Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Samuel Johnson
Eingang · Autoren · Samuel Johnson
Porträt Samuel Johnson
Samuel Johnson
1709 – 1784
– Autorenporträt –

Samuel Johnson

1709 – 1784 · 75 Jahre

Der Gelehrte Samuel Johnson prägte mit seinem 1755 erschienenen einsprachigen Wörterbuch der englischen Sprache die Lexikografie und war eine zentrale Figur im literarischen London des 18. Jahrhunderts.

Kurzbiografie↑

Als Gelehrter, Lexikograf, Schriftsteller, Dichter und Kritiker prägte Samuel Johnson (1709–1784) das literarische Leben Englands im 18. Jahrhundert wie kaum ein Zweiter. Wegen seiner Gelehrsamkeit nannte man ihn meist Dr. Johnson. Sein 1755 erschienenes einsprachiges Wörterbuch der englischen Sprache, das Dictionary of the English Language, gilt als Meilenstein der Lexikografie und hat spätere Wörterbücher bis heute beeinflusst. Nach William Shakespeare zählt er zu den meistzitierten englischen Autoren. Das Trinity College Dublin ernannte ihn 1765 zum Ehrendoktor der Rechte, zehn Jahre später erhielt er eine weitere Ehrendoktorwürde der Universität Oxford.


Biografie↑

Geboren wurde Samuel Johnson am 18. September 1709 in Lichfield in der Grafschaft Staffordshire. Dort besuchte er die Lichfield Grammar School, die heutige King Edward VI School. Ein Mitschüler war der spätere Arzt Robert James, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Zu James' dreibändigem medizinischem Wörterbuch (1743–1745) steuerte Johnson eigene Artikel bei.

Johnson studierte am Pembroke College in Oxford, musste das Studium jedoch aus finanziellen Gründen abbrechen. Er nahm die Stelle eines Unterlehrers an einer freien Schule in Leicestershire an, gab diese aber bald wieder auf, um als Übersetzer und Schriftsteller seinen Unterhalt zu verdienen. So übertrug er die französische Fassung eines Reiseberichts über Abessinien, den der portugiesische Jesuit Jerónimo Lobo verfasst hatte, ins Englische und erhielt dafür fünf Guineen.

Eine wichtige Wendung brachte die Verbindung zur Familie Porter. Johnson lebte bei seinem Freund Harry Porter, der an einer unheilbaren Krankheit litt. Nach dessen Tod am 3. September 1734 heiratete Johnson am 9. Juli 1735 in Derby dessen Witwe Elizabeth „Tetty“ Jervis Porter, die 21 Jahre älter war als er. Ihre Familie billigte die Heirat nicht. Elizabeth Porter brachte 800 Pfund Sterling in die Ehe ein. Das Paar gründete in Birmingham eine Zöglingsanstalt. Als dieses Unternehmen scheiterte, ging Johnson 1737 mit seinem Schüler, dem später berühmten Schauspieler David Garrick, nach London. Dort wollte er sein gereimtes Trauerspiel Irene aufführen, was jedoch misslang.

In London verdiente Johnson sein Brot zunächst mit Parlamentsberichten für das Gentleman's Magazine. Bekannt wurde er durch mehrere Gedichte, darunter die Satire London von 1738, eine Nachahmung der dritten Satire des Juvenal, in der er die Laster und Torheiten der britischen Hauptstadt mit Witz und Ironie geißelte. Es folgten kommentierte Auszüge aus Parlamentsreden sowie 1744 eine Biographie seines Freundes, des Dichters Richard Savage.

Zwischen 1747 und 1755 erarbeitete Johnson sein Hauptwerk, das Dictionary of the English Language, das 1755 in zwei Bänden erschien. Noah Webster verglich diese Leistung mit der Isaac Newtons in der Mathematik. Das Wörterbuch hob sich von seinen Vorläufern durch mehrere Merkmale ab: Es zielte auf eine Bestandsaufnahme des gesamten Sprachschatzes statt auf planlose Sammlungen „schwieriger Wörter“, es beruhte auf einem Korpus angewandter Beispiele, es gab die Sprache englischer Autoren wie Shakespeare, John Milton und Francis Bacon wieder und verschaffte dem Gebrauchsgegenstand Wörterbuch neues Ansehen. Während und nach der Arbeit am Wörterbuch gab Johnson die Zeitschriften The Rambler (1750–1752) und The Idler (1758–1760) heraus. 1759 erschien sein lehrhafter Roman History of Rasselas, Prince of Abyssinia.

