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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Johannes vom Kreuz
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Porträt Johannes vom Kreuz
Johannes vom Kreuz
1542 – 1591
– Autorenporträt –

Johannes vom Kreuz

1542 – 1591 · 49 Jahre

Der spanische Karmelit und Mystiker Johannes vom Kreuz schrieb mystische Gedichte wie „Die dunkle Nacht“, die zum Besten zählen, was in kastilischer Sprache gedichtet wurde; viele seiner Gedichte entstanden während einer Kerkerhaft.

Kurzbiografie↑

Johannes vom Kreuz war ein spanischer Karmelit, Priester und Mystiker. Geboren wurde er am 24. Juni 1542 in Fontiveros, gestorben ist er am 14. Dezember 1591 in Úbeda. Gemeinsam mit Teresa von Ávila trieb er die Reform des Karmelitenordens voran und wurde zum Mitbegründer der Unbeschuhten Karmeliten. Seine Gedichte, viele davon während einer Kerkerhaft entstanden, kreisen um die Sehnsucht der Seele nach Gott; eines der bekanntesten trägt den Titel Die dunkle Nacht. Die römisch-katholische Kirche verehrt ihn als Heiligen und Kirchenlehrer.


Biografie↑

Geboren wurde Juan de Yepes Álvarez als dritter Sohn des Seidenwebers Gonzalo de Yepes und seiner Frau Catalina Álvarez. Um 1555 kam er mit seiner Mutter und seinem etwa zehn Jahre älteren Bruder nach Medina del Campo. Dort besuchte er zunächst die Armenschule Colegio de los Doctrinos und ab 1559 das neu gegründete Kolleg der Jesuiten, wo er eine solide Ausbildung erhielt. Praktische Berufe lagen ihm wenig; als Pfleger und Almosensammler für das Hospital de las Bubas, in dem Syphiliskranke versorgt wurden, bewährte er sich dagegen.

Im Jahr 1563 trat er in den Orden der Karmeliten ein und nahm den Ordensnamen Juan de San Matía an. Von 1564 an studierte er an der Universität Salamanca Theologie und Philosophie. Kurz nach seiner Priesterweihe lernte er 1567 Teresa von Ávila kennen. Für deren Reform innerhalb des Karmelitenordens begeisterte er sich so sehr, dass er seinen Plan aufgab, zu den Kartäusern überzutreten. Am 28. November 1568 begann er unter dem Ordensnamen Juan de la Cruz – „Johannes vom Kreuz“ – in Duruelo nach Teresas Vorstellungen zu leben. Ihre Anhänger nannte man nach der in Kastilien üblichen Reformsprache Descalzos, die „Unbeschuhten“.

Im rasch wachsenden Orden der Unbeschuhten Karmeliten wurde Johannes zunächst Novizenmeister, dann Rektor des Studienkollegs in Alcalá de Henares und ab Frühjahr 1572 Beichtvater im Karmel von der Menschwerdung in Ávila, wohin ihn Teresa als dortige Priorin gerufen hatte. Der Streit um die Reform zog den Orden tief hinein in die Spannungen zwischen der römischen Kurie und dem Hof Philipps II. Zwischen den Unbeschuhten und dem Stammorden kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, deren Opfer Johannes wurde. In der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember 1577 wurde er entführt und im Ordensgefängnis des Klosters in Toledo eingekerkert, wo man ihn als „hartnäckigen Rebellen“ misshandelte und demütigte.

Diese Haft wurde zur Mitte seiner Gotteserfahrung und seiner mystischen Dichtung. Im Gefängnis entstand unter anderem Cántico espiritual, in dem die Menschenseele ihre Sehnsucht nach dem entschwundenen Geliebten besingt; sein bekanntestes Gedicht Die dunkle Nacht folgte danach. Seine Gedichte in der Form der Lira zählen zum Besten, was in kastilischer Sprache gedichtet wurde. In den Tagen nach dem 15. August 1578 gelang ihm die Flucht. Über mehrere Zwischenstationen erreichte er im November 1578 das abgelegene Kloster Calvario, von wo aus er die Karmelitinnen in Beas de Segura betreute.

Am 13. Juni 1579 gründete er in Baeza das erste Studienkolleg für die andalusischen Studenten der Unbeschuhten. 1582 wurde er Prior des Klosters in Granada, 1585 Provinzdefinitor und dann Provinzvikar von Andalusien; in diesem Amt legte er im Schnitt täglich fünfzehn Kilometer zurück. In dieser Zeit verfasste er die Kommentare zu seinen Gedichten: Aufstieg auf den Berg Karmel, Die Dunkle Nacht, Geistlicher Gesang und Lebendige Liebesflamme. Daneben wirkte er in Klöstern der Unbeschuhten Karmelitinnen und außerhalb des Ordens als Beichtvater und Seelsorger. 1588 wurde er Prior des Klosters in Segovia und Mitglied der Ordensleitung.

Beim Generalkapitel des Ordens 1591 in Madrid geriet Johannes erneut in Richtungsstreitigkeiten, weil er Teresas Reform gegen den strengen Kurs des Generalvikars Nicolás Doria verteidigte. Von der Ordensleitung verstoßen, zog er sich nach Úbeda bei Jaén zurück, wo er am 14. Dezember 1591 starb. Seine Reliquien ruhen heute in der Kirche San Juan de la Cruz in Segovia, in einem Schrein von 1926 auf dem Altar seiner Grabeskapelle.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für sein Dichten ist die Lira, eine Strophenform, in der seine Gedichte zum Besten der kastilischen Sprache gerechnet werden. Seine mystische Dichtung trägt Merkmale des sogenannten a lo divino: weltliche Liebessprache wird ins Geistliche gewendet. So besingt die Seele in Cántico espiritual ihre Sehnsucht nach dem entschwundenen Geliebten. Ein zentrales Bild ist die „Dunkle Nacht der Seele“ – jener passive Zustand, in dem sich Gott dem Menschen am deutlichsten offenbart. Seinen Gedichten stellte Johannes später erklärende Kommentare zur Seite, die das Erlebte theologisch deuten.


Rezeption↑

Schon bald nach seinem Tod verehrten ihn viele Mitbrüder und auch Menschen außerhalb des Ordens. Die römisch-katholische Kirche nahm ihn als Heiligen und Kirchenlehrer an; sein Gedächtnis wird am 14. Dezember begangen, auch in der anglikanischen, der alt-katholischen Kirche und in Teilen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika. Zugleich verzerrte die Ordenschronik seine Lebensgeschichte, sodass er bis in jüngere Zeit als Rigorist und als „Maestro de nada“, als „Lehrer des Nichts“, galt, obwohl er weit eher ein „Sänger der Liebe“ war.

Der Priester und Orientalist Miguel Asín Palacios (1871–1944) wies auf eine Verbindung zu den Schriften des Sufis Ibn ʿAbbād (1332–1390) hin. Als wesentliche Gemeinsamkeit sah Palacios den Begriff der „Dunklen Nacht der Seele“, in der sich Gott am deutlichsten zeige. Reinhold Schneider widmete jener Kerkerzeit die Erzählung Die dunkle Nacht des Johannes vom Kreuz, stützte sich dabei allerdings mehr auf die Hagiographie als auf den heutigen Forschungsstand. Auch das Nada te turbe, das man nach Teresas Tod in ihrem Stundenbuch fand, wird nach überwiegender Ansicht Johannes vom Kreuz zugeschrieben.

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