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Autoreneintrag · Gertrud von le Fort
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Porträt Gertrud von le Fort
Gertrud von le Fort
1876 – 1971
– Autorenporträt –

Gertrud von le Fort

1876 – 1971 · 95 Jahre

Katholische Dichterin aus hugenottischem Adel, die 1926 in Rom konvertierte und mit „Das Schweißtuch der Veronika“ zu einer der bekanntesten Stimmen der religiösen Erneuerung wurde.

Kurzporträt

Als eine der bekanntesten katholischen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts gilt Gertrud von le Fort, die 1876 in Minden geboren wurde und 1971 in Oberstdorf starb. Sie entstammte einem hugenottischen Adelsgeschlecht und wuchs in verschiedenen preußischen Garnisonsstädten sowie auf dem Familiengut Boek in Mecklenburg auf. Nach einem Studium der evangelischen Theologie konvertierte sie 1926 in Rom zur katholischen Kirche – eine Wende, die ihr weiteres Werk prägte. Sie zählt zu den bedeutenden deutschen Vertretern des Renouveau catholique, jener katholischen Erneuerungsbewegung. Ihr bekanntestes Werk ist der Konversionsroman Das Schweißtuch der Veronika.


Biografie

Geboren wurde Gertrud von le Fort am 11. Oktober 1876 in Minden in Westfalen. Nach der Geburtsurkunde trug sie den vollen Namen Gertrud Auguste Lina Elsbeth Mathilde Petrea Freiin von Le Fort. Ihre Familie stammte aus dem hugenottischen Adelsgeschlecht Le Fort. Ihr Vater Lothar von Le Fort (1831–1902) war preußischer Oberst, ihre Mutter Elsbeth, geborene von Wedell-Parlow (1842–1918), Tochter eines brandenburgischen Gutsbesitzers.

Ihre Kindheit verbrachte sie auf dem Familiengut Boek an der Müritz in Mecklenburg sowie in verschiedenen Garnisonsstädten, in denen ihr Vater stationiert war, unter anderem in Minden, Berlin, Koblenz, Hildesheim und Ludwigslust. Bis zum vierzehnten Lebensjahr wurde sie im Elternhaus privat unterrichtet, teils vom Vater selbst anhand des Familienarchivs. Schon früh beschäftigte sie sich mit Geschichte; mit vierzehn Jahren las sie Ranke. Erst danach besuchte sie die öffentliche Schule in Hildesheim. 1896 unternahm die Zwanzigjährige ihre erste Auslandsreise nach Wien, Venedig, Florenz und weitere italienische Orte. Die Begegnung mit der katholischen Kirche in Koblenz und Hildesheim zog sie nach eigenem Zeugnis schon als Kind an.

Als ihr Vater 1902 starb, unternahm sie weitere Reisen ins europäische Ausland. Ein Aufenthalt in Rom 1907 hatte entscheidende Bedeutung für ihr Leben und Werk. Ab 1908 studierte sie an den Universitäten Heidelberg, Marburg und Berlin evangelische Theologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie. Zu ihren Lehrern gehörten der Kirchenhistoriker Hans von Schubert und der Religionsphilosoph Ernst Troeltsch, dessen Glaubenslehre sie 1925 nach eigenen Vorlesungsmitschriften herausgab. Auch eine Vorlesung von Karl Jaspers über Kierkegaard hinterließ Spuren in ihrem Werk.

Mit Kriegsbeginn 1914 siedelte die Familie nach Boek über, das ihr jüngerer Bruder Stephan geerbt hatte. Wegen seiner Beteiligung am Kapp-Putsch 1920 musste dieser Mecklenburg verlassen. Gertrud verwaltete das Gut, bis es von der mecklenburgischen Regierung beschlagnahmt wurde, und verließ Mecklenburg. 1922 erwarb sie mit ihren Geschwistern ein Haus bei Baierbrunn im Isartal, wo sie bis 1939 lebte.

In diesen Jahren suchte sie in religionsphilosophischen Studien eine Klärung ihrer konfessionellen Zugehörigkeit. 1924 veröffentlichte sie den Gedichtzyklus Hymnen an die Kirche. Zwei Jahre später, 1926, konvertierte sie in Rom zur katholischen Kirche. Diesen Schritt verstand sie nicht als Bruch mit dem Protestantismus, sondern als eine für sie persönlich vollzogene Vereinigung. Zeit ihres Lebens litt sie unter der konfessionellen Spaltung. Anfangs publizierte sie auch unter den Pseudonymen Gerta von Stark und Petrea Vallerin.

Von Baierbrunn aus reiste sie mehrfach nach Italien und hielt seit 1933 Vortragsabende in der Schweiz und in Deutschland. Sie schloss Freundschaften mit Theodor Haecker, Erich Przywara, durch den sie Edith Stein kennenlernte, mit Dietrich von Hildebrand und dem französischen Diplomaten Paul Petit, der die Verbindung zu Paul Claudel herstellte und 1944 als Widerstandskämpfer hingerichtet wurde. Ihre Vorstellungen standen in scharfem Gegensatz zur Ideologie des Nationalsozialismus. Dennoch konnte sie 1938 ihren Roman Die Magdeburgische Hochzeit im Insel Verlag veröffentlichen.

1939 übersiedelte sie nach Oberstdorf im Allgäu, das bis zu ihrem Tod ihr Hauptwohnsitz blieb. Von 1946 bis 1949 weilte sie bei Freunden in der Schweiz und hielt dort Vorträge zugunsten des Deutschen Roten Kreuzes und notleidender deutscher Studenten. Ab 1950 war sie Mitherausgeberin der Zeitschrift Das literarische Deutschland und stand in Verbindung mit Hermann Hesse, Reinhold Schneider, Friedrich Gogarten und Carl Zuckmayer. 1959 erhielt sie den Bayerischen Verdienstorden. Sie blieb unverheiratet und starb am 1. November 1971 in Oberstdorf, wo sich ihr Grab auf dem Friedhof an der Trettachstraße befindet. In ihrem Testament vermachte sie die Einkünfte ihres Werkes zu gleichen Teilen der evangelisch-theologischen Fakultät in Heidelberg und der katholisch-theologischen Fakultät in München.


Literarische Merkmale

Prägend für das Schreiben Gertrud von le Forts ist der religiöse Grundzug. Nach dem Erscheinen ihrer Hymnen an die Kirche 1924 wurde das Dichten zur Bestimmung ihres Lebens. Ihr recht umfangreiches früheres Werk verwarf sie vollständig, weil es den großen Lebens- und Schicksalsfragen nicht gerecht werde; auch das schon vor 1912 begonnene Rom-Buch arbeitete sie völlig um.

Kennzeichnend ist, dass sie sich psychologischer Mittel bedient, um über die Psychologie hinauszugelangen und das Wirken der göttlichen Gnade im Menschen sichtbar zu machen. Dieses Anliegen zieht sich durch ihr ganzes Werk und tritt besonders in der Briefnovelle Die Letzte am Schafott von 1931 hervor.

Ihre Erzählungen spielen meist in der Vergangenheit, bedeuten für sie aber keine Abkehr von der eigenen Zeit. Ihre historischen Werke spiegeln vielmehr die Probleme der Gegenwart wider. So behandelt der Roman Die Magdeburgische Hochzeit von 1938 den religiösen und politischen Konflikt des Dreißigjährigen Krieges. Im zweibändigen Roman Das Schweißtuch der Veronika setzt sie sich mit dem antiken, dem christlichen und dem modernen Rom auseinander, verkörpert in drei Gestalten, dazwischen die Gott suchende Seele. Der zweite Band, Der Kranz der Engel von 1946, stellt die Bewährung der christlichen Persönlichkeit in einer säkularisierten Welt dar, eingebettet in die Geschichte ihres Volkes.

Auch die Zeitgeschichte greift sie auf. Die Hetze des aufkommenden Nationalsozialismus gab ihr den Anstoß, sich intensiver mit dem Judentum zu beschäftigen; daraus entstand 1930 Der Papst aus dem Ghetto. In den Hymnen an Deutschland von 1932 setzt sie sich mit dem historischen Schicksal Deutschlands auseinander. Nach dem Krieg stellte sie sich offen den Problemen der jüngsten Vergangenheit, etwa in der Erzählung Gelöschte Kerzen. In der Novelle Am Tor des Himmels von 1954 nimmt sie Galileis Widerruf zum Anlass, die Folgen der modernen Naturwissenschaft für den Glauben zu bedenken.


Rezeption

Gesehen wird Gertrud von le Fort als bedeutende deutsche Vertreterin des Renouveau catholique. Während der Zeit des Nationalsozialismus konnte sie weiter publizieren, wurde politisch aber ignoriert, auch wenn ihr Weiblichkeitskonzept der nationalsozialistischen Ideologie deutlich widersprach.

In der Nachkriegszeit war sie bis in die sechziger Jahre mit ziemlich hohen Auflagen vertreten. Ihre Werke waren auch als christliche Schullektüre verbreitet, bis eine eher gesellschaftskritische Literaturrichtung die Vorherrschaft gewann. Sie stieg zur „moralischen Autorität“ auf und galt als innere Immigrantin und Frauenrechtlerin. Ihre Konflikte mit der Amtskirche sowie ihr Eintreten gegen die atomare Bewaffnung Deutschlands und den Beitritt zur NATO förderten ihre Bekanntheit. Nach 1960 geriet sie weitgehend in Vergessenheit.

Zu ihren Ehrungen zählt der Bayerische Verdienstorden, den sie 1959 erhielt.

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