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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · E. M. Forster
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Porträt E. M. Forster
E. M. Forster
1879 – 1970
– Autorenporträt –

E. M. Forster

1879 – 1970 · 91 Jahre

Britischer Romancier der Bloomsbury Group, dessen Gesellschaftsromane wie „Wiedersehen in Howards End" und „Auf der Suche nach Indien" Klassenschranken und die Sehnsucht nach echter menschlicher Nähe ausloten.

Kurzporträt

Edward Morgan Forster wurde 1879 in London geboren und starb 1970 in Coventry. Er war ein britischer Autor und zeitweise Mitglied der Bloomsbury Group. Bekannt wurde er vor allem durch seine Gesellschaftsromane Wiedersehen in Howards End, Zimmer mit Aussicht und Auf der Suche nach Indien. Diese behandeln Klassenunterschiede und gesellschaftliche Regeln ebenso wie die Suche nach Selbstbestimmung und nach wertvollen menschlichen Beziehungen. Daneben schrieb er Erzählungen, Essays, Literaturkritiken und Libretti. Auch mit Fragen der Erzähltheorie beschäftigte er sich, etwa in seinem Text Aspects of the Novel aus dem Jahr 1927.


Biografie

Edward Morgan Forster kam 1879 in Marylebone in London zur Welt. Er war der einzige Sohn des Architekten Edward Morgan Llewellyn Forster. Sein Vater starb anderthalb Jahre nach der Geburt seines Sohnes an Tuberkulose. Forsters Kindheit und ein großer Teil seines Lebens als Erwachsener wurden von seiner Mutter, Anne Clara Whichelo Forster, und seinen Tanten geprägt. Eine besondere Rolle spielte seine Großtante und Gönnerin Marianne Thornton. Sie hinterließ ihm 1887 die Summe von 8.000 Pfund als Vermächtnis. Er besuchte zunächst die Tonbridge School, wo er stark unter der Grausamkeit seiner Mitschüler litt.

Von 1897 bis 1901 studierte Forster am King's College der University of Cambridge. Dort trat er der elitären Geheimgesellschaft Cambridge Apostles bei. Aus deren Kreis schlossen sich später unter anderem Roger Fry, John Maynard Keynes, Lytton Strachey und Leonard Woolf zur Bloomsbury Group zusammen. Dieser gehörte Forster in den 1920er und 1930er Jahren an. Nach seinem Abschluss reiste er mit seiner Mutter nach Italien und Griechenland. Nach der Rückkehr begann er, Essays und Kurzgeschichten für die liberale Zeitschrift „Independent Review" zu schreiben. 1905 verbrachte er mehrere Monate als Hauslehrer auf dem Gut Nassenheide in Pommern, im heutigen Polen. Dort unterrichtete er die vier Kinder der Gräfin Elizabeth von Arnim-Schlagenthin.

Sein erster Roman, Where Angels Fear to Tread, erschien 1905. Im folgenden Jahr hielt er Vorlesungen über italienische Kunst und Geschichte am Cambridge Local Lectures Board. Es folgten The Longest Journey (1907) und A Room with a View (1908). Der zweite Roman beruht teilweise auf seinen Erinnerungen und Erfahrungen aus ausgedehnten Italienreisen. In den Vorkriegsjahren entstanden außerdem mehrere Kurzgeschichten, die 1911 in dem Band The Celestial Omnibus erschienen. Nach Howards End (1910), das die Themen Geld, Geschäft und Kultur behandelt, begann Forster einen Roman über ein damaliges Tabuthema: Homosexualität. Maurice entstand 1913/1914. Forster überarbeitete den Roman mehrmals, veröffentlicht wurde er erst 1971 nach seinem Tod.

Forster reiste 1912/1913 nach Indien und arbeitete danach bis 1915 für die National Gallery in London. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs trat er dem Britischen Roten Kreuz bei und diente in Ägypten, in Alexandria. 1921 kehrte er nach Indien zurück. Dort war er als Privatsekretär für den Maharadscha von Dewas Senior tätig. In Indien spielt auch sein letzter Roman A Passage to India (1924), ein Porträt des Landes unter britischer Herrschaft.

Nach diesem Roman vollendete Forster keinen weiteren mehr. Das Fragment Arctic Summer, in dem er an Motive seines Frühwerks anknüpft, erschien erst posthum. Forster selbst nannte verschiedene Gründe für sein Verstummen als Romancier: Er habe keinen originellen Stoff mehr gefunden, und seine Themen seien zunehmend aus der Zeit gefallen. Kritiker vermuten, dass seine Verschwiegenheit über die eigene Homosexualität ihn daran gehindert habe, die ihm wirklich wichtigen Erfahrungen und Themen zu Papier zu bringen. Später schrieb er noch zwei Biografien: Goldsworthy Lowes Dickinson (1934) und Marianne Thornton, 1797–1887. A Domestic Biography (1956) über seine Großtante. Die Essaysammlungen Abinger Harvest und Two Cheers for Democracy erschienen 1936 und 1951. The Hill of Devi, ein kommentierter Bericht über seine Beobachtungen in Indien, erschien 1953. Erst posthum erschien 1972 die Sammlung von Kurzgeschichten mit vorwiegend homosexueller Thematik, The Life to Come.

Forster schrieb Kritiken und Essays für zahlreiche Magazine, etwa für den Listener, und war aktives PEN-Mitglied. 1934 wurde er der erste Präsident des National Council for Civil Liberties. 1945 wurde er Ehrenmitglied von King's College, auf dessen Campus er bis zu seinem Tod lebte. Als überzeugter Demokrat lehnte er 1949 die Erhebung in den Ritterstand ab. Im selben Jahr wurde er als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen. 1953 wurde er zum Companion of Honour ernannt und 1958 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1969 nahm er den britischen Verdienstorden an. Forster war homosexuell – offen gegenüber engen Freunden, doch nicht gegenüber der Öffentlichkeit. Er blieb unverheiratet. Ihn verband eine lebenslange Beziehung mit Bob Buckingham, einem verheirateten Polizisten. Forster starb 1970 in Coventry.


Literarische Merkmale

Charakteristisch für Forster sind seine Gesellschaftsromane. Sie nehmen Klassenunterschiede und gesellschaftliche Regeln in den Blick und setzen ihnen die Suche nach Selbstbestimmung und nach wertvollen menschlichen Beziehungen entgegen. Mehrere seiner Bücher schöpfen aus eigenem Erleben: A Room with a View verarbeitet seine ausgedehnten Italienreisen, A Passage to India seine Aufenthalte auf dem Subkontinent. Mit Maurice wagte er sich an das damalige Tabuthema Homosexualität. Den Roman behielt er jedoch zeit seines Lebens zurück.

Forster beschäftigte sich auch theoretisch mit dem Erzählen. In Aspects of the Novel (1927) reflektierte er über den Roman und über literarische Figuren, die er auf Englisch „people" nannte. Aus dem deutschsprachigen Raum überliefert ist sein Ausspruch: „Wie kann ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?"


Rezeption

Bekannt wurde Forster vor allem durch seine Gesellschaftsromane. Sein in Indien spielender Roman A Passage to India gilt als sein Meisterwerk. Sein Rang als Autor schlug sich auch in zahlreichen Ehrungen nieder. 1945 wurde er Ehrenmitglied von King's College, 1949 auswärtiges Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters. 1953 wurde er Companion of Honour und 1958 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. 1969 nahm er den britischen Verdienstorden an. Die Erhebung in den Ritterstand lehnte er als überzeugter Demokrat 1949 ab.

Ein Teil seines Werks erreichte die Öffentlichkeit erst nach seinem Tod. Der bereits 1913/1914 entstandene Roman Maurice wurde 1971 postum veröffentlicht. Ebenso erschienen die Kurzgeschichtensammlung The Life to Come (1972) und das Romanfragment Arctic Summer erst nach seinem Tod. Mit seinem 1927 erschienenen Text Aspects of the Novel wirkte Forster zudem über die Erzähltheorie hinaus auf das Nachdenken über den Roman.

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