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Autoreneintrag · Ossip Emiljewitsch Mandelstam
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Porträt Ossip Emiljewitsch Mandelstam
Ossip Emiljewitsch Mandelstam
1891 – 1938
– Autorenporträt –

Ossip Emiljewitsch Mandelstam

1891 – 1938 · 47 Jahre

Russischer Dichter des Akmeismus, der unter Stalin verfolgt wurde und 1938 in einem sowjetischen Lager starb – seine Gedichte überlebten, weil seine Frau sie auswendig bewahrte.

Kurzporträt

Zu den bedeutenden russischen Dichtern des frühen 20. Jahrhunderts zählt Ossip Emiljewitsch Mandelstam. Er wurde 1891 in Warschau geboren und starb 1938 in einem sowjetischen Lager nahe Wladiwostok. Er gehörte zu den entschiedensten Vertretern des Akmeismus. Das war jene Dichtergruppe um Nikolai Gumiljow, die eine klare, gegenständliche Sprache gegen die Nebel des Symbolismus setzte. Sein erster Gedichtband Der Stein machte ihn 1913 in der literarischen Welt bekannt. In den Jahren des stalinistischen Terrors wurde er verfolgt und verbannt. Schließlich wurde er in ein Arbeitslager verschleppt, wo er starb. Dass viele seiner Gedichte erhalten blieben, ist vor allem seiner Frau Nadeschda zu verdanken. Sie bewahrte zahlreiche Texte auswendig.


Biografie

Geboren wurde Ossip Mandelstam 1891 als Sohn eines jüdischen Lederhändlers in Warschau. Die Stadt gehörte damals zum Russischen Kaiserreich. In seiner Kindheit zog die Familie nach Pawlowsk und später nach Sankt Petersburg. Dort erhielt er am renommierten Tenischew-Gymnasium eine breite geisteswissenschaftliche Ausbildung. Mit sechzehn Jahren reiste er nach Paris. Dort hörte er Lesungen an der Sorbonne und lernte Nikolai Gumiljow kennen. Im selben Jahr wurde er Gasthörer an der Universität Heidelberg. Bei Heimreisen besuchte er auch in Petersburg Vorlesungen über Literatur und Poesie.

Zunächst war Mandelstam von der Idee des Symbolismus beeinflusst. 1910 veröffentlichte er seine ersten Gedichte in der Zeitschrift Apollon. 1911 begann er an der Petersburger Universität ein literaturwissenschaftliches Studium. Er wurde Mitglied der Literatengruppe der Akmeisten um Gumiljow. Neben Gedichten schrieb er auch Essays zu literarischen Themen. Sein 1913 erschienener erster Gedichtband Der Stein machte ihn bekannt. Schon der Titel wies auf sein Verständnis von Dichtung hin, nämlich auf die enge Verbindung von Materie und Sinn. Das russische Wort für „Stein" steht für die Materie. Zugleich bildet es ein Beinahe-Anagramm auf das griechische akme, den Grundbegriff des Akmeismus. In diesen vorrevolutionären Jahren lernte er auch Marina Zwetajewa und Maximilian Woloschin kennen.

Die Zeit nach der Oktoberrevolution war für Mandelstam ruhelos. Im „inneren Exil" lebte er mit seiner Frau Nadeschda, die er seit 1919 kannte und 1922 heiratete. Sie lebten abwechselnd in Moskau, Petersburg und Tiflis, stets in Armut. 1920 wurde er im Russischen Bürgerkrieg auf der Krim von antibolschewistischen Kräften kurzzeitig als vermeintlicher Spion festgehalten. Gedichtsammlungen wie Tristia (1922), Das zweite Buch (1923) und Gedichte (1928) zeigen seine dichterische Vielseitigkeit. Die Essaysammlung Über Poesie (1928) belegt sein Talent als Literaturtheoretiker und -kritiker. Sein Prosastück Das Rauschen der Zeit (1925) spiegelt sein Gefühl der Fremdheit im sowjetischen System. Im Gegensatz zu Anna Achmatowa und anderen Dichtern durften seine Bücher in den 1920er Jahren noch erscheinen, angeblich dank der Fürsprache Nikolai Bucharins.

In den 1930er Jahren begannen unter Stalin die Säuberungen und die offenen Repressionen gegen den Dichter. Seine Übersetzungen französischer, deutscher und englischer Prosa hielten ihn materiell und geistig am Leben. Dank Bucharins Schutz durfte er 1930 nach Armenien reisen. Daraus entstand 1933 Die Reise nach Armenien, die 1934 in der Zeitschrift Swesda erschien. Diese Texte und vor allem ein Gedicht vom Herbst 1933, das sich deutlich auf Stalin und seinen Terror bezog, führten im Mai darauf zu seiner ersten Verhaftung. Einem harten Urteil entging er nach einem Selbstmordversuch. Er wurde zunächst nach Tscherdyn, später nach Woronesch verbannt, wo er drei Jahre verbrachte. Um diese erste Verhaftung ranken sich Legenden, etwa dass Stalin persönlich bei Mandelstams Kollegen Pasternak angerufen habe. In Woronesch arbeitete er für Zeitungen und Zeitschriften. Hier entstanden seine letzten Gedichte, die Woronescher Hefte.

Am 2. Mai 1938 wurde Mandelstam erneut verhaftet. Er wurde wegen konterrevolutionärer Aktivitäten zu fünf Jahren Lager verurteilt und in die Nähe von Wladiwostok gebracht. Am 27. Dezember 1938 starb er in der Krankenbaracke eines Übergangslagers, laut seinem Übersetzer Ralph Dutli halb verhungert, herzkrank und von Halluzinationen gequält. Er wurde in einem Massengrab beerdigt. Über den genauen Sterbeort gehen die Angaben auseinander: Die Deutsche Biographie nennt Wladiwostok, Wikidata verzeichnet einen abweichenden Ortsnamen. Seine Witwe Nadeschda, später selbst Autorin, und Freunde des Dichters bewahrten viele seiner Gedichte, teils durch Auswendiglernen der nicht niedergeschriebenen Texte. So ermöglichten sie ihre Veröffentlichung in den 1960er Jahren.


Literarische Merkmale

Geprägt ist Mandelstams Dichtung vom Akmeismus, dessen entschiedener Vertreter er war. Diese Richtung setzte auf eine klare, gegenständliche Sprache und wandte sich von den Andeutungen des Symbolismus ab. Von diesem war Mandelstam anfangs noch beeinflusst. Wie eng bei ihm Sprache und Stofflichkeit zusammengehören, zeigt schon der Titel seines ersten Bandes Der Stein. Der Stein steht für die Materie, während das Wort zugleich auf den griechischen Grundbegriff des Akmeismus anspielt. Diese Verbindung von Materie und Sinn ist ein Kennzeichen seines Schreibens.

Neben der Lyrik trat Mandelstam als Essayist und Literaturkritiker hervor. Seine Essaysammlung Über Poesie belegt sein Talent als Literaturtheoretiker. In seiner Prosa, etwa in Das Rauschen der Zeit, spiegelt sich sein Gefühl der Fremdheit im sowjetischen System. Sein Übersetzer Ralph Dutli sah in den späten Woronescher Heften den Schlussstein seines Werkes, „Summe und Vermächtnis" zugleich, in dem sich das eigene Schaffen und die nährende europäische Kultur versammeln.


Rezeption

Bekannt wurde Mandelstam in der literarischen Welt bereits 1913 mit seinem Gedichtband Der Stein. In den 1920er Jahren durften seine Bücher noch erscheinen. Später wurde er unter Stalin verfolgt und mit Publikationsverboten belegt. Dass sein Werk dennoch überliefert ist, verdankt sich vor allem seiner Witwe Nadeschda Mandelstam und Freunden des Dichters. Sie bewahrten zahlreiche Gedichte, teils im Gedächtnis, und ermöglichten ihre Veröffentlichung in den 1960er Jahren. Sein Übersetzer Ralph Dutli würdigte besonders die späten Woronescher Hefte als Summe und Vermächtnis seines Schaffens.

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