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Porträt Edmondo Mario Alberto De Amicis
Edmondo Mario Alberto De Amicis
1846 – 1908
– Autorenporträt –

Edmondo Mario Alberto De Amicis

1846 – 1908 · 61 Jahre

Italienischer Schriftsteller des jungen Königreichs Italien, dessen Jugendbuch „Cuore" (Herz) von 1886 in kurzer Zeit in viele Sprachen übersetzt wurde.

Kurzporträt

Der italienische Schriftsteller Edmondo De Amicis wurde 1846 in Oneglia geboren und starb 1908 in Bordighera. Er gehört zu den bekanntesten Autoren des jungen Königreichs Italien. Sein berühmtestes Werk ist das Jugendbuch Cuore (Herz). Es hatte nach seinem Erscheinen 1886 sofort großen Erfolg und wurde innerhalb weniger Monate in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bevor er sich der Literatur zuwandte, war De Amicis Offizier und arbeitete als Kriegsberichterstatter. Daneben schrieb er eine Reihe vielgelesener Reisebücher. In seinen späteren Jahren wandte er sich sozialen Fragen und den Ideen des Sozialismus zu.


Biografie

Edmondo De Amicis wuchs im damaligen Königreich Sardinien auf. Zuerst ging er in Cuneo zur Schule und besuchte später das Lyzeum in Turin. Mit sechzehn Jahren kam er zur Militärakademie von Modena, der Accademia militare di Modena, und wurde Offizier.

Im Jahr 1866 nahm er als Leutnant an der Schlacht von Custoza teil. Nach der überlieferten Darstellung trug er zur Niederlage der savoyischen Truppen bei, weil er außerstande war, seine Soldaten zu führen. Wahrscheinlich verursachte diese Erfahrung die Enttäuschung, die ihn später dazu trieb, das Heer zu verlassen. Dennoch hielt De Amicis die Armee weiterhin für am ehesten geeignet, die von ihm ersehnte Einheit Italiens zu bewirken, eher als die Politiker. Militärische Disziplin empfahl er als erzieherisches Mittel. Dieses Thema und seine eigenen Erfahrungen spiegeln sich in einer Reihe kurzer literarischer Skizzen. Er veröffentlichte sie unter dem Obertitel La vita militare (Das militärische Leben) 1868 erstmals in L’Italia militare, der Zeitschrift des Kriegsministeriums.

Dieser Einstand verschaffte ihm nach seinem Abschied von der Armee einen Auftrag der in Florenz erscheinenden Tageszeitung La Nazione. Sie entsandte ihn als Kriegsberichterstatter in die letzte Phase der italienischen Unabhängigkeitskriege. So erlebte er unter anderem die Eroberung Roms am 20. September 1870. In den folgenden Jahren verfasste De Amicis zahlreiche Reisebücher: Spagna (1873), Olanda (1874), Ricordi di Londra (1874), Marocco (1876), Costantinopoli (1878) und Ricordi di Parigi (1879).

Am 17. Oktober 1886, einem ersten Schultag, gab der Verlag Treves seinen Roman Cuore heraus. Das Buch erntete sofort großen Erfolg. Innerhalb weniger Monate erschienen Übersetzungen in vielen Sprachen. Es wurde im damaligen Italien sehr geschätzt, weil es das Pathos des Risorgimento mitsamt seinen moralischen Ansprüchen passgenau verkörperte. Unter Katholiken war Cuore hingegen von Anfang an wegen seiner ungeschminkt laizistischen Tendenz umstritten. Religiöse Handlungen kommen darin überhaupt nicht vor, die Schüler feiern nicht einmal Weihnachten. Die Zugehörigkeit De Amicis’ zur Freimaurerei ist nicht einwandfrei belegbar. Sein Versuch, in Cuore eine laizistische Staatsreligion als Ersatz für den Katholizismus zu skizzieren, wird jedoch von vielen Literaturkritikern für unstrittig gehalten.

In den Jahren um 1890 näherte sich De Amicis den Ideen des Sozialismus. Diese Veränderung ist auch in seinen späteren Werken bemerkbar, in denen er den Problemen der ärmsten sozialen Schichten Beachtung schenkt. Die nationalen Vorstellungen aus Cuore werden dabei völlig überholt. Es folgten Bücher wie Sull’Oceano (1889), das von den schlechten Lebensbedingungen der armen italienischen Auswanderer berichtet, Il romanzo di un maestro (1890), Amore e ginnastica (1892), Maestrina degli operai (1895) und La carrozza di tutti (1899). Außerdem schrieb er viele Artikel über die sozialen Probleme der Einwohner von Turin. Diese wurden im Buch Questione sociale (1894) gesammelt.

Seine letzten Werke waren L’idioma gentile (1905) und Nuovi ritratti letterari e artistici (1908). Seine letzten Jahre standen unter dem Schatten des Todes seiner Mutter, an der er sehr hing, und der andauernden Anfälle seiner Frau Teresa Boassi. Diese gipfelten in der Selbsttötung seines Sohns Furio. 1901 war De Amicis in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen worden, 1903 in die Accademia della Crusca in Florenz. Edmondo De Amicis starb 1908 in Bordighera.


Literarische Merkmale

Charakteristisch für das Schreiben De Amicis’ ist die enge Verbindung von eigener Erfahrung und literarischer Gestaltung. Seine Zeit als Offizier verarbeitete er in kurzen literarischen Skizzen. Seine Reisen als Berichterstatter wurden zur Grundlage einer ganzen Reihe von Reisebüchern. In Cuore verband er erzählerisches Pathos mit einem ausgeprägten moralischen und erzieherischen Anspruch, der das Empfinden des Risorgimento aufnahm. Bemerkenswert ist dabei die betont laizistische Haltung: Religiöse Handlungen fehlen vollständig. In seinen späteren Werken trat das nationale Pathos zurück, und er richtete den Blick auf die Lebensbedingungen der ärmsten Schichten.


Rezeption

Nach seinem Erscheinen 1886 hatte Cuore sofort großen Erfolg. Innerhalb weniger Monate wurde es in viele Sprachen übersetzt. Im damaligen Italien wurde das Buch sehr geschätzt, weil es das Pathos des Risorgimento und dessen moralische Ansprüche verkörperte. Zugleich war es von Beginn an umstritten: Unter Katholiken stieß seine laizistische Tendenz auf Ablehnung. Vor allem ab den 1970er Jahren wurde das Werk gerade wegen seiner nationalistischen und moralisierenden Töne von progressiven Pädagogen abgelehnt.

Die Wirkung des Romans reicht bis in die jüngere Unterhaltungskultur. Die in Cuore enthaltene Geschichte Dagli Appennini alle Ande wurde Ende der 1970er Jahre als 52-teilige japanische Anime-Serie unter dem Titel Haha o Tazunete Sanzen Ri verfilmt. In Deutschland erschien diese als Marco. Eine vollständige Verfilmung des Romans als 26-teiliger Anime erschien 1981 als Ai no Gakkō: Cuore Monogatari. Zudem diente das Buch als Vorlage der 1990 entstandenen Weihnachtsserie Marco – Über Meere und Berge.

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