1651 – 1695
Juana Inés de la Cruz
Kurzbiografie↑
Juana Inés de la Cruz war eine mexikanische Nonne und Dichterin des 17. Jahrhunderts. Geboren wurde sie als Juana de Asbaje y Ramírez in San Miguel Nepantla, gestorben ist sie 1695 in Mexiko-Stadt. Als Kind lernte sie früh lesen, als Jugendliche las sie bereits philosophische, astronomische und medizinische Werke. Am Hof des Vizekönigs von Neuspanien schrieb sie zahllose Auftragsdichtungen, später im Kloster entstand ihre wichtigste Dichtung Der Traum. Wegen ihrer anmutigen Verse zählt sie heute zu den wichtigsten lateinamerikanischen Dichtern ihres Jahrhunderts.
Biografie↑
Geboren wurde Juana in San Miguel Nepantla, einem Ort im Vizekönigreich Neuspanien, der heute zu Mexiko gehört. Über das Geburtsjahr gehen die Angaben auseinander: Wikidata und die Deutsche Nationalbibliothek nennen den 12. November 1651, andere Darstellungen den 12. November 1648. Sie war vermutlich ein uneheliches Kind. Schon mit drei Jahren lernte sie lesen. Als Jugendliche beschäftigte sie sich mit Werken der Philosophie, der Astronomie und der Medizin.
Mit sechzehn Jahren wurde das begabte Mädchen von Leonor de Carreto entdeckt, der Ehefrau des Vizekönigs von Neuspanien, Antonio Sebastián de Toledo. Sie holte Juana an den Hof nach Mexiko-Stadt. Dort verfasste die junge Dichterin unzählige Auftragsarbeiten für den Hof und für die Kirche.
Juana hatte weder Familie noch Geld, und heiraten wollte sie nicht. Nach einem visionären Traum entschloss sie sich zum Klostereintritt. Ein erster Versuch bei den Unbeschuhten Karmelitinnen blieb Episode; sie wechselte zu den Hieronymitinnen, deren Lebensform weit weniger streng war. In deren Kloster konnte sie sich ihren Studien widmen. Prägend wirkten dabei die philosophischen Schriften des spanischen Jesuiten und Naturforschers Juan Eusebio Nieremberg (1595–1658).
Das Klosterleben war für sie durchaus angenehm. Sie verfügte über eine geräumige Wohnung, eine Bibliothek und Laboratorien für eigene Experimente. Auch nach der Abreise des Vizekönigs Toledo und dem Tod seiner Frau blieb sie unter dem Schutz der Vizekönige. Besonders Payo Enríquez de Rivera förderte sie, der zugleich Erzbischof von Mexiko war. So durfte sie nach Belieben Gäste empfangen. 1685 schrieb sie im Kloster ihre wichtigste Dichtung Der Traum. Daneben entstanden weiterhin „weltliche“ Gedichte von großer Leidenschaft, die meisten davon den Vizekönigen gewidmet.
Ihre Oberen ermahnten sie immer wieder, sich nur noch mit religiöser Literatur zu befassen. Juana widersprach. In Briefen an ihren Beichtvater und an den Bischof von Puebla trat sie für das Recht der Frauen auf Wissen und Bildung ein. 1694 gab sie dem Druck schließlich nach: Sie unterzeichnete ein Sündenbekenntnis und das Gelübde, fortan nur noch für Gott zu leben.
Als 1695 die Pest ausbrach, pflegte sie Kranke. Dabei steckte sie sich an und starb bald darauf an der Seuche, am 17. April 1695.
Literarische Merkmale↑
Bekannt wurde Juana Inés de la Cruz vor allem für die Anmut ihrer Verse. Am Hof schrieb sie zunächst auf Bestellung, für weltliche wie für kirchliche Anlässe. Auch im Kloster hielt sie an der weltlichen Dichtung fest und verfasste Gedichte von großer Leidenschaft, die sie meist ihren Gönnern unter den Vizekönigen widmete. Neben der Dichtung standen ihre Studien: Philosophie, Astronomie und Medizin gehörten schon in ihrer Jugend zu ihrem Lesestoff, und die Schriften des Jesuiten Juan Eusebio Nieremberg prägten ihr Denken dauerhaft. In ihren Briefen an den Beichtvater und an den Bischof von Puebla verteidigte sie das Recht der Frauen auf Bildung.
Ihre gesammelten Werke erschienen im Original als Obras Completas beim Verlag Porrúa. Der Brief an ihren Beichtvater fehlte darin noch; er wurde erst später von Aureliano Tapía Méndez entdeckt. Eine spätere digitale Ausgabe aus Argentinien enthält diesen Brief und weitere neu aufgefundene Quellen.
Rezeption↑
Heute zählt Juana Inés de la Cruz zu den wichtigsten lateinamerikanischen Dichtern des 17. Jahrhunderts. Ihre Verse werden dabei vor allem für ihre Anmut gerühmt. Dass ihr Werk bis in die Gegenwart weiterwirkt, zeigt auch die Musik: 2025 widmete ihr das Marsyas Baroque Ensemble ein Musiktheater-Porträt. Die Komponistin Dorothée Hahne steuerte dafür drei elektronische Intermezzi bei. Grundlage waren eingesprochene Passagen aus Primero Sueño, die sie elektronisch bearbeitete; hinzu kamen Aufnahmen aus ihrem Bienenstock, die Rhythmen eines Kontoauszugsdruckers und gestische Aktionen der Interpretinnen. Aufgeführt wurde das Porträt Ende 2025 in Bremen und Hamburg.
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