1808 – 1842
José de Espronceda
Kurzbiografie↑
José de Espronceda gehört zu den bekanntesten Dichtern der spanischen Romantik. Er wurde 1808 in Almendralejo geboren und starb bereits 1842 mit 34 Jahren in Madrid. Sein kurzes Leben war von politischer Auflehnung, Verbannung, Emigration und einer leidenschaftlichen, unglücklichen Liebe geprägt. In seinen Gedichten gab er Außenseitern wie dem Piraten, dem Bettler oder dem Henker eine Stimme und rebellierte gegen Gesellschaft und Konvention. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das erzählende Gedicht El estudiante de Salamanca und das Versepos-Fragment El diablo mundo.
Biografie↑
Geboren wurde José de Espronceda am 25. März 1808 in Almendralejo in der Provinz Badajoz. Sein vollständiger Name lautete José Ignacio Javier Oriol Encarnación de Espronceda y Delgado. Schon als Mittelschüler am Colegio de San Mateo in Madrid war er Vorsitzender der Geheimgesellschaft „Los numantinos“, die zwischen 1823 und 1825 bestand. Wegen dieser Umtriebe wurde er strafweise für fünf Jahre in ein Kloster in Guadalajara verbannt.
Weitere Betätigungen in der Welt der spanischen Freimaurerei brachten ihm polizeiliche Verfolgung und Gefängnishaft ein. 1826 ging er ins Exil und lebte in Gibraltar, Lissabon, London, Brüssel und Paris. In dieser Zeit verliebte er sich in die siebzehnjährige Teresa Mancha, Tochter des liberalen Obersten Epifanio Mancha, und reiste ihr nach London nach. Espronceda nahm 1830 aktiv an der französischen Juli-Revolution teil und beteiligte sich an einer gescheiterten Verschwörung gegen Ferdinand VII.
Nach seiner Rückkehr fand er Teresa mit dem Kaufmann Gregorio de Bayo verheiratet vor. 1832 floh sie mit ihm nach Paris; aus der Verbindung ging eine gemeinsame Tochter namens Blanca hervor. Nach der Amnestie von 1833 konnte Espronceda nach Spanien zurückkehren. Teresa verließ ihn 1836 und starb bald darauf an Tuberkulose. Von da an widmete er sich vor allem der Politik und dem Journalismus. Er wurde Abgeordneter der spanischen Cortes für das Partido Progresista und 1841 republikanischer Abgeordneter, stand jedoch weiterhin unter Polizeibeobachtung. Er starb am 23. Mai 1842 im Alter von 34 Jahren in Madrid an Diphtherie.
Literarische Merkmale↑
Espronceda gilt als Dichter der Verzweiflung und der Begeisterung. Seine Verse wirken oft effekthascherisch und pathetisch, zeichnen sich aber zugleich durch große Musikalität und Phantasie aus. Immer wieder übte er heftigen Protest gegen die konservative Gesellschaft. Deshalb gab er Außenseitern eine Stimme – dem Piraten, dem Bettler, dem Henker. Seine Protagonisten rebellieren gegen Gesellschaft und Konvention; er pflegte einen anarchischen Individualismus in der Nachfolge Byrons.
Diese Haltung zeigt sich in bekannten Gedichten wie Canción del pirata von 1830. In der Sammlung Canciones von 1840 versammelte er fünf Gedichte in bewusst volkstümlicher Sprache, ohne Rücksicht auf die Metrik, darunter El mendigo, El reo de muerte und El verdugo. Das erzählende Gedicht El estudiante de Salamanca von 1840 ist als Ballade angelegt. Das Versepos-Fragment El diablo mundo von 1841 greift den Faust-Stoff auf und enthält den berühmten Canto a Teresa. Auch als Journalist trat Espronceda hervor: Er gilt als Wegbereiter der engagierten Literatur, etwa mit seinem Artikel „Libertad, Igualdad, Fraternidad“ von 1835.
Rezeption↑
Als Wegbereiter der engagierten Literatur hat Espronceda über seine Gedichte hinaus gewirkt. Das zeigt sich auch an seiner Zeitung El Siglo, die nach nur vierzehn Ausgaben der spanischen Zensur zum Opfer fiel. Ihre bekannte letzte Ausgabe bestand nur aus Überschriften und weißen Flächen und wurde so zu einem sichtbaren Protest gegen die Unterdrückung der Pressefreiheit.
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