1405 – 1471
Thomas Malory
Kurzbiografie↑
Über das Leben von Sir Thomas Malory ist wenig gesichert. Bekannt ist er als Autor oder Herausgeber von Le Morte d’Arthur, jener Prosa-Erzählung, die die verstreuten Stränge der Artus-Sage zu einer zusammenhängenden Darstellung verband. Geboren wurde er um 1405, gestorben ist er 1471. Die meisten heutigen Forscher setzen ihn mit Sir Thomas Malory of Newbold Revel in Warwickshire gleich, während der frühe Gelehrte John Leland ihn für einen Waliser hielt. Sein Werk erschien erst nach seinem Tod im Druck und gilt vielen als einflussreiche englische Fassung des Artus-Stoffs.
Biografie↑
Vieles am Lebensweg Malorys bleibt unsicher. Sein Geburtsjahr wird in den Quellen unterschiedlich angegeben: Wikidata nennt 1405, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen 1410. Als Geburtsort führt Wikidata die Grafschaft Warwickshire an. Die meisten modernen Forscher setzen ihn mit Sir Thomas Malory of Newbold Revel in Warwickshire gleich, während John Leland annahm, Malory sei Waliser gewesen. Sein Familienname erscheint in verschiedenen Schreibweisen, darunter Maillorie und Maleore.
Nach seinen eigenen Worten war Malory ein Ritter, aber auch ein Gefangener. Seine Selbstbeschreibung als „ein Diener Gottes am Tag und in der Nacht“ hat zu der Vermutung geführt, er könnte ein Priester gewesen sein. Es wird angenommen, dass er 1442 als Knight Bachelor geadelt wurde. 1445 kam er als Knight of the Shire für die Grafschaft Warwickshire ins englische Parlament. Während der Rosenkriege stand er wohl auf Seiten des Hauses Lancaster.
Im Jahr 1450 wurde Malory wegen Mordes, Raubes, Diebstahls sowie der Wilderei und Vergewaltigung angeklagt. Den größten Teil des folgenden Jahrzehnts verbrachte er im Gefängnis, zumeist im Newgate-Gefängnis in London und im Tower. Dort verfasste er vermutlich sein Buch über die Artus-Sage. Er selbst nannte es The Book of King Arthur and His Noble Knights of the Round Table. Malory berichtete, das Werk im neunten Regierungsjahr König Eduards IV., also um 1470, fertiggestellt zu haben.
Für seine Darstellung stützte sich Malory offenbar auf französische Vorlagen. William Caxton spricht im Vorwort zur Erstausgabe von einem Druck „nach einer Kopie, die ich erhalten habe, die Sir Thomas Malory aus verschiedenen Büchern auf Französisch genommen und ins Englische verkürzt hat“. Als eine mögliche Quelle wird Chrétien de Troyes genannt, der eine Erzählung um den Ritter Perceval geschrieben hatte.
Zuletzt lebte Malory wahrscheinlich im Kloster Christ Church Greyfriars, wo er auch begraben ist. Er starb am 14. März 1471. Über den Sterbeort weichen die Quellen voneinander ab: Wikidata nennt das Newgate-Gefängnis, die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet London. Veröffentlicht wurde sein Werk erst 1485 postum durch William Caxton unter dem Titel Le Morte d’Arthur.
Literarische Merkmale↑
Prägend für Malorys Werk ist die Form der zusammenhängenden Prosa-Erzählung. In Le Morte d’Arthur brachte er die verschiedenen Stränge der Artus-Legende in eine durchgehende Darstellung. Dabei arbeitete er nach eigenem Zeugnis aus französischen Vorlagen, die er ins Englische verkürzte und zusammenfasste. Caxton beschrieb dieses Vorgehen im Vorwort zur Erstausgabe als ein Übernehmen aus verschiedenen französischen Büchern.
Rezeption↑
Erst nach Malorys Tod gelangte sein Werk an die Öffentlichkeit: 1485 druckte William Caxton es unter dem Titel Le Morte d’Arthur. Die von Malory geschaffene Prosa-Fassung, die die verstreuten Teile der Artus-Legende zusammenführte, gilt vielen Kritikern als eine der gelungensten ihrer Art. Ins Deutsche übertrug Hedwig Lachmann das Buch; ihre Übersetzung erschien 1913 im Insel Verlag in Leipzig.
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