer Schwermut gezeichnet, nahm er sich 1888 in Sankt Petersburg das Leben.


Biografie↑

Geboren wurde Garschin am 14. Februar 1855 (nach dem gregorianischen Kalender) im Gouvernement Jekaterinoslaw im Russischen Kaiserreich. Er war der Sohn eines Offiziers und einer Gutsbesitzertochter; seine Vorfahren entstammten tatarischem Adel. Die Ehe der Eltern scheiterte, und seine Mutter zog 1863 mit dem Jungen nach Sankt Petersburg. Dort besuchte er von 1864 bis 1874 das Realgymnasium.

Als Absolvent eines Realgymnasiums konnte Garschin nicht die geisteswissenschaftlichen Fächer studieren, die seinen Neigungen entsprochen hätten. Stattdessen nahm er 1874 ein Studium an der Bergakademie auf. Dieses brach er 1877 ab, um als Freiwilliger am Russisch-Türkischen Krieg von 1877/1878 teilzunehmen. Nach seiner Entlassung aus dem Militär nahm er das Studium nicht wieder auf.

Garschin heiratete Nadeschda Michailowna, eine Ärztin, und trat eine Stelle als Sekretär bei der Eisenbahnverwaltung an. Seit 1876 veröffentlichte er zwar, konnte von den Erträgen aber nicht leben. Im Jahr 1883 stand er dem Maler Ilja Repin für dessen Gemälde Iwan der Schreckliche und sein Sohn Modell: Er verkörperte den jungen Iwan. Eine Nichte Garschins war die Kunsthistorikerin Natalja Garschina-Engelhardt.

Seine psychische Verfassung, die besonders durch die Erlebnisse im Krieg schwer erschüttert worden war, verschlechterte sich in den 1880er Jahren zusehends. Schwermut und Melancholie plagten ihn, dazu Schlaf- und Appetitlosigkeit, heftige Reizbarkeit und anhaltende Weinkrämpfe. Ausgelöst wurden diese Zustände oft durch die Repressalien, die ihm nahestehende Intellektuelle erdulden mussten. In der Regierungszeit des Zaren Alexander III. gab es dafür häufig Anlass. Am 31. März 1888 stürzte sich Garschin in tiefster Depression in seiner St. Petersburger Wohnung in den Treppenschacht. Am 5. April 1888 erlag er seinen Verletzungen.


Literarische Merkmale↑

Garschins Prosa gilt als meisterhaft gearbeiteter Realismus. Seine psychologische Darstellungsweise war durch das Frühwerk Dostojewskis geprägt. In seiner ersten Erzählung Vier Tage aus dem Jahr 1877 setzte er den inneren Monolog als literarisches Mittel ein. Kennzeichnend für seine Kriegserzählungen ist ein schonungsloser, sachlich berichtender Stil. In ihm schildert er das bittere Erleben des Soldaten und die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber brutaler, autoritärer Gewalt. So lesen sich diese Texte als große Anklage gegen den Krieg und zählen zu den Klassikern der Antikriegsliteratur.


Rezeption↑

Bekannt wurde Garschin vor allem durch seine Kriegserzählungen, die auf seinen traumatischen Erlebnissen im Russisch-Türkischen Krieg beruhen. Zu ihnen gehört der Zyklus Die Menschen und der Krieg, der zwischen 1877 und 1883 entstand. Seine realistische Prosa wurde zum Vorbild für Tschechow, Gorki und weitere russische Autoren, die sein Werk schätzten.

Im deutschsprachigen Raum fand Garschin seit den ersten Übersetzungen von 1884 breitere Aufmerksamkeit. Von einzelnen Erzählungen erschienen bis zu vier verschiedene Übertragungen; so wurde Vier Tage zwischen 1887 und 1890 mehrfach übersetzt. Nach seinem frühen Tod 1888 geriet er jedoch bald in Vergessenheit, auch überschattet vom bedeutenden Werk Tolstois, Dostojewskis, Tschechows und Gorkis. In der DDR erschienen drei neu übersetzte Ausgaben seiner Erzählungen, darunter eine Gesamtausgabe von 1957, dazu Lizenzausgaben in der Bundesrepublik. Nach 1990 gab es nur noch wenige kleinere Nachdrucke; seither sind die meisten seiner Werke auf Deutsch nur noch antiquarisch erhältlich. Zu seinem 100. Geburtstag gab die sowjetische Post 1955 eine Sondermarke heraus.

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