1845 – 1900
José Maria de Eça de Queirós
Kurzbiografie↑
José Maria Eça de Queirós zählt zu den bekanntesten portugiesischen Erzählern des 19. Jahrhunderts. Er verband den Beruf des Diplomaten mit dem des Schriftstellers. Geboren wurde er 1845 in Póvoa de Varzim, gestorben ist er 1900 in Neuilly-sur-Seine bei Paris. Seine Romane durchleuchteten den Adel und vor allem den Klerus seiner Heimat mit scharfem, oft sarkastischem Humor. Früh hefteten ihm Kritiker das Etikett eines „portugiesischen Zola“ an. Mit Werken wie O primo Basílio und Os Maias gehört er zu den festen Größen der portugiesischen Literatur.
Biografie↑
Geboren wurde Eça de Queirós am 25. November 1845 in Póvoa de Varzim. Von 1861 bis 1866 studierte er Jura an der Universität Coimbra. Gegen Ende dieser Zeit erschienen seine ersten literarischen Arbeiten in der Gazeta de Portugal. 1867 ließ er sich als Rechtsanwalt in Lissabon nieder.
Anlässlich der Eröffnung des Sueskanals bereiste er 1869 den Nahen Osten. Ab 1870 bekleidete er ein Verwaltungsamt. 1872 wechselte er in den diplomatischen Dienst. In dieser Laufbahn vertrat er Portugal als Konsul in Havanna, ab 1874 in Newcastle, ab 1878 in Bristol und ab 1888 in Paris. Dort blieb er bis zu seinem Tod.
In seinem Schreiben nahm Eça de Queirós Einflüsse der Romantik, des Realismus und des Naturalismus auf. Er bewunderte die französische Literatur, besonders Honoré de Balzac und Gustave Flaubert. Seine Sozialkritik richtete sich gegen den Erb-, Geld- und Amtsadel, dem er selbst entstammte, und vor allem gegen den Klerus. Mehrere seiner Werke schildern Hauptfiguren, denen es trotz bester Voraussetzungen nicht gelingt, etwas aus ihrem Leben zu machen.
Sein erzählerisches Werk ist umfangreich. O Crime do Padre Amaro (1875, deutsch Das Verbrechen des Paters Amaro) zeigt die zerstörerischen Folgen des Zölibats an einem charakterschwachen Priester. Es folgen O Mandarim (1880) und A Relíquia (1887, Die Reliquie). In A Ilustre Casa de Ramires (1900, Das berühmte Haus Ramires) ironisiert er einen schwachen Provinz-Intellektuellen. Bei A Relíquia fielen Ähnlichkeiten mit Die Memoiren des Judas von Ferdinando Petruccelli della Gattina auf. Deshalb beschuldigten einige Gelehrte Eça de Queirós des Plagiats.
Mit dem Roman O primo Basílio (1878, deutsch Vetter Basilio) erlangte er Bekanntheit über Portugal hinaus. Das Buch erzählt die Geschichte der jungen Luísa und wird zu den großen Liebes- und Verführungsromanen des 19. Jahrhunderts gezählt. Als sein Hauptwerk gilt Os Maias (1888, Die Maias). Dieser Roman erzählt den Verfall einer Aristokratenfamilie. Einige Werke erschienen erst nach seinem Tod. Dazu gehört A cidade e as Serras (1901, Stadt und Gebirg), eine Kritik an der städtischen Hyperzivilisation und zugleich eine Liebeserklärung an die portugiesische Landschaft. Ebenso zählen dazu A Tragédia da Rua das Flores und A Capital (Die Hauptstadt). Eça de Queirós starb am 16. August 1900 in Neuilly-sur-Seine bei Paris.
Literarische Merkmale↑
Im Gegensatz zur rhetorischen Tradition der portugiesischen Literatur entwickelte Eça de Queirós einen leichten, ironischen und urbanen Erzählton. Sein Stil zeichnet sich durch kurze Sätze aus. Wichtigstes Mittel seiner Gesellschaftskritik ist ein zuweilen sarkastischer Humor, mit dem er Adel und Klerus seiner Zeit bloßstellte. Vorbilder fand er in der französischen Literatur, besonders bei Honoré de Balzac und Gustave Flaubert. In seinem Werk verbinden sich Einflüsse der Romantik, des Realismus und des Naturalismus.
Rezeption↑
Schon früh trug Eça de Queirós bei Kritikern den Beinamen eines „portugiesischen Zola“. Sein Roman O primo Basílio verschaffte ihm Bekanntheit über die Grenzen Portugals hinaus. Literarisch wird er neben Werke wie Theodor Fontanes Effi Briest, Gustave Flauberts Madame Bovary, Tolstois Anna Karenina und Claríns La Regenta (Die Präsidentin) gestellt. Os Maias gilt als sein Hauptwerk.
Seine Bücher wurden in mehrere deutsche Übersetzungen gebracht. Diese reichen von frühen Ausgaben um 1930 bis zu Neuübersetzungen jüngerer Zeit, etwa Die Maias in der Übertragung von Marianne Gareis aus dem Jahr 2024. Auch im Film wirkte sein Werk nach. Es wurde vielfach verfilmt, vor allem für das portugiesische Kino, aber auch im Ausland. Zu den Beispielen zählen Adaptionen von O primo Basílio und O Crime do Padre Amaro. Dazu kommen die Mehrteiler und Serien nach Os Maias bis in die 2000er Jahre.
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