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Porträt Mór Jókai
Mór Jókai
1825 – 1904
– Autorenporträt –

Mór Jókai

1825 – 1904 · 79 Jahre

Ungarischer Erzähler der Romantik, dessen historische Romane ihn zu einem der meistgelesenen Autoren seines Landes machten und bis heute neu aufgelegt werden.

Kurzporträt

Mór Jókai, getauft als Móricz Jókay, war ein ungarischer Schriftsteller und Journalist. Er wurde 1825 geboren und starb 1904 in Budapest. Vor allem mit historischen Romanen wurde er zu einem der meistgelesenen Erzähler seines Landes. Seine Bücher erschienen in zahlreichen Übersetzungen und werden bis in die Gegenwart immer wieder neu aufgelegt. Er war Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, saß über Jahrzehnte im Ungarischen Reichstag und galt als liberaler ungarischer Patriot. Mit seinen utopischen Romanen gilt er zudem als wichtiger Vorläufer der ungarischen Science-Fiction.


Biografie

Geboren wurde Maurus (ungarisch Mór) Jókai als Sohn des Rechtsanwaltes und Kleingrundbesitzers József Jókai und dessen Ehefrau Maria, geborene Pulay. Als Geburtsort nennen die Quellen die Stadt, die deutsch Komorn und ungarisch Komárom heißt. Ob der Ort heute mit dem slowakischen Komárno oder dem ungarischen Komárom gleichzusetzen ist, geben die Quellen unterschiedlich an: Wikidata verzeichnet Komárno, die Deutsche Biographie Komorn. Zwei Tage nach der Geburt wurde er am 20. Februar 1825 in der Reformierten Kirche von Komorn getauft. Ein Vorfahr, Sámuel Jókay († 1690), galt als Held der Familie. Er kämpfte in der Schlacht bei Gran um die Rückeroberung von Esztergom und wurde dafür von Kaiser Leopold I. in den erblichen Adelsstand erhoben.

Die Grundschule besuchte Jókai in seiner Vaterstadt. Die Jahre 1835 bis 1837 verbrachte er als Austauschschüler im damals überwiegend deutschsprachigen Preßburg, um die deutsche Sprache zu erlernen. 1841 schrieb er sich in das Reformierte Kollegium von Pápa ein, wo er den damals 18-jährigen Sándor Petőfi kennenlernte. Zwischen 1842 und 1844 studierte er Jura in Kecskemét und verfasste dort auch seine ersten Werke. 1846 erhielt er das Diplom als Rechtsanwalt. Nach der Veröffentlichung seines ersten Romans Hétköznapok, mit dem er großen Erfolg hatte, entschied er sich jedoch für den Beruf des professionellen Schriftstellers.

Im Revolutionsjahr 1848 stellte er sich gemeinsam mit Petőfi an die Spitze der „Pester Jugend". Er war Mitverfasser des Zwölf-Punkte-Programms, das die Forderungen der revolutionären Jugend enthielt. In dieser Zeit lernte er die um acht Jahre ältere Schauspielerin Róza Laborfalvi kennen. Er heiratete sie noch im selben Jahr, am 29. August 1848. Die Verbindung wurde sowohl von seiner Familie als auch von seinem Freund Petőfi abgelehnt und führte zum Zerwürfnis mit diesem.

Nach der Schlacht bei Világos und der Niederschlagung der Revolution im August 1849 musste Jókai für einige Monate in den Untergrund gehen. Er versteckte sich zunächst in der Ortschaft Tardona im Bükk-Gebirge. Seiner Frau, einer damals prominenten Schauspielerin, gelang es, einen „Schutzbrief" für ihn zu erhalten. Dieser bewahrte ihn vor Repressalien der Behörden und ermöglichte ihm 1850 die Rückkehr nach Pest.

