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Autoreneintrag · Wladimir Galaktionowitsch Korolenko
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Porträt Wladimir Galaktionowitsch Korolenko
Wladimir Galaktionowitsch Korolenko
1853 – 1921
– Autorenporträt –

Wladimir Galaktionowitsch Korolenko

1853 – 1921 · 68 Jahre

Russischer Erzähler und unermüdlicher Anwalt der Bauern, Armen und Verfolgten, dessen Erzählungen vom harten Leben im zaristischen Russland berichten.

Kurzporträt

Wladimir Galaktionowitsch Korolenko (1853–1921) war ein russischer Schriftsteller. Seine Erzählungen beleuchten vielfach den schwierigen Alltag der russischen Bauern. Er wuchs im heutigen Schytomyr auf. Früh geriet er in die studentischen revolutionären Bewegungen und verbrachte Jahre in Haft und Verbannung. Diese Erfahrungen gaben seinem Schreiben Stoff. Ein Großteil seines Schaffens entstand in Sibirien und in den Städten des europäischen Russland. Dort verfasste er Erzählungen für verschiedene Zeitschriften und war zeitweise als Redakteur tätig. Eines seiner wichtigsten Werke ist die autobiografische Geschichte meines Zeitgenossen. Sie erschien erst nach seinem Tod vollständig. Korolenko engagierte sich zudem zeit seines Lebens für Bauern, Arme und Verfolgte und trat gegen Hinrichtungen ein.


Biografie

Korolenko wurde am 15. Juli 1853 (nach dem damals in Russland gültigen Kalender) in Schytomyr geboren. Er war eines der fünf Kinder des Landrichters Galaktion Korolenko. 1868 zog die Familie nach Riwne. Zwei Jahre später starb der Vater. Das stürzte die Familie in bittere Armut. Dennoch schloss Korolenko die Schule mit Auszeichnung ab. Er ging nach Sankt Petersburg und nahm dort ein Studium an der Technischen Hochschule auf. 1874 wechselte er nach Moskau und schrieb sich an der Akademie für Land- und Forstwirtschaft ein.

Neben dem Studium engagierte sich Korolenko vielfach in studentischen revolutionären Bewegungen. Das führte 1876 zu seiner Zwangsexmatrikulation sowie zur Festnahme und Verbannung nach Kronstadt. Nach der Freilassung 1877 lebte er einige Jahre in Sankt Petersburg. Dort fing er an, Erzählungen zu schreiben. 1879 wurde er erneut verhaftet und für sechs Jahre nach Sibirien verbannt. Dort arbeitete er in der Landwirtschaft sowie im Schuhmacherhandwerk und schrieb mehrere Erzählungen.

Im Jahr 1885 kehrte Korolenko ins europäische Russland zurück und ließ sich mit behördlicher Erlaubnis in Nischni Nowgorod nieder. Dort schrieb er weitere Erzählungen für verschiedene Zeitschriften. 1886 wurde er mit Leo Tolstoi bekannt, 1889 mit Maxim Gorki. Während der Hungersnot 1892 engagierte er sich für arme Bauern. Viele seiner Erzählungen jener Zeit beleuchten den schwierigen Alltag der russischen Landbevölkerung.

1896 siedelte Korolenko erneut nach Petersburg über. Dort wurde er Redakteur der Zeitschrift Russkoje Bogatstwo, die den Narodniki nahestand. 1900 ging er nach Poltawa. Dort setzte er sich unter anderem für die aufständischen Bauern ein und wandte sich gegen die Hinrichtungen von Revolutionären nach dem gescheiterten Volksaufstand von 1905. In dieser Zeit schrieb er eine Reihe von Erzählungen und Aufsätzen. Einige davon galten als regierungskritisch, weshalb die Staatsmacht mehrmals versuchte, ihn anzuklagen. 1902 und 1918 wurde er zum Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften ernannt.

Nach der Oktoberrevolution 1917 und während des darauffolgenden Bürgerkrieges lebte Korolenko weiterhin in Poltawa. Er engagierte sich wohltätig und versuchte mehrmals, zwischen den Bürgerkriegsparteien zu vermitteln. Am 25. Dezember 1921 starb er dort an einer Lungenentzündung. Sein wichtigstes Werk ist die von 1905 bis 1921 entstandene autobiografische Geschichte meines Zeitgenossen. Sie wurde vollständig erst nach seinem Tod herausgegeben.


Literarische Merkmale

Im Mittelpunkt von Korolenkos Erzählwerk steht der schwierige Alltag der einfachen Menschen, vor allem der russischen Bauern. Seine Jahre der Verbannung in Sibirien gaben ihm dafür unmittelbaren Stoff. Dort entstanden mehrere Erzählungen. Auf diesen Erfahrungen beruht auch der 1904 auf Deutsch erschienene Band Im Lande der Verschickten. Neue Erzählungen aus Sibirien. Zu seinen bekannten Erzählungen zählen Makars Traum, Der Wald rauscht und Der blinde Musiker. Einige seiner in Poltawa entstandenen Erzählungen und Aufsätze galten als regierungskritisch und brachten ihm wiederholt die Aufmerksamkeit der Staatsmacht ein. Sein soziales Engagement und sein literarisches Schreiben waren dabei eng verbunden. Was er über das Leid und das Unrecht seiner Zeit beobachtete, fand seinen Niederschlag in seinen Erzählungen.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten stand Korolenko in Verbindung mit den führenden russischen Schriftstellern seiner Zeit. 1886 wurde er mit Leo Tolstoi bekannt, 1889 mit Maxim Gorki. Gorki widmete ihm später ein literarisches Porträt. Es erschien in dessen Sammlung Literarische Porträts. Die Russische Akademie der Wissenschaften ernannte ihn 1902 und 1918 zum Ehrenmitglied. Seine Werke fanden früh den Weg ins Deutsche. Bereits 1904 erschien in Berlin der Band Im Lande der Verschickten. Den ersten Band der Geschichte meines Zeitgenossen übersetzte 1919 Rosa Luxemburg.

Bis heute erinnert vieles an ihn. In Nischni Nowgorod und bei Gelendschik am Schwarzen Meer bestehen Korolenko-Museen. In Dresden-Klotzsche ist eine Straße nach ihm benannt, und die Charkiwer Staatliche Wissenschaftliche Bibliothek trägt seinen Namen. Hanns-Martin Wietek würdigte ihn als „ersten russischen Menschenrechtler". Auch sein ukrainisches Erbe wird betont. So behandelte ihn Michael Zeller 2022 in der Zeitschrift Sinn und Form als „ukrainischen Erzähler".

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