1885 – 1936
Dezső Kosztolányi
Kurzbiografie↑
Zu den bedeutenden Stimmen der ungarischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts zählt Dezső Kosztolányi. Geboren wurde er am 29. März 1885 in Szabadka, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Er war Schriftsteller, Dichter, Journalist und Übersetzer und veröffentlichte zwölf Gedichtbände sowie mehrere Romane. Sein Stil gilt bis heute als Maßstab für Reinheit und Klarheit. Kosztolányi starb am 3. November 1936 in Budapest.
Biografie↑
Aufgewachsen ist Dezső Kosztolányi in Szabadka, wo er die Hochschulreife erwarb. Anschließend zog er nach Budapest, um Literaturwissenschaft zu studieren. An der Universität lernte er spätere Größen der ungarischen Literatur kennen, darunter Mihály Babits, Gyula Juhász, Frigyes Karinthy und Milán Füst. Sein Studium brach er ab.
Bereits 1907 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband. Kosztolányi schrieb leicht und schnell und brachte eine große Zahl von Zeitungsartikeln und Erzählungen hervor, unter anderem in der Zeitschrift Nyugat und im Pester Lloyd. Neben zwölf Gedichtbänden entstanden auch Romane. Zu seinen ins Deutsche übertragenen Werken gehören Der blutige Dichter, Der goldene Drache, Anna Édes und Lerche. Ebenfalls bekannt wurden seine Erzählungen um die Figur Kornél Esti.
Kosztolányi war auch als Übersetzer tätig. 1928 übertrug er Georg Büchners Dantons Tod ins Ungarische. Er bearbeitete das Stück für die Budapester Bühne und war maßgeblich an der Inszenierung beteiligt. 1930 wurde er zum Präsidenten des ungarischen P.E.N.-Clubs gewählt.
Von seiner Grundeinstellung her war Kosztolányi bürgerlich bis konservativ. Er war ein Cousin des ungarischen Schriftstellers Géza Csáth. Kosztolányi starb am 3. November 1936 in Budapest.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für Kosztolányis Schreiben ist eine große sprachliche Reinheit und Klarheit; sein Stil gilt bis heute als Maßstab dafür. Er schrieb leicht und schnell und war in vielen Formen zu Hause – vom Gedicht über die Erzählung bis zum Zeitungsartikel und zum Roman. Ein Beispiel für seinen erzählerischen Witz ist die Kurzgeschichte Der kleptomanische Übersetzer. Darin schildert er den Übersetzer Gallus, der aus Kleptomanie beim Übersetzen die Wertsachen der Originaltexte veruntreut: Er kürzt Vertragssummen, Lösegelder und Erbschaften um zwei bis vier Nullen, nimmt reichen Matronen in der Übertragung die Perlenketten und Nerzmäntel ab und lässt hell erleuchtete Schlösser nur noch von flackernden Petroleumlampen beleuchtet erscheinen.
Rezeption↑
Als eine der prägenden Gestalten der ungarischen Literatur wird Kosztolányi bis heute wahrgenommen. Sein Werk wurde mehrfach ins Deutsche übertragen, mitunter in verschiedenen Übersetzungen desselben Textes, etwa bei Lerche und Der blutige Dichter. Er wurde als der „ungarische Hugo von Hofmannsthal“ bezeichnet. Zahlreiche seiner Erzählungen und Romane wurden verfilmt, unter anderem Anna Édes, Lerche und Der goldene Drache. Unter Literaturübersetzern ist er besonders für seine Kurzgeschichte Der kleptomanische Übersetzer bekannt geblieben.
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