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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Carlo Levi
Carlo Levi
1902 – 1975
– Autorenporträt –

Carlo Levi

1902 – 1975 · 72 Jahre

Italienischer Maler, Arzt und Schriftsteller, der seine Verbannung in ein armes süditalienisches Dorf im weltberühmten Buch „Christus kam nur bis Eboli“ festhielt.

Kurzbiografie↑

Als Maler, Arzt, Politiker und Schriftsteller in einer Person gehört Carlo Levi zu den vielseitigen Gestalten der italienischen Kultur des 20. Jahrhunderts. Geboren 1902 in Turin, stammte er aus einer großbürgerlichen jüdischen Familie und wandte sich früh dem Antifaschismus zu. Seine Verbannung in ein armes Dorf Süditaliens wurde zum Stoff seines bekanntesten Buches, Cristo si è fermato a Eboli („Christus kam nur bis Eboli“), das in 37 Sprachen übersetzt und weltberühmt wurde. Daneben blieb er zeit seines Lebens auch als Maler tätig und saß von 1963 bis 1972 als Unabhängiger im italienischen Senat. Levi starb 1975 in Rom.


Biografie↑

Geboren wurde Carlo Levi am 29. November 1902 in Turin. Seine Familie war großbürgerlich, jüdisch und assimiliert; seine Eltern waren Ercole Levi und Annetta Treves. 1917 oder 1918 schrieb er sich zum Medizinstudium an der Universität Turin ein, das er 1924 abschloss. Von 1924 bis 1928 arbeitete er als Assistenzarzt an einer Turiner Klinik, praktizierte aber nie als regulärer Arzt. Sein Interesse galt stärker der Politik und der Malerei, der er sich ab 1923 intensiv widmete.

Levi wurde Mitglied der von Piero Gobetti geleiteten Gruppe Rivoluzione liberale, verbrachte einige Zeit in Paris und nahm 1929 an der Ausstellung Sei pittori di Torino teil. Im selben Jahr gründete er zusammen mit Carlo und Nello Roselli die antifaschistische Gruppe Giustizia e Libertà, die er gemeinsam mit Leone Ginzburg leitete. Deshalb wurde er im Frühjahr 1934 von der faschistischen Regierung für zwei Monate in Rom inhaftiert. Im Mai 1935 verbannte man ihn in die süditalienische Region Lucania, das heutige Basilicata.

Nach einiger Zeit im Städtchen Grassano lebte Levi von September 1935 bis Mai 1936 in dem Dorf Aliano. Dort behandelte er die verarmten Einwohner unentgeltlich als Arzt, bis die Provinzverwaltung ihm auch das untersagte und Behandlungen nur noch heimlich möglich waren. Nebenbei malte er die Menschen und die Landschaft und erkundete die Bräuche der Bewohner, besonders ihre Magie und ihren Aberglauben. 1936 kam er durch eine Generalamnestie vorzeitig frei, die der faschistische Staat zur Feier der Annexion Abessiniens ausgerufen hatte.

Anschließend ging Levi ins Exil und übernahm von Paris aus die Leitung von Giustizia e Libertà. 1941 kehrte er nach Italien zurück, wurde in Florenz festgenommen und eingekerkert. Nach dem Sturz Mussolinis kam er frei und suchte Zuflucht im Palazzo Pitti. Dort schrieb er 1943/1944 seine Erinnerungen an die Verbannung nieder, aus denen 1945 das Buch Cristo si è fermato a Eboli hervorging. Aliano nannte er darin aus Diskretion „Gagliano“.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog Levi nach Rom und lebte fortan in der Villa Strohl-Fern. Eine Zeit lang gab er die zum Partito d'Azione gehörende Zeitschrift Italia libera heraus. Er malte weiter – seine Bilder wurden in mehreren Ländern Europas und in den USA ausgestellt – und veröffentlichte weitere Bücher. 1963 wurde er als Unabhängiger auf der Liste der Kommunistischen Partei in den Senat gewählt, dem er bis 1972 angehörte. Carlo Levi starb 1975 in einem römischen Krankenhaus an einer Lungenentzündung. Gemäß seinem testamentarischen Wunsch wurde er auf dem Friedhof von Aliano bestattet, der ihm während der Verbannung einer seiner liebsten Aufenthaltsorte gewesen war.


Literarische Merkmale↑

Berühmt wurde Levi durch Cristo si è fermato a Eboli. Obwohl das Werk seiner literarischen Form wegen oft als Roman bezeichnet wird, handelt es sich um Erinnerungen an die Verbannung nach Aliano. Levi tarnte den Ort als „Gagliano“ und lenkte durch bewusst falsche Angaben der Himmelsrichtungen von seiner genauen Lage ab. Dennoch wurde die Identität des Dorfes ebenso schnell enttarnt, wie das Buch berühmt wurde.

Der Titel spielt auf eine Redensart der Bewohner an, die den abgelegenen Zustand dieses Teils von Lukanien beschreibt: Weder die Zentralregierung in Rom noch überhaupt die moderne Welt habe sich je dafür interessiert. Levi legt die Wendung wörtlich und symbolisch aus und schildert Aliano als einen Ort, an dem die Menschen ohne Bewusstsein von Politik, Geschichte, Ursache und Wirkung in einer zeitenthobenen Resignation leben. Nicht einmal das Christentum stelle hier mehr dar als einen Aberglauben unter vielen anderen.

In zurückhaltender, essayistischer Form beschreibt Levi das Leben in Aliano, vom Elend der Bauern bis zur lächerlichen Gestalt des faschistischen Bürgermeisters. Seine besondere Stärke sind einprägsame Porträts und Landschaftsbilder – ganz wie in seiner Malerei. Auch die Schilderung der katastrophalen Lebensbedingungen in der Provinzhauptstadt Matera wurde bekannt.

Ähnlich verfuhr Levi als Maler. Er setzte sich bewusst gegen die abstrakte Kunst ab und suchte eine neue Art von Realismus, die „wahr“ sein sollte, also weder l'art pour l'art noch rein beschreibend. Während der Verbannung fand er auch in der Malerei seinen eigenen Stil und malte vorwiegend Porträts der Bauern sowie ungeschönte Landschaftsbilder, die fortan sein Werk beherrschten. Sein Realismus gilt als eigenwillig und originell, so wie er selbst als Mensch gewesen sein soll.


Rezeption↑

Weltberühmt wurde Levi durch Cristo si è fermato a Eboli, das in 37 Sprachen übersetzt wurde. Francesco Rosi verfilmte es 1979 mit Gian Maria Volonté in der Hauptrolle. Während die Einwohner Alianos anfangs von Levis offener Beschreibung ihres Elends nicht begeistert gewesen sein sollen, ist das Buch dort heute Schullektüre. Seit den neunziger Jahren ist der Ort zum Parco Letterario Carlo Levi ausgerufen worden.

Levis weitere Bücher hatten deutlich weniger Erfolg und liegen daher zumeist nicht in deutscher Übersetzung vor. Zu ihnen zählen die Reisebücher Le parole sono pietre über Sizilien, Il futuro ha un cuore antico über eine Reise durch die Sowjetunion und La doppia notte dei tigli mit einer kritischen Bilanz einer Reise durch Deutschland. Sein Porträt Sardiniens erschien auf Deutsch unter dem Titel Aller Honig geht zu Ende. Zu seinen bedeutenden Werken gehören ferner Paura della libertà und der Roman L'orologio (deutsch Die Uhr) über die italienische Parteipolitik nach Kriegsende, der von Linken wie Rechten ablehnend aufgenommen wurde. In seiner Erblindung entstanden das Buch Quaderno a cancelli sowie Zeichnungen der Blindheit. Als Künstler wird Levi kaum zu den erstrangigen Malern des 20. Jahrhunderts gezählt, doch hat sich sein besonderer Realismus eine unbestreitbare Originalität erobert.

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