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Die Maias
1888
– Werkseintrag –

Die Maias

1888 · Roman

Über drei Generationen hinweg erzählt der Roman vom Glanz einer vornehmen Lissabonner Familie und von einer Liebe, die Carlos da Maias Leben für immer verändert.

Überblick

Zu den bekanntesten Werken des portugiesischen Schriftstellers José Maria Eça de Queirós zählt der Familienroman Os Maias. Er erschien 1888 in Porto. Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie – der Familie Maia – über drei Generationen hinweg. Im Mittelpunkt steht schließlich die jüngste Generation mit der Liebesgeschichte zwischen Carlos da Maia und Maria Eduarda. Der Roman wurzelt im Realismus und Naturalismus jener Autorengeneration, die in Portugal in den 1870er Jahren die älteren romantischen Ideale ablöste.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der Roman spielt in Lissabon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte dreier Generationen der Familie Maia. Zu Beginn, im Herbst 1875, zieht der vornehme und wohlhabende Afonso da Maia in das alte Stadthaus „O Ramalhete". Bei ihm lebt sein Enkel Carlos, der gerade sein Medizinstudium abgeschlossen hat. Afonso ist ein gebildeter, gütiger Mann von festem Charakter. Seinen Enkel hat er nach englischem Vorbild streng und tüchtig erziehen lassen.

Carlos richtet sich in Lissabon eine prächtige Arztpraxis ein und bewegt sich im Kreis seiner Freunde, unter ihnen der scharfzüngige João da Ega. Eines Tages begegnet er einer auffallend schönen Frau namens Maria Eduarda und verliebt sich leidenschaftlich in sie. Er hält sie jedoch für die Ehefrau eines brasilianischen Herrn, Castro Gomes. Zwischen den beiden entspinnt sich eine Liebe, deren Geheimnis den weiteren Verlauf bestimmt – vor dem Hintergrund der feinen Lissabonner Gesellschaft mit ihren Salons und Intrigen.

Die Handlung im Detail

Schauplatz ist Lissabon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Stadthaus der Familie trägt den Namen „O Ramalhete" (Der Blumenstrauß). Er stammt von einem Kachelbild mit Sonnenblumen, das dort angebracht ist, wo eigentlich ein Wappen sein sollte.

Afonso da Maia, das Familienoberhaupt, hatte Maria Eduarda Runa geheiratet. Aus der Ehe ging nur ein Sohn hervor: Pedro da Maia. Pedro wuchs romantisch und eng an die Mutter gebunden auf. Nach ihrem Tod war er untröstlich. Erst als er die auffallend schöne Maria Monforte kennenlernte, fand er zurück ins Leben. Gegen den Willen seines Vaters heiratete er sie – zwischen den Familien Maia und Monforte herrschte eine alte Feindschaft.

Das junge Paar ging nach Italien und führte ein prunkvolles Leben. Zwei Kinder wurden geboren: die Tochter Maria Eduarda und der Sohn Carlos Eduardo. Maria Monforte lehnte den Sohn von Anfang an ab. Kurz nach dessen Geburt verliebte sie sich in einen italienischen Prinzen. Diesen hatte Pedro bei einem Jagdunfall versehentlich verletzt und ins Haus aufgenommen. Eines Tages floh Maria Monforte mit dem Prinzen und nahm die Tochter mit. Pedro kehrte gebrochen mit dem kleinen Sohn ins Haus seines Vaters zurück. In derselben Nacht schrieb er dem Vater einen langen Brief und erschoss sich.

Afonso widmete sein Leben nun dem Enkel Carlos. Er gab ihm die starke, strenge englische Erziehung, die er sich einst für den Sohn erträumt hatte. Jahre vergehen. Gegen den Willen aller außer des Großvaters wurde Carlos Arzt – ein Beruf, der damals kaum als eines Herrn würdig galt. Er richtete eine luxuriöse Praxis ein und ließ sogar ein Labor bauen, in dem er forschen wollte.

Eines Tages lernte Carlos bei einem Essen im Hotel Central eine Frau namens Maria Eduarda kennen. Er verliebte sich in sie, hielt sie aber für die Ehefrau eines brasilianischen Herrn, Castro Gomes. Die beiden wurden ein Liebespaar. Carlos glaubte, seine Schwester und seine Mutter seien längst tot. Maria Eduarda erinnerte sich nur an eine kleine Schwester, die in London gestorben war.

Nach Lissabon zurückgekehrt, ärgerte sich Castro Gomes über die Gerüchte um Carlos und Maria. Er enthüllte Carlos, dass Maria nicht seine Frau sei, sondern eine Frau, die er dafür bezahle, mit ihm zu leben. So erfuhr Carlos, dass Maria ihm über ihre Vergangenheit nicht die Wahrheit gesagt hatte. Sie erzählte ihm, was sie über ihr Leben wusste, und er verzieh ihr. Sie beschlossen zu fliehen, schoben es aber immer wieder auf, weil Carlos den alten Großvater nicht verletzen wollte.

Die Wahrheit brach durch einen Zufall herein. Guimarães, der Onkel eines Bekannten, verriet Ega beiläufig, dass Maria Eduarda Carlos' Schwester ist. Ega erfuhr so das ganze Geheimnis. Vorsichtig überbrachte er Carlos die Nachricht. Für Carlos war es ein schwerer Schlag. Doch er konnte Maria nicht als Schwester sehen und blieb ihr Geliebter. Als Afonso da Maia die Wahrheit erfuhr, starb er an einem Schlaganfall.

Carlos und Maria trennten sich. Carlos ging auf eine Reise um die Welt. Der Roman endet, als er zehn Jahre später zu Besuch nach Lissabon zurückkehrt. Der Schluss bleibt zwiespältig: Carlos und Ega erklären zwar, es lohne sich für nichts zu laufen und alles im Leben sei Täuschung und Leid – und rennen dann doch atemlos hinter einem öffentlichen Verkehrsmittel her, um nicht zu spät zu einem Abendessen zu kommen.

Stil

Der Roman entstand in einer Zeit, in der die Naturwissenschaften großen Einfluss gewannen, und trägt deutlich die Züge des Realismus und Naturalismus. Eça de Queirós arbeitet mit dem Gedanken der Vererbung: Carlos habe den schwachen Charakter von Vater und Großmutter geerbt und von der Mutter den Hang zum Ungleichgewicht in der Liebe. Ebenso zeigt der Roman, wie die Umgebung den Einzelnen prägt. Trotz aller günstigen Voraussetzungen scheitert Carlos, weil die Lissabonner Oberschicht, in der er lebt, ihn dorthin drängt. Auch die noch junge Psychologie klingt an: Carlos begehrt Maria weiter, selbst als er weiß, dass sie seine Schwester ist. Die bloße Auskunft genügt eben nicht, damit er in ihr wirklich die Schwester sieht.

Die eigentliche Hauptfigur ist nicht ein einzelner Mensch, sondern die Familie Maia über drei Generationen. Jede Generation ordnet sich um eine männliche Gestalt, der eine weibliche Figur und ein Kreis enger Freunde zur Seite stehen. So entsteht ein breites Gesellschaftsbild. Eça zeichnet seine Figuren mit feiner Ironie; ein Beispiel ist der verhätschelte Eusebiozinho, dessen Verkleinerungsname schon den Spott mitträgt. Die Romantik der älteren Zeit verkörpert der Dichter Tomás de Alencar, ein Freund der Familie, der noch dem Überschwang vergangener Jahre anhängt.

Kennzeichnend sind ausführliche, genaue Beschreibungen, etwa die des Stadthauses „O Ramalhete" zu Beginn. Und der Roman schließt bewusst zwiespältig: Die großen Worte der Helden über die Nichtigkeit allen Strebens stehen im Widerspruch zu ihrem hastigen Lauf hinter einem Verkehrsmittel her.

Rezeption

Bis heute zählt der Roman Os Maias zu den bekanntesten Werken von Eça de Queirós. Er gehört zu jener Generation portugiesischer Realisten und Naturalisten, die in den 1870er Jahren mit den älteren, romantischen Idealen brach. Mit seinem Bild der vornehmen Lissabonner Gesellschaft und der über drei Generationen gespannten Familiengeschichte wirkt er bis heute nach.

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