Von 1762 an befreite ihn eine von der Regierung gewährte Pension von 300 Pfund Sterling aus akuten Geldnöten. Er bedankte sich mit zwei politischen Flugschriften, The False Alarm (1770) und Taxation No Tyranny (1775). In diese Zeit fällt auch seine achtbändige Shakespeare-Ausgabe von 1765. Johnson gehörte in England zu den Ersten, die Shakespeare nicht wegen der Vermischung des Tragischen und Komischen oder der Vernachlässigung der Einheit von Ort und Zeit verurteilten; in Shakespeare sah er, ähnlich wie John Milton, den Dichter der „Natur“.

Eine Reise nach Schottland und zu den Hebriden im Jahr 1773 trug literarische Frucht in dem Reisebericht Journey to the Western Isles of Scotland (1775). Sein darin geäußerter Zweifel an der Echtheit der Ossian-Dichtungen verwickelte ihn in eine heftige Fehde mit James Macpherson. Im Alter von siebzig Jahren schrieb Johnson die Dichterbiographien The Lives of the Most Eminent English Poets (1779–1781). Er starb am 13. Dezember 1784 und wurde in der Londoner Westminster Abbey beigesetzt.

Johnson förderte auch andere Schriftsteller. Oliver Goldsmith befreite er vom Schuldarrest, indem er das Manuskript zu dessen Roman Der Pfarrer von Wakefield verkaufte. Zu seinem Literaturzirkel gehörten mehrere Schriftstellerinnen, darunter Charlotte Lennox, Elizabeth Carter, Hannah More und Frances Burney. 1764 gründete er den Literary Club, 1783 den Evening Club.


Literarische Merkmale↑

Schon in seinen frühen Gedichten zeigte sich Johnsons Neigung zur Satire. In London nahm er die dritte Satire des Juvenal zum Vorbild und geißelte die Laster und Torheiten der Hauptstadt mit Witz und Ironie. Gelehrsamkeit war das Kennzeichen seines Schaffens: Sein Ruf gründete auf umfassender Bildung, die ihm den Beinamen Dr. Johnson eintrug.

Im Dictionary of the English Language verband er wissenschaftliche Gründlichkeit mit literarischem Anspruch. Statt bloßer Wortlisten legte er ein auf angewandten Beispielen beruhendes Werk an, das die Sprache englischer Autoren spiegelte, und gab dem Wörterbuch damit eine literarische Dimension. Als Kritiker durchbrach er die herrschenden Anschauungen seiner Zeit, wenn er etwa in Shakespeare den Dichter der „Natur“ erkannte. Er zählt nach Shakespeare zu den meistzitierten englischen Autoren.


Rezeption↑

Nach Johnsons Tod hielt sein Bewunderer James Boswell dessen Leben und Ansichten minutiös fest und veröffentlichte sie 1791 als The Life of Johnson. Eine weitere wichtige biographische Quelle bilden die Briefe, Anekdoten und Tagebücher von Hester Thrale, in deren Salon Johnson verkehrte und mit deren Familie er eng befreundet war.

Johnsons Nachleben reicht bis in die Populärkultur. Sein Kater Hodge, durch eine Passage in Boswells Werk bekannt geworden, taucht später bei Vladimir Nabokov und Percival Stockdale auf. In der Jugendbuch-Trilogie Stoneheart von Charlie Fletcher spielen sowohl „Dictionary Johnson“ als auch der Kater Hodge wichtige Rollen; Fletcher nutzt Johnsons Wortgewandtheit und Humor, um die Figur authentisch erscheinen zu lassen. Ein Johnson-Zitat über den Menschen, der sich zum Tier macht, stellte Hunter S. Thompson seinem Roman Fear and Loathing in Las Vegas als Motto voran; es findet sich auch im Vorspann der Filmadaption sowie in einem Lied der Band Avenged Sevenfold. In der britischen Serie Blackadder wurde Johnson von Robbie Coltrane verkörpert. 2012 wurde ein Gemälde des lesenden Johnson zu einem Internetmeme.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (9 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten