1898 – 1957
Curzio Malaparte
Kurzbiografie↑
Unter dem Namen Curzio Malaparte machte sich ein italienischer Schriftsteller, Journalist und Diplomat einen Namen, der eigentlich Kurt Erich Suckert hieß. Geboren 1898 in Prato in der Toskana, wählte er ab 1925 dieses Pseudonym: Es bedeutet wörtlich „schlechter Teil“ und spielt auf den Namen Bonaparte an, den „guten Teil“. Weltweit bekannt wurde er mit zwei Romanen über den Zweiten Weltkrieg, Kaputt (1944) und Die Haut (1949), in denen er Grausamkeit und Gewalt drastisch schilderte. Sein Leben führte ihn vom Faschismus bis zum Kommunismus und kurz vor seinem Tod zum Katholizismus. Er starb 1957 in Rom.
Biografie↑
Als drittes Kind kam Kurt Erich Suckert am 9. Juni 1898 in Prato zur Welt, nach den Geschwistern Mimma und Sandro. Sein Vater Erwin Suckert war Textil-Ingenieur und stammte aus Zittau in Sachsen, seine Mutter Evelina Perelli aus Mailand. Er besuchte das Gymnasium Cigognini in Prato. Schon früh regte sich sein politisches und literarisches Interesse: 1911 wurde er Mitglied des Partito Repubblicano Italiano, 1912 erschienen seine ersten Gedichte im Druck, und 1913 gab er eine satirische Zeitschrift heraus.
Im Ersten Weltkrieg meldete er sich 1914 als Freiwilliger bei der französischen Fremdenlegion. Nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 kämpfte er in der italienischen Armee. 1918 wurde er mit der italienischen Tapferkeitsmedaille in Bronze und dem französischen Kriegskreuz mit Palme ausgezeichnet. Ein Gasangriff hinterließ einen Lungenschaden, an dem er bis zu seinem Lebensende litt.
Nach dem Krieg trat er in den Diplomatischen Dienst ein und wurde 1919 Attaché der italienischen Gesandtschaft in Warschau. Zunächst sympathisierte er mit dem Faschismus: Bereits 1921 wurde er Mitglied des Partito Nazionale Fascista, und 1922 nahm er am Marsch auf Rom teil. 1926 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Zeitschrift 1900 – Novecento, die die italienische Kultur erneuern und aus ihrer Enge holen wollte. Sie suchte die Auseinandersetzung mit der internationalen Avantgarde und sah den Faschismus dabei als eine mögliche Zukunftsperspektive. Schon 1927 verließ Malaparte die Redaktion und wechselte zur Strapaese-Bewegung, die das genaue Gegenteil vertrat: Sie verstand das provinzielle Volkstum als Ursprung und Mitte der italienischen Kultur.
Mit dem Buch Viva Caporetto!, das später unter dem Titel La rivolta dei santi maledetti erschien, schilderte er seine Kriegserlebnisse und löste damit bei den Faschisten Proteste aus. In der Folge wurde er aus dem diplomatischen Dienst abberufen. Von 1928 bis 1931 war er Chefredakteur der großen Tageszeitung La Stampa sowie der kleineren Zeitschrift Fiera Letteraria. 1933 wurde er wegen kritischer Äußerungen verhaftet, aus der Partei ausgeschlossen und zu fünf Jahren Verbannung auf Lipari verurteilt. Schon im folgenden Jahr durfte er die Insel wieder verlassen, nachdem sich einflussreiche Freunde für ihn eingesetzt hatten, darunter Graf Galeazzo Ciano, der Schwiegersohn Benito Mussolinis. Fortan lebte er unter Hausarrest in der Toskana und auf Ischia und arbeitete weiter als Journalist, vorerst nur unter Pseudonym.
1937 gründete er die Literaturzeitschrift Prospettive. Ein Jahr später ging er als Korrespondent der Mailänder Zeitung Corriere della Sera in die Kolonie Italienisch-Ostafrika. Er wollte den Aufbau des faschistischen Imperiums dokumentieren, wurde vor Ort aber von der Wirklichkeit eingeholt. Auf einer 6000 Kilometer langen Reise durch das keineswegs befriedete Land beteiligte er sich auch an der hart geführten Bekämpfung des äthiopischen Widerstands und an der Jagd auf den Rebellenführer Abebe Aragai, wofür er das Kriegsverdienstkreuz erhielt.
Im Zweiten Weltkrieg berichtete er für den Corriere della Sera aus Nordafrika, Frankreich und Deutschland, von 1940 bis 1945 auch vom Balkan, aus Finnland und Russland. Dort entstanden die Augenzeugenberichte von der Ukraine-Front und von der Leningrader Blockade, die 1943 als Die Wolga entspringt in Europa erschienen. 1943 wurde er Verbindungsoffizier der US-Amerikaner. Nach dem Krieg wandte er sich dem Kommunismus zu und pflegte eine persönliche Freundschaft mit Palmiro Togliatti. Festlegen wollte er sich jedoch nicht: Er war zugleich Mitglied der kommunistischen und der republikanischen Partei. Auf einer Reise nach China wurde bei ihm Lungenkrebs festgestellt. Kurz vor seinem Tod trat er zum Katholizismus über. Er starb am 19. Juli 1957 in Rom.
Literarische Merkmale↑
Aufsehen erregten vor allem seine beiden Kriegsromane Kaputt (1944) und Die Haut (1949). In ihnen schilderte Malaparte die Grausamkeit und Gewalt des Krieges drastisch und realistisch, zugleich aber distanziert. Kritische Stimmen nannten diese Darstellung reißerisch. In Kaputt verarbeitete er unter anderem eine frühere Reportage über das Pogrom von Iași von Ende Juni 1941. Die Haut spielt überwiegend im Neapel der Jahre 1943 bis 1945 und zeichnet ein Porträt des von den Alliierten besetzten Italiens.
Neben solchen realistischen Prosareportagen schrieb Malaparte auch lyrische und essayistische Texte sowie einige Theaterstücke. Dazu gehören Du coté de chez Proust und Das Kapital (beide 1951) sowie Anche le donne hanno perso la guerra (1954).
Rezeption↑
Bereits während des Zweiten Weltkriegs und danach fanden seine Werke ein breites Echo. Kaputt und Die Haut wurden zu Welterfolgen; die deutschen Ausgaben erschienen im Stahlberg Verlag in Karlsruhe, übersetzt von Hellmut Ludwig und gefördert durch Gerhard Heller. Die drastische Darstellung rief aber auch Widerspruch hervor. Der frühere deutsche Diplomat Gustaf Braun von Stumm fühlte sich durch die Figuren des „Ministerialrats R.“ und seiner Ehefrau „Margherita“ in Kaputt in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und versuchte, die Verbreitung des Romans vor dem Karlsruher Amtsgericht zu stoppen. Der Rechtsstreit endete mit einem Vergleich und einer Ehrenerklärung des Verlags zugunsten Braun von Stumms. Da das Gericht sich außerstande sah, gegen einen Ausländer in Abwesenheit eine Strafe zu verhängen, wurde das Verfahren gegen Malaparte vorläufig eingestellt.
Sein Nachwirken zeigt sich bis heute: Seit 1983 wird auf Capri der Literaturpreis Premio Malaparte vergeben, der an ihn erinnert.
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