1921 – 1999
Heinz G. Konsalik
Kurzbiografie↑
Heinz G. Konsalik, mit bürgerlichem Namen Heinz Günther, gehörte zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1921 in Köln geboren und starb 1999 in Salzburg. In 43 Schaffensjahren schrieb er 155 Romane, die eine Weltauflage von 83 Millionen Exemplaren erreichten. Sein bekanntestes Buch, Der Arzt von Stalingrad aus dem Jahr 1956, machte ihn zu einem der meistgelesenen Unterhaltungsautoren der Bundesrepublik. Zugleich blieb sein Werk umstritten: Kritiker warfen ihm die Verherrlichung des Krieges und nationalsozialistische Denkmuster vor.
Biografie↑
Geboren wurde Heinz Günther am 28. Mai 1921 in Köln. Der Name Konsalik, den er später als Schriftstellernamen führte, war der Geburtsname seiner aus Bulgarien stammenden Mutter. Sein Vater arbeitete als Versicherungsdirektor. Nach eigenen, allerdings unbestätigten Angaben stammte die Familie aus einem alten sächsischen Adelsgeschlecht, das seinen Titel in wilhelminischer Zeit abgelegt habe. Schon mit zehn Jahren schrieb der Junge einen ersten Wildwestroman.
Mit sechzehn verfasste er Feuilletonbeiträge für Kölner Zeitungen. 1938 veröffentlichte er nach seiner eigenen Einschätzung sein „erstes brauchbares Gedicht“. Am 31. August 1939 stellte er als Obersekundaner die heroische Tragödie Der Geuse fertig. Danach trat er der Hitlerjugend bei, Gebiet 11 Mittelrhein. Im Dezember 1939 nahm er eine Tätigkeit bei der Gestapo auf. Im März 1940 beendete er ein weiteres Drama mit dem Titel Gutenberg. Im selben Jahr bemühte er sich um Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer. Der Antrag wurde zunächst abgelehnt, weil sein schriftstellerisches Werk noch zu schmal war; bald darauf erhielt er die Mitgliedschaft, die für regelmäßige Veröffentlichungen erforderlich war.
Nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium in Köln begann er ein Medizinstudium und wechselte später zu Theaterwissenschaften, Literaturgeschichte und Germanistik. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Kriegsberichterstatter in Frankreich. Später kam er als Soldat an die Ostfront und wurde in der Sowjetunion schwer verwundet, es traf ihn eine Armverwundung bei Smolensk. Seine Jahre in Russland bezeichnete er rückblickend als „ungeheure Schule“.
Nach dem Krieg zog er zu seiner Mutter, die von Köln nach Attendorn im Sauerland evakuiert worden war. Er arbeitete zunächst als Verlagslektor, dann als Redakteur und schließlich als stellvertretender Chefredakteur der Lustigen Illustrierten sowie als Dramaturg. Seinen ersten Roman Liebesspiel mit Jubilar veröffentlichte er 1948 unter dem Namen Heinz Günther Konsalik; das Buch erschien später unter dem Titel Der Gentleman. Den Familiennamen kürzte er in der Folge ab. Auch unter Pseudonymen brachte er Bücher heraus, etwa als Jens Bekker, Stefan Doerner, Boris Nikolai oder Henry Pahlen.
Konsalik blieb zunächst in Attendorn wohnen. Seine Frau Elsbeth arbeitete dort als Lehrerin; das Paar bekam 1951 die Tochter Almut und 1955 die Tochter Dagmar. Später zog die Familie nach Aegidienberg, einem Stadtteil von Bad Honnef. Im Volksmund hieß die Gegend bald „Konsalik-Hügel“. Der Autor besaß dort drei Bungalows mit Rosengarten, Schwimm- und Grillhalle sowie Pferdeställe für seine Töchter. Er liebte Musik, hörte gern Wagner und Tschaikowski und besuchte regelmäßig die Wagner-Festspiele in Bayreuth.
Seit 1951 lebte Konsalik als freier Schriftsteller. Spätestens mit Der Arzt von Stalingrad von 1956 zählte er zu den erfolgreichsten Autoren der deutschen Unterhaltungsliteratur. Wegen dieses Romans erhielt er erst 1987 die Erlaubnis, in die Sowjetunion einzureisen. Seine Bücher erschienen in vielen Verlagen: im eigenen Hestia-Verlag, bei Bertelsmann, bei Heyne als Taschenbuch sowie bei Goldmann, Lübbe und Schneekluth. Vorabdrucke brachten Zeitschriften wie Quick oder Bunte. In Südafrika wurde er zum populärsten deutschen Autor. Als einer der „Macher“ hinter seinem Erfolg galt der Medienmanager Josef von Ferenczy.
1984 erschien mit Die strahlenden Hände sein einhundertster Roman. Damals lag seine Weltauflage bei 65 Millionen Büchern in 22 Sprachen. Sein Verlag Hestia warb mit der Rechnung, alle zehn Sekunden erwerbe irgendwo auf der Welt jemand ein Konsalik-Buch.
Mehrere Romane wurden verfilmt, darunter Der Arzt von Stalingrad 1958 mit O. E. Hasse und Eva Bartok in den Hauptrollen, Strafbataillon 999 1959 und Liebesnächte in der Taiga 1967. Die Wirkung des Kinos auf den Buchverkauf war enorm: Die Auflage von Der Arzt von Stalingrad stieg nach der Verfilmung von 8.000 auf 80.000 Exemplare. Strafbataillon 999 erreichte 29 Auflagen; der Verlag bewarb das Buch über todgeweihte Soldaten eines Strafbataillons als „hart“ und „realistisch“. 1985 verfilmte der NDR Liebe läßt alle Blumen blühen. Der Film wurde nach der Ausstrahlung heftig kritisiert, das Magazin Der Spiegel spottete über die Machart. Konsalik selbst sagte über Der Arzt von Stalingrad und Sie waren zehn, sie seien so geschrieben, „wie sie es haben wollen“.