In Pest begann er intensiv zu schreiben. Es entstand eine Reihe von Werken mit historischem Hintergrund, die ihn in kurzer Zeit zum beliebtesten ungarischen Autor machten. Wegen seiner Beteiligung an der Revolution erhielt er erst spät die Erlaubnis, als Redakteur zu arbeiten. Ab 1858 gab er das Satire- und Witzblatt Üstökös („Der Komet") heraus, in dem er auch unter dem Pseudonym Kakas Márton (Martin Hahn) schrieb. 1860 wurde er Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft. Seine produktivste Zeit war das Jahrzehnt nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich. Von 1865 bis 1896 saß er als Abgeordneter verschiedener Wahlkreise im Ungarischen Reichstag.

1884 lernte Jókai über Erzherzog Joseph den Kronprinzen Rudolf kennen. Rudolf plante eine mehrbändige Monographie über Österreich-Ungarn, die später als „Kronprinzenwerk" bezeichnet wurde und in deutscher wie ungarischer Ausgabe erscheinen sollte. Zwischen beiden entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis, das bis zu Rudolfs Tod anhielt. Deshalb beauftragte ihn der Kronprinz mit der Redaktion der ungarischen Ausgabe.

Der Tod seiner Frau am 20. November 1886 traf den alternden Schriftsteller schwer. In der ersten Zeit danach wurde er von der Enkelin seiner Frau betreut, der Malerin Róza Jókai, die er als „Ziehtochter" adoptiert hatte. Im Frühjahr 1897 wandte sich eine achtzehnjährige junge Frau namens Bella Nagy an ihn und bat um Vermittlung eines Schauspielunterrichts. Der 72-Jährige verliebte sich Hals über Kopf in sie. Am 16. September 1899 heiratete er sie in der Budapester „Theresienstadt", was einen gesellschaftlichen Skandal auslöste. Das Verhältnis zu seiner Pflegetochter und deren Mann Árpád Feszty verschlechterte sich so sehr, dass Jókai die Pflegetochter enterbte. Damit begann ein jahrelanger Streit um die Urheberrechte seiner Werke, der sich sehr nachteilig auf die öffentliche Meinung über ihn auswirkte.

In den folgenden Jahren unternahm Jókai mit seiner zweiten Frau zahlreiche kostspielige Reisen, unter anderem nach Nizza und Abbázia. Am 28. Mai 1900 besuchte er die Weltausstellung in Paris. 1901 ernannte ihn König Franz Joseph I. zum Mitglied des Magnatenhauses auf Lebenszeit. Ab 1903 wurde es still um ihn. Er zog sich zurück und verbrachte die meiste Zeit in seiner Villa in Balatonfüred oder in seinem Haus am Schwabenberg in Budapest. Mór Jókai starb 1904 im Alter von 79 Jahren in Budapest und wurde auf dem Friedhof Kerepesi temető beigesetzt.


Literarische Merkmale

Vor allem historische Romane prägen das Werk Jókais. Sie spiegeln eine ihm eigene Romantik wider und behandeln meist Themen der älteren oder jüngeren ungarischen Geschichte. Seine Erzählweise galt als fesselnd. Seine Bücher fanden nicht nur in Ungarn, sondern auch über Übersetzungen in viele Sprachen ein großes Publikum. Mit seinen utopischen Romanen gilt er als wichtiger Vorläufer der ungarischen Science-Fiction. Zeit seines Lebens widmete er sich der ungarischen Sprache und Literatur.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten zählte Jókai zu den beliebtesten Autoren Ungarns, und seine Werke wurden in zahlreiche Fremdsprachen übersetzt. Kaiserin Elisabeth war eine begeisterte Leserin seiner Bücher, die sie in der ungarischen Originalsprache las. Meist überreichte ihr der Autor sie persönlich mit einer Widmung. Anerkennung fand er auch in den gelehrten Institutionen seines Landes: Er war Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und ab 1860 der Kisfaludy-Gesellschaft. Seine späte Heirat mit der jungen Bella Nagy und die darauf folgende Enterbung seiner Pflