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Porträt Euripides
Euripides
-048 – -040
– Autorenporträt –

Euripides

-048 – -040

Jüngster der drei großen griechischen Tragödiendichter und der modernste unter ihnen – mit „Medea“ und „Die Bakchen“ bis heute auf den Bühnen der Welt zu Hause.

Kurzbiografie↑

Als jüngster der drei großen griechischen Tragödiendichter steht Euripides neben Aischylos und Sophokles am Beginn der europäischen Theatergeschichte. Er wurde um 480 v. Chr. auf der Insel Salamis geboren. Er schrieb etwa 90 Tragödien, von denen 18 erhalten sind. Auch eines seiner Satyrspiele ist überliefert. Mit Stücken wie Medea, Iphigenie in Aulis, Elektra und Die Bakchen zählt er bis heute zu den am häufigsten gespielten Dramatikern der Weltliteratur. Schon kurz nach seinem Tod galt er als überragende Gestalt der athenischen Bühne. Während der gesamten Antike zählte er zu den meistgelesenen Tragikern.


Biografie↑

Über das Leben des Euripides ist nur wenig Gesichertes überliefert. Einige Angaben stammen aus einem Vorwort zu byzantinischen Handschriften seiner Werke. Demnach war er der Sohn des Mnesarchos und der Kleito aus dem attischen Demos Phlya. Während des zweiten Perserkriegs flohen seine Eltern 480 v. Chr. nach Salamis. Dort soll er geboren worden sein. Sein Geburtsjahr ist in der Überlieferung nicht eindeutig: Genannt werden 480 v. Chr. ebenso wie 485/484 v. Chr.

Der Sage nach kehrte Euripides immer wieder nach Salamis zurück. Er zog sich dort in eine Höhle zurück und verfasste seine Dramen. Diese Höhle im Süden der Insel wurde 1997 identifiziert. Er soll Fackelträger bei den Riten des Apollon Zosterios gewesen sein. Auch soll er Vorträge bei dem Naturphilosophen Anaxagoras sowie den Sophisten Prodikos und Protagoras gehört haben.

Wichtige feste Daten ergeben sich aus seiner Teilnahme an den Tragödienwettbewerben. Diese wurden in Athen anlässlich der Dionysien ausgerichtet, einer städtischen Kultveranstaltung für den Theatergott Dionysos. Zwischen 455 und 408 v. Chr. brachte Euripides bei diesen Wettkämpfen regelmäßig Tetralogien auf die Bühne, also jeweils drei Tragödien und ein eher grotesk angelegtes Satyrspiel. Mit seinem ersten Beitrag, dem verschollenen Stück Die Peliaden, belegte er den dritten Platz. Seinen ersten Sieg errang er 441 v. Chr. Im Jahr 428 v. Chr. siegte er mit dem erhaltenen Der bekränzte Hippolytos. Dieses Stück war eine Bearbeitung eines einige Jahre zuvor aufgeführten und heftig kritisierten anderen Hippolytos-Stückes. Zu Lebzeiten siegte er insgesamt viermal. Ein weiterer Sieg kam mit einer erst nach seinem Tod aufgeführten Tetralogie hinzu, zu der das berühmte Die Bakchen gehört.

Euripides war ein Freund des Sokrates. Dieser blieb solchen Veranstaltungen sonst eher fern, ging aber bis zum Piräus, wenn Euripides dort ein Stück zeigen ließ. Kurz nach den Dionysien des Jahres 408 v. Chr. folgte er einer Einladung des makedonischen Königs Archelaos I. In dessen Hauptstadt Pella starb er zu Frühjahrsbeginn 406 v. Chr. Einer Sage nach wurde er in Bromiskos von wilden Hunden zerrissen. Diese Erzählung ist jedoch eher als Sinnbild zu verstehen, das auf die dionysisch-ekstatische Seite seines Werkes anspielt.


Literarische Merkmale↑

Unter den Großmeistern der athenischen Tragödie galt Euripides als der modernste. Sein psychologischer Realismus war beim Publikum überaus wirkungsvoll, brachte ihm aber auch Kritik ein. Sophokles warf ihm bei aller Verehrung vor, sich zu weit von den mythischen Vorlagen zu entfernen. Damit verzichte er auf die künstlerische Entfaltung der inneren Notwendigkeit des Geschehens.

Kennzeichnend für sein Werk ist eine ausgeprägte Gesellschafts- und Religionskritik, die ihn Anfeindungen aussetzte. In den Troerinnen übt er verdeckte Kritik an der Expansionspolitik Athens und an dessen Vormachtstellung im Attischen Seebund. In Antigone tritt er für die Demokratie ein. In Elektra zeigt er die Folgen gesellschaftlicher Deklassierung seiner Heldin. Eine zentrale Rolle spielt in seinem Schaffen die dionysisch-eruptive Ekstase.


Rezeption↑

Schon der Tod des Euripides löste sichtbare Trauer aus. Sophokles soll bei der Nachricht Trauergewänder angelegt haben, und seine Schauspieler und Choristen traten unbekränzt auf. In Athen errichtete man ihm ein leeres Erinnerungsgrabmal, ein Kenotaph. Drei seiner nachgelassenen Stücke wurden nach seinem Tod gekrönt. Seine überragende Bedeutung wurde rasch anerkannt. Während der gesamten Antike war er der am häufigsten aufgeführte und gelesene Tragiker. Besonders wirkte er auf die Neue Komödie und deren Hauptvertreter Menander. Im Römischen Reich wurden manche seiner Verse zum vielzitierten Allgemeingut gebildeter Kreise. Auch Galenos schöpfte umfangreich aus ihm.

Nicht alle Stimmen waren ihm zugewandt. Der konservative Aristophanes verehrte Aischylos und kritisierte den großen Einfluss des Euripides. In seiner Komödie Die Frösche prägte er ein von gnadenlosem Spott und grotesken Verzerrungen bestimmtes Euripides-Bild, das bis in die Neuzeit nachwirkte.

In der deutschen Literatur veranlasste eine kritische Auseinandersetzung Christoph Martin Wielands mit Euripides Johann Wolfgang von Goethe zu seiner Farce Götter, Helden und Wieland. Obwohl Goethe ihn darin lächerlich machte, zeigte Wieland Verständnis für dessen Sturm und Drang. Den Lesern seiner Zeitschrift empfahl er die Farce sogar zur Lektüre.

In jüngerer Zeit erscheint Euripides mit Blick auf seine Frauenrollen vergleichsweise modern. Laut Thomas A. Szlezák wurde zwischen der Uraufführung der Medea 431 v. Chr. und den Anfängen des 20. Jahrhunderts kaum ein so grundsätzlicher Protest gegen die einseitige Abhängigkeit der Frau in der Ehe formuliert wie durch Euripides. Er sei über die Jahrhunderte die klassische progressive Stimme zugunsten der Frau geblieben.

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