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Autoreneintrag · André Malraux
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Porträt André Malraux
André Malraux
1901 – 1976
– Autorenporträt –

André Malraux

1901 – 1976 · 75 Jahre

Französischer Erzähler, Abenteurer und erster Kulturminister de Gaulles – seine Romane über Revolution und menschliche Würde machten ihn zum Wegbereiter des Existentialismus.

Kurzbiografie↑

André Malraux gehört zu den vielseitigsten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Geboren 1901 in Paris, führte er ein Leben zwischen Abenteuer, Literatur und Politik: Er reiste als junger Mann nach Indochina, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg auf republikanischer Seite und schrieb Romane, die seinen Ruf als Vorläufer des Existentialismus begründeten. Für La Condition humaine erhielt er 1933 den Prix Goncourt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zu einem engen Gefolgsmann Charles de Gaulles und amtierte von 1959 bis 1969 als erster französischer Kulturminister. Er starb 1976; zwanzig Jahre später wurde seine Asche ins Panthéon überführt.


Biografie↑

Am 3. November 1901 kam André Malraux in Paris zur Welt. Seit seiner Kindheit litt er am Tourette-Syndrom. 1905 verließ sein Vater Fernand, ein Bankangestellter, die Familie. Aus einer zweiten Ehe hatte der Vater zwei Söhne, Roland und Claude, die sich beide in der Résistance engagierten und 1944 von den Deutschen verhaftet wurden.

Nach der Grundschule bewarb sich Malraux 1918 am renommierten Lycée Condorcet, wurde jedoch nicht aufgenommen. Er wurde Buchverkäufer und arbeitete unter anderem für René-Louis Doyon, der ihm den Kontakt zu Schriftstellern wie Max Jacob, Jean Cocteau und Raymond Radiguet vermittelte. Malraux befasste sich intensiv mit moderner Kunst und war auch für den Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler tätig. Ab 1920 veröffentlichte er mehrere Artikel über Literatur und Kunst. 1921 heiratete er Clara Goldschmidt. Zeit seines Lebens führte er einen aufwändigen, mondänen Lebensstil; Freunde, vor allem sein späterer Verleger Gaston Gallimard, halfen ihm immer wieder aus Geldnöten. Bei seinem Tod hinterließ er Schulden in Millionenhöhe.

Um sich finanziell zu sanieren, reiste Malraux 1923 nach Angkor in Französisch-Indochina, wo er behauene Steine und Basrelief-Fragmente aus dem Tempel Banteay Srei stahl. Er wurde verhaftet und im Juli 1924 in Phnom Penh zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Seiner Frau Clara gelang es, bekannte Schriftsteller wie André Gide, François Mauriac und Louis Aragon zu seinen Gunsten zu mobilisieren, worauf die Strafe reduziert und zur Bewährung ausgesetzt wurde. 1925 verbrachte das Ehepaar die meiste Zeit in Saigon, wo Malraux sich journalistisch gegen das französische Kolonialregime engagierte.

Zurück in Frankreich begann er 1926 mit ersten Essais und Romanen. Zwischen 1928 und 1937 veröffentlichte er seine vier großen Romane: Les Conquérants (1928) und La Voie royale (1930) bei Grasset, dann La Condition humaine (1933) und L’Espoir (1937) bei Gallimard, dessen Lektoratskomitee er 1928 beitrat. Für La Voie royale erhielt er den ersten Prix Interallié, für La Condition humaine den Prix Goncourt. Alle vier Romane haben einen abenteuerlich-exotischen Hintergrund und begründeten seinen Ruf als Frühexistentialist.

Früh durch seine Frau Clara sensibilisiert, setzte sich Malraux gegen den Faschismus ein und engagierte sich bei der französischen kommunistischen Partei. 1934 reiste er mit Gide ins nationalsozialistische Berlin, um sich für die Freilassung der Kommunistenführer Georgi Dimitrow und Ernst Thälmann einzusetzen. Im selben Jahr nahm er in Moskau am ersten Sowjetischen Schriftstellerkongress teil und traf dort unter anderem Josef Stalin. Ab dem Sommer 1936 engagierte er sich aktiv im Spanischen Bürgerkrieg für die republikanische Seite und organisierte den Aufbau der Flugzeugstaffel España, deren Kommando er innehatte, obwohl er selbst nicht fliegen konnte. Diese Erfahrungen ließ er im Roman L’Espoir und im Film Sierra de Teruel (1938/39) aufleben. Der Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt von 1939 führte zum Bruch mit den Kommunisten.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs leistete Malraux ab 1940 Dienst in der motorisierten Kavallerie. Im Juni 1940 wurde er von den Deutschen gefangen genommen, konnte aber im November fliehen. Erst im März 1944 schloss er sich unter dem Namen Oberst Berger der Résistance im Département Corrèze an. Im Juli wurde er von den Deutschen verhaftet und erlangte erst mit der Befreiung Frankreichs im August 1944 wieder seine Freiheit. Um seine Rolle im Widerstand ranken sich Zweifel. Im September 1944 übernahm er das Kommando der Alsace-Lorraine Brigade, die in den Vogesen und im Elsass kämpfte.

Im Herbst 1944 schloss sich Malraux als Links-Gaullist der Bewegung Charles de Gaulles an. Von 1945 bis 1946 war er de Gaulles Informationsminister. In den Jahren, in denen de Gaulle sich aus der Politik zurückgezogen hatte, kehrte Malraux zur Kunst zurück und schrieb Werke wie La Psychologie de l’art und Les Voix du silence (1951). Mit der Rückkehr de Gaulles wurde Malraux 1958 erneut Informationsminister; im Januar 1959 wurde das Ministerium für kulturelle Angelegenheiten geschaffen, das er bis zum Rücktritt de Gaulles 1969 leitete. Als Kulturminister förderte er die moderne Kunst, gründete die Maisons de la culture und veranlasste die Säuberung der Pariser Fassaden.

Sein privates Leben war von Schicksalsschlägen geprägt. Seine Lebensgefährtin Josette Clotis verunglückte 1944 bei einem Zugunfall tödlich; die beiden gemeinsamen Söhne Pierre-Gauthier und Vincent kamen 1961 bei einem Autounfall ums Leben. 1948 heiratete Malraux Madeleine, die Witwe seines Halbbruders Roland; ab 1967 lebte er mit Louise de Vilmorin zusammen. In seinen letzten Jahren widmete er sich seiner Autobiographie, den Antimémoires (1967), und setzte seine Werke über die Kunst fort. Von Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch schwer gezeichnet, starb er am 23. November 1976 in Créteil. Zwanzig Jahre später wurde seine Asche ins Panthéon überführt.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Malraux’ vier große Romane ist ihr abenteuerlich-exotischer Hintergrund, den er aus eigenem Erleben schöpfte: Les Conquérants handelt von den Aufständen in Südchina, La Voie royale greift seine Erfahrungen in Kambodscha auf, La Condition humaine spielt vor dem Hintergrund der revolutionären Aufstände um Shanghai, und L’Espoir beruht auf dem Spanischen Bürgerkrieg. Diese Romane begründeten seinen Ruf als Frühexistentialist. Er war beeinflusst von Dostojewski, Nietzsche, Spengler und Gide.

Im Zentrum seiner Romane steht die Frage nach der Würde und der Freiheit des Menschen. Malraux schildert die menschliche Natur als geprägt von Angst und Ekel, aber auch von Hoffnung. Die Hoffnung verbindet die Menschen zu gemeinsamem Handeln, die Angst treibt sie an. Das Wichtigste ist für ihn die Verantwortung, die der Mensch sich selbst gegenüber trägt, denn das Leben hat keinen Endzweck. Erotik, Spiel, Terror, Abenteuer und revolutionäre Aktion sind nur Ersatzlösungen, mit denen der Mensch seiner tragischen Daseinsstruktur zu entkommen versucht. Was ihn auszeichnet, ist das Bewusstsein seines Todes als Beweis der Absurdität des Daseins. Schon vor Albert Camus hat Malraux die Absurdität des Lebens formuliert, doch gerade sie verleiht den menschlichen Handlungen erst Sinn. Für ihn ist ein sinnvoller Tod besser als ein sinnloses Leben; schlimm ist nicht der Tod, sondern der Verfall und die Unterwerfung unter die bürgerliche Ordnung. Am meisten philosophischen Tiefgang zeigt nach Auffassung mancher La Voie royale, in dem Malraux Gedanken vorwegnahm, die später Jean-Paul Sartre entwickelte. Sartre bezeichnete ihn einmal als „seinen Johannes den Täufer“.


Rezeption↑

Neben dem Romancier steht der Kunstdenker Malraux. Sein Einfluss auf die Kunst nach 1945, insbesondere durch das Konzept des Musée imaginaire, wird als kaum zu überschätzen beschrieben. Wie stark die Anregungen von Marcel Duchamp und Malraux dabei jeweils wirkten, ist ungeklärt. In seiner Nachfolge werden Daniel Spoerri mit seinem Musée Sentimental und Marcel Broodthaers mit seinem Adler-Museum genannt. Auch das 1991 von Hans-Peter Porzner gegründete imaginäre Museum für Moderne Kunst München knüpfte an diese Auseinandersetzung mit dem Kunstbetrieb an.

Über die Kunst hinaus reichte seine Wirkung: Seine Kritik an der gesundheitsgefährdenden Asbestproduktion trug zur Schließung der Asbestfabrik in Canari auf Korsika bei. Zu Lebzeiten erfuhr Malraux mehrfache Ehrungen. 1955 wurde er als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen, 1969 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1999 wurde das Kunstmuseum in Le Havre nach ihm benannt; seit 2011 trägt es den Namen Musée d’art moderne André Malraux.

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