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Porträt Halldór Laxness
Halldór Laxness
1902 – 1998
– Autorenporträt –

Halldór Laxness

1902 – 1998 · 95 Jahre

Isländischer Romancier und Literaturnobelpreisträger, der vom Leben einfacher Isländer erzählte und die Geschichte seiner Heimat in große Romane verwandelte.

Kurzporträt

Halldór Laxness war ein isländischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger. Er zählt zu den bekanntesten Stimmen seines Landes. Geboren wurde er 1902 als Halldór Guðjónsson. Er schuf ein umfangreiches Werk aus Romanen, Theaterstücken und Essays, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Seine Bücher erzählen oft vom Leben einfacher Isländer. Dabei verbinden sie es mit der Geschichte und den gesellschaftlichen Fragen seiner Heimat. Zu seinen bekannten Romanen gehören Sein eigener Herr und Die Islandglocke. Laxness starb 1998 im Alter von 95 Jahren.


Biografie

Geboren wurde der Schriftsteller am 23. April 1902 unter dem Namen Halldór Guðjónsson. Seine Eltern waren Guðjón Helgi Helgason und Sigríður Halldórsdóttir. Über den genauen Geburtsort gehen die Quellen geringfügig auseinander: Wikidata nennt ihn „Reykjavík", die Deutsche Biographie schreibt „Reykjavik". Gemeint ist in beiden Fällen die isländische Hauptstadt. Da er aus wohlhabendem Hause stammte, konnte er seine Bildung durch zahlreiche Reisen vervollständigen.

Auf dem europäischen Kontinent lernte Laxness den Katholizismus kennen und konvertierte. Seine Konversion fand am 6. Januar 1923 im Benediktinerkloster St. Maurice de Clervaux in Luxemburg statt. Dabei wählte er den Namen Kiljan nach dem irischen Märtyrer und Heiligen Kilian. Den Nachnamen Laxness nahm er nach dem Hof Laxnes („Lachshalbinsel") bei Mosfellsbær an, wo er aufgewachsen war.

Aus einer Beziehung mit Málfríður Jónsdóttir (1896–2003) ging seine älteste Tochter María (1923–2016) hervor. Von 1930 bis 1940 war er mit Ingibjörg Einarsdóttir (1908–1994) verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn war der Historiker Einar Halldórsson (1931–2016). 1945 begann seine zweite Ehe mit Auður Sveinsdóttir (1918–2012). Er bezog seinen ständigen Wohnsitz in Gljúfrasteinn im Mosfellsdalur. Die Töchter Sigríður und Guðný wurden 1951 und 1954 geboren. Aus dieser weitverzweigten Familie gingen weitere künstlerisch tätige Nachkommen hervor. Sigríðurs Tochter Auður Jónsdóttir ist ebenfalls Schriftstellerin. Guðný Halldórsdóttir wurde Filmregisseurin. Deren Sohn Halldór Laxness Halldórsson (geboren 1985) arbeitet als Autor, Schauspieler, Comedian und Rapper unter dem Namen „Dóri DNA".

Laxness' Gesamtwerk umfasst zahlreiche Romane und Theaterstücke. Daneben war er häufig journalistisch tätig. Über Jahrzehnte hinweg erschien ein steter Strom von Büchern, von den frühen Romanen der 1920er Jahre bis zu Essays und Tagebüchern der 1980er Jahre. Längere Zeit galt er als Anhänger marxistisch-kommunistischer Lehren. Von diesen wandte er sich Ende der 1950er Jahre ab. Halldór Laxness starb am 8. Februar 1998 in Reykjalundur bei Mosfellsbær. Er wurde auf dem Friedhof der Mosfellskirkja in Mosfellsdal beigesetzt.


Literarische Merkmale

Frühe Spuren seiner Reisen auf den europäischen Kontinent finden sich im Roman Der große Weber von Kaschmir (1927). Das Buch weist Einflüsse von Expressionismus und Surrealismus auf und erinnert im Ton gelegentlich an den frühen Thomas Mann. In seinen großen Romanen wandte sich Laxness dann dem Leben einfacher Menschen zu. In Sein eigener Herr geht es um einen hartnäckigen Kleinbauern, der trotz widrigster Umstände seine Selbstständigkeit nicht aufgeben will. In Weltlicht schildert er das Leben eines Mannes aus einfachsten Verhältnissen. Dieser will unbedingt Schriftsteller werden und hat dafür gegen viele Vorurteile seiner Umgebung zu kämpfen.

Geschichte und Gegenwart Islands verknüpft Laxness besonders eng im Roman Die Islandglocke (1943–46). Das Buch ist an historische Figuren aus der Zeit um 1700 angelehnt. Es erzählt zum einen die nur zeitweise glückliche Liebesgeschichte zwischen dem Gelehrten und Handschriftensammler Arnas Arnaeus und der schönen Richtertochter Snæfríður. Zum anderen schildert es den über Jahrzehnte andauernden Prozess gegen den Bauern Jón. Dieser ist des Mordes angeklagt und irrt auf der Flucht jahrelang durch Europa. Dieser Teil erinnert an Schelmenromane wie Grimmelshausens Simplicissimus Teutsch. Beide Erzählstränge sind mit der sozialen und politischen Lage Islands eng verflochten. Immer wieder werfen sie Fragen nach der Identität des Landes auf.

Seine politische Haltung schlug sich auch in den Stoffen nieder. Im Roman Atomstation (1948) wendet er sich energisch gegen die Stationierung US-amerikanischer Raketen auf Island. In Die glücklichen Krieger (1952) zeigte er teils satirisch die negativen Seiten von Sagahelden auf. Das Buch ist in bewusst archaisierender Sprache geschrieben und wird von vielen als große Parodie der isländischen Sprache angesehen. Nach seiner Abwendung vom Kommunismus trat in den Spätwerken Das Fischkonzert (1957), Das wiedergefundene Paradies (1960) und Am Gletscher (1968) die Sozialkritik zurück. Stattdessen suchte Laxness nach neuen Erzählformen und spielte mit der Erzählperspektive. An die Stelle sozial- und religionskritischer Themen traten daoistische Motive.


Rezeption

Internationale Anerkennung fand Laxness als Literaturnobelpreisträger. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Auch im deutschen Sprachraum erschienen viele seiner Bücher, teils über mehrere Jahrzehnte hinweg und in wechselnden Ausgaben. So wurde etwa der Roman Sein eigener Herr zunächst nur als erster Teil unter dem Titel Der Freisasse veröffentlicht. Später brachte man ihn in vollständiger Übersetzung unter weiteren Titeln neu heraus.

Nicht alle seine Bücher wurden in der Heimat einhellig begrüßt. In Die glücklichen Krieger zeigte er die negativen Seiten der alten Sagahelden satirisch auf. Damit stieß er nicht unbedingt auf die Freude aller seiner Landsleute. Auch seine politischen Stellungnahmen machten ihn zu einer streitbaren Figur seiner Zeit, etwa gegen die US-amerikanische Militärpräsenz auf Island.

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