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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Bernard Malamud
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Porträt Bernard Malamud
Bernard Malamud
1914 – 1986
– Autorenporträt –

Bernard Malamud

1914 – 1986 · 71 Jahre

Erzähler jüdisch-amerikanischer Ladenbesitzer und Pechvögel, der Alltag und Parabel verband – 1967 mit dem Pulitzer-Preis geehrt.

Kurzbiografie↑

Zu den bedeutendsten jüdisch-amerikanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts wird Bernard Malamud gezählt, den die Literaturkritik oft in einem Atemzug mit Saul Bellow und Philip Roth nennt. Er wurde 1914 in Brooklyn geboren und starb 1986. Sein Werk umfasst sechs Romane, das Fragment eines Theaterstücks und mehr als vierzig Kurzgeschichten. Zweimal erhielt er den National Book Award, einmal den Pulitzer-Preis. Seine Erzählungen und Romane fanden auch international Anerkennung.


Biografie↑

Geboren wurde Bernard Malamud am 26. April 1914 in Brooklyn als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer. Seine Eltern Max und Bertha betrieben, ähnlich wie die Familie Bober in seinem Roman The Assistant, sechzehn Stunden am Tag einen kleinen Lebensmittelladen in Brooklyn. Diese Herkunft prägte später häufig die Themen und Motive seiner Erzählungen, auch wenn sich sein literarisches Schaffen nicht allein daraus erklären lässt.

Nach dem Schulabschluss an der Erasmus Hall High School studierte Malamud am City College of New York und an der Columbia University. Anschließend arbeitete er als Regierungsangestellter und unterrichtete an Abendschulen. Von 1949 bis 1961 lehrte er Englisch an der Oregon State University. Seit 1961 lehrte er am Bennington College in Vermont Literatur- und Sprachwissenschaft sowie kreatives Schreiben.

Erst in den späten 1940er Jahren begann er zu schreiben, zunächst Kurzgeschichten, später auch Romane. Dafür reiste er unter anderem nach Europa, in die Sowjetunion und nach Israel. Sein erster Roman The Natural erschien 1952 und wurde später zur Vorlage für den Film Der Unbeugsame mit Robert Redford in der Hauptrolle. Es folgten The Assistant (1957), A New Life (1961) und die Erzählsammlung The Magic Barrel (1958). Sein bekanntester Roman The Fixer, angeregt durch den Beilis-Prozess, gewann 1967 den National Book Award und im selben Jahr den Pulitzer-Preis in der Sparte Fiktion. Weitere Werke sind der Roman The Tenants (1971) und Dubin's Lives (1979).

Neben seiner jüdischen Abstammung, die ihn der Gruppe der Jewish-American writers zurechnen lässt, fügt ihn seine Tätigkeit als Hochschullehrer in die Reihe der academic novelists ein. Mit A New Life schrieb er, ähnlich wie Roth, einen im Universitätsmilieu angesiedelten Roman. Von 1979 bis 1981 war Malamud Präsident des amerikanischen P.E.N.-Clubs. Er starb 1986 an einem Herzinfarkt. Umstritten ist der genaue Sterbeort: Die Deutsche Nationalbibliothek nennt Brooklyn, während Wikidata Manhattan angibt.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Malamuds Erzählform ist eine Mischung aus realistisch-naturalistischer Schilderung und lyrisch-symbolischer Darstellung. Seine Prosa gewinnt ihre Eigenheit aus dem Nebeneinander von Alltäglichem und Außergewöhnlichem, Trivialem und Transzendentem, gesellschaftskritischem Detail und allegorischem Rahmen. In dieser Verbindung von Alltagswirklichkeit und Parabel wird das individuelle Handeln zum stellvertretenden Geschehen, das persönliche Leiden zum Leiden für viele.

Viele seiner Helden gehen auf Figuren der jüdischen Erzähltradition zurück, etwa den Schlemihl oder den Pechvogel, der unter einem bösen Stern geboren ist und sich stets in einem Schlamassel befindet. Das von Unsicherheit und Bedrohung geprägte Gettomilieu und die Mentalität des Schtetls bilden eine wesentliche Quelle für die immer wiederkehrende Vorstellung der Welt als Gefängnis oder Grab. Zugleich zeigt sich die moralische Größe seiner Figuren gerade darin, dass sie ihr Leben trotz allen Scheiterns bewältigen: Aus Schwäche wird Kraft, aus dem Scheitern die Fähigkeit zum Überleben.

Anknüpfend an das jüdisch-ethische Konzept der Rachmones, das Barmherzigkeit und zwischenmenschliche Verantwortung betont, macht Malamud selbst das leidvolle Dasein erträglich. In seinen Geschichten und phantastischen Fabeln erhält auch das jüdische Milieu eine zeitlose, allgemeingültige Bedeutung. Malamud zufolge sind „alle Menschen Juden“; seine jüdischen Figuren stehen für ihn nicht vorrangig als Vertreter einer bestimmten Gruppe, sondern als universelle Repräsentanten aller Menschen, die leiden und sich um ein moralisches Verhalten bemühen. Seine literaturtheoretischen Äußerungen kennzeichnen ihn als Humanisten und Moralisten, dessen Ziel „die Förderung, nicht jedoch die Ablehnung der Gesellschaft“ war.


Rezeption↑

International anerkannt ist Malamuds Werk heute in der Leserschaft wie in der Literaturkritik. Die zahlreichen Rezensionen und die stattliche Reihe von Literaturpreisen spiegeln seinen Erfolg und seinen vorderen Platz in der amerikanischen Nachkriegsliteratur. Zweimal erhielt er den National Book Award, 1959 für The Magic Barrel und 1967 für The Fixer, für den er im selben Jahr zudem den Pulitzer-Preis bekam. 1982 wurde ihm die Gold Medal der American Academy of Arts and Letters zuerkannt. Bereits 1964 war er in die American Academy of Arts and Letters und 1967 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt worden.

Auch Malamuds Kurzgeschichten wurden viel beachtet und häufig in Anthologien aufgenommen. Zwischen 1950 und 1970 fanden sieben von ihnen Eingang in die Best American Stories oder wurden mit einem O.-Henry-Award ausgezeichnet. Verfilmungen wie Der Unbeugsame oder Ein Mann wie Hiob trugen zur Bekanntheit bei.

Das wachsende Interesse der Literaturkritik dokumentieren eine Monografie von Richman sowie Fields umfangreicher Sammelband Bernard Malamud and the Critics mit rund achtzig Aufsätzen. Diese zeigen die Breite seines Werkes und den Einfluss amerikanischer, jiddischer und europäischer Erzähltraditionen auf sein Schaffen.

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