1927 – 2014
Gabriel García Márquez
Kurzbiografie↑
Gabriel García Márquez, geboren 1927 in der kolumbianischen Kleinstadt Aracataca, zählt zu den bekanntesten Erzählern Lateinamerikas. Im spanischsprachigen Raum nannte man ihn schlicht Gabo. Er begann als Journalist und wurde 1967 mit dem Roman Hundert Jahre Einsamkeit weltberühmt: über dreißig Millionen verkaufte Exemplare machten das Buch zu einem der erfolgreichsten Romane des 20. Jahrhunderts. García Márquez verhalf dem Magischen Realismus zu großer Verbreitung, jener Erzählweise, die magische Elemente in ganz realistische Situationen einfügt. 1982 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er starb 2014 in Mexiko-Stadt.
Biografie↑
Aufgewachsen ist García Márquez nicht bei seinen Eltern, sondern bei den Großeltern mütterlicherseits. Sein Vater Gabriel Eligio García Martínez war Telegraphist, Homöopath und später Apotheker, die Mutter hieß Luisa Santiaga Márquez Iguarán. Gabriel war der Älteste von elf Geschwistern. Als die Familie im Januar 1929 ins Departamento de Sucre zog, blieb der Junge in Aracataca zurück, bei Doña Tranquilina Iguarán Cortés und dem Oberst Nicolás Ricardo Márquez Mejía, einem Veteranen des Tausendtagekriegs. Erst als der Großvater 1936 starb, kehrte er zu den Eltern nach Sucre zurück. Sein jüngster Bruder Eligio García Márquez (1947–2001) wurde ebenfalls Schriftsteller.
Über das Geburtsjahr gab es lange widersprüchliche Angaben: Einige Quellen nannten 1928, in seiner Autobiografie nennt der Autor selbst das Jahr 1927.
Mit zwölf Jahren erhielt er ein Stipendium für das Jesuitenkolleg in Zipaquirá, rund dreißig Kilometer nördlich von Bogotá. 1946 begann er auf Wunsch der Eltern ein Jurastudium an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá. In diesen Jahren lernte er Mercedes Barcha Pardo kennen, seine spätere Frau; sie starb im August 2020 im Alter von 87 Jahren. Das Studium langweilte ihn, 1950 gab er es endgültig auf und wandte sich stattdessen der Poesie und der Literatur zu. Als junger Journalist bewunderte er um 1950 William Faulkner, Virginia Woolf und James Joyce. Er schloss sich einer Gruppe kolumbianischer Literaten in Barranquilla um Álvaro Cepeda Samudio an.
Ab Anfang 1950 schrieb er für die Zeitung El Heraldo in Barranquilla regelmäßig die Kolumne „La Jirafa“. 1954 wechselte er zu El Espectador, wo er zunächst kleinere Geschichten und Filmrezensionen verfasste. Später arbeitete er auch für El Universal und El Tiempo. Der Beruf führte ihn weit herum: nach Rom, Genf, Polen, Ungarn, Paris, Barcelona, Mexiko, Caracas und New York. Dort kam 1959 sein erster Sohn Rodrigo zur Welt.
Im selben Jahr bat ihn Fidel Castro, ein Buch über dessen siegreiche Revolution zu schreiben. Aus der Begegnung wurde eine enge Freundschaft, und García Márquez hielt sich später oft in Kuba auf. Diese Nähe brachte ihm immer wieder Kritik ein. Sie führte zum Bruch mit dem peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der ihn 1986 in einer Rede auf dem P.E.N.-Kongress einen „cortesano de Castro“, einen Höfling Castros, nannte. 2003 forderte Susan Sontag ihn vergeblich auf, sich dem Protest gegen eine „Welle der Repression“ in Kuba anzuschließen. García Márquez war ein bekennender Sozialist.
Sein Werk umfasst Drehbücher, Kolumnen, Reportagen, Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane und Memoiren. Der Durchbruch kam 1967 mit Hundert Jahre Einsamkeit, der in seiner Heimat angesiedelt ist. 1972 erhielt er den Neustadt International Prize for Literature. Zehn Jahre später folgte der Nobelpreis für Literatur, verliehen für Werke, „in denen sich das Phantastische und das Realistische […] vereinen, die Leben und Konflikt eines Kontinents widerspiegeln“. Das Preisgeld steckte er in die Gründung der Tageszeitung El Otro. 1998 wurde er Mitbesitzer der Zeitschrift Cambio.
Die Politik durchzieht auch seine Bücher. Das Abenteuer des Miguel Littín schildert die Unterdrückung der Menschen unter der Diktatur von Augusto Pinochet in Chile. Am 28. November 1986 wurde dieses Buch in Valparaíso öffentlich verbrannt. Nachricht von einer Entführung handelt von Zivilisten, die von der kolumbianischen Drogenmafia entführt wurden. García Márquez engagierte sich außerdem mit öffentlichen Reden, etwa am 6. August 1986 auf der Conferencia de Ixtapa in Mexiko zum Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs über Hiroshima. Aus politischen Gründen führte er keine Gespräche auf Englisch.
1999 erkrankte er an Krebs und unterzog sich einer Chemotherapie. Später litt er an Demenz. Am 17. April 2014 starb er im Alter von 87 Jahren in Mexiko-Stadt, wo er überwiegend gewohnt hatte. Bei der Trauerfeier sprachen sowohl der kolumbianische als auch der mexikanische Staatspräsident. Die Erben verkauften den Nachlass an die University of Texas; seit November 2015 steht er der Forschung offen. Nach der Feuerbestattung wurde ein Teil der Asche am 22. Mai 2016 im Claustro de la Merced in Cartagena de Indias beigesetzt, ein Teil blieb in Mexiko. Aus dem Nachlass erschien im März 2024 der Roman Wir sehen uns im August, der einzige, in dem eine Frau die alleinige Hauptfigur ist.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für García Márquez ist der Magische Realismus, dem er zu weiter Verbreitung verhalf. Diese Erzählweise fügt magische Elemente in ganz realistische Situationen ein. Viele seiner Bücher kreisen um dasselbe Thema: die Einsamkeit des Einzelnen und die Isolation Lateinamerikas.
Er blieb dabei nie auf eine Form festgelegt. Neben Romanen schrieb er Erzählungen und Kurzgeschichten, dazu Drehbücher, Kolumnen, Reportagen und Memoiren. Die journalistische Arbeit lief jahrzehntelang neben dem literarischen Werk her und prägte auch dessen Stoffe: Nachricht von einer Entführung und Das Abenteuer des Miguel Littín greifen unmittelbar politische Wirklichkeit auf.
Rezeption↑
Weltweiten Ruhm brachte ihm 1967 Hundert Jahre Einsamkeit. Der Roman verkaufte sich mehr als 30 Millionen Mal. 1972 folgte der Neustadt International Prize for Literature, 1982 der Nobelpreis für Literatur.
Der amerikanische Literaturwissenschaftler Harold Bloom sieht das Schaffen von García Márquez vor allem durch William Faulkner und Franz Kafka geprägt. In Hundert Jahre Einsamkeit treten nach Blooms Einschätzung möglicherweise Jorge Luis Borges und Alejo Carpentier als literarische Vorbilder an ihre Stelle.
Nicht alles an seiner öffentlichen Rolle fand Zustimmung. Die Freundschaft mit Fidel Castro stand immer wieder in der Kritik und kostete ihn die Freundschaft zu Mario Vargas Llosa. Seine politischen Bücher stießen auf offene Feindschaft: 1986 wurde Das Abenteuer des Miguel Littín in Valparaíso öffentlich verbrannt. Wie hoch sein Rang in Kolumbien und Mexiko war, zeigte sich bei seiner Trauerfeier, bei der die Staatspräsidenten beider Länder sprachen. Sein Nachlass ging an die University of Texas und steht seit November 2015 der Forschung offen; aus ihm erschien 2024 der Roman Wir sehen uns im August.
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