Mit 75 Jahren wurde Konsalik von seinem Anlageberater betrogen und verlor ein Vermögen von neun Millionen Mark samt aller Rechte an seinen Büchern. Die Einnahmen aus neuen Werken glichen den Verlust wieder aus. Die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte er getrennt von seiner Frau Elsbeth in Salzburg, wo er mit der 44 Jahre jüngeren Chinesin Ke Gao zusammenlebte.
Umstritten ist, wie viel er in dieser Spätzeit noch selbst geschrieben hat. Es gibt Vermutungen, er habe Ghostwriter beschäftigt, die zumindest Teile der Recherche erledigten oder ganze Projekte übernahmen, weil die Verlage enge Abgabetermine setzten. Seine Tochter Dagmar Stecher-Konsalik wies das zurück und sprach von „Bearbeitung, Zuarbeitung und Ausarbeitung“. Der befreundete Autor Peter Heim, der auf Mallorca lebte und Romane zu Fernsehserien schrieb, soll einen Teil der Arbeit übernommen haben. Heim und Konsalik hatten schon in den 1960er Jahren gemeinsam Serien für die Illustrierte Quick verfasst. Das 1996 als 150. Konsalik-Buch vermarktete Werk Im Auftrag des Tigers stammte tatsächlich von Peter Heim, auch wenn es für Konsalik typische Formulierungen enthält.
Am 2. Oktober 1999 starb der schwer zuckerkranke Konsalik im Alter von 78 Jahren in seinem Salzburger Haus an einem Schlaganfall. Einen Monat später meldete die Hamburger Morgenpost, im Nachlass seien 45 neue Titel in Bearbeitung entdeckt worden. Sein Agent Reinhold Stecher stellte das richtig: Es handle sich nur um zwei unvollendete Manuskripte und um stichwortartige Ideensammlungen.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Konsalik ist die schiere Menge: 155 Romane in 43 Jahren, geschrieben unter dem Druck enger Abgabetermine. Seine Stoffe kreisen um Kriegsalltag, Gewalt und Erotik. Der russische Osten liefert die Kulisse für viele seiner bekanntesten Bücher, was auf seine eigenen Kriegsjahre zurückgeht. Die Romane waren bewusst publikumsfreundlich gebaut und sprachen alle sozialen Schichten an. Wladimir Kaminer hat das wiederkehrende Grundmuster spöttisch so zusammengefasst: Ein deutscher Kriegsgefangener verliebe sich im „roten Riesenreich“ in eine dominante russische Frau in Uniform. Konsalik selbst bestätigte diese Ausrichtung am Publikum, als er über zwei seiner Bücher sagte, sie seien so geschrieben, „wie sie es haben wollen“.
Rezeption↑
Bekannt war Konsalik einem sehr großen Publikum. In einer Umfrage über den bekanntesten deutschen Schriftsteller der 1990er Jahre nannten ihn 70 Prozent der Befragten; er landete damit hinter Günter Grass und Johannes Mario Simmel auf Platz drei. Gemessen an verkauften Büchern steht er mit 85 Millionen Exemplaren nach Karl May und Helmut Rellergerd auf Platz drei der meistverkauften Autoren Deutschlands.
Der literarische und politische Ruf war ein ganz anderer. Der Berliner Literaturwissenschaftler Matthias Harder wies in Konsaliks Schaffen und Gedankenwelt zahlreiche nationalsozialistische Tendenzen nach. Konsalik habe gegen das „semitisch-marxistische Theater“ der Weimarer Republik protestiert, das „Weltbild des germanischen Blutes“ durch den „jüdischen Willen“ bedroht gesehen und 1940 ein pathetisches Theaterstück über die Hitlerjugend verfasst. Der Kölner Autor Wolfgang Bittner warf dem Werk „faschistoide Tendenzen“ vor. Er wandte sich dagegen, dass die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen vier Konsalik-Romane mit vier Millionen Mark förderte; daraus entwickelte sich eine öffentliche Kontroverse. Lew Kopelew sah in Konsalik ein Symbol des westdeutschen Revanchismus, der Germanist Karl Otto Conrady nannte ihn einen „neofaschistischen Propagandisten des Kalten Krieges“.
Auch gewerkschaftlich gab es Widerspruch: Die Fachgruppe Buchhandel der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen verlieh ihm auf der Frankfurter Buchmesse 1981 den „Kriegspreis“, weil er in Frauenbataillon und Sie waren zehn den Krieg verherrlicht habe. Konsalik seinerseits äußerte sich wiederholt scharf über Presse und Fernsehen. Über die Medien sagte er, einen Brückenkopf in Russland zu halten sei einfacher, als der „Infamie eines deutschen Magazins“ zu widerstehen.
Nachgewirkt hat er bis in die Literatur anderer Länder. Der schwedische Autor Mikael Niemi griff in seinem Roman Populärmusik aus Vittula von 2000, deutsch 2002, für die Figur eines schriftstellernden ehemaligen SS-Offiziers namens Heinz in vielen Details auf Konsalik als reales Vorbild zurück.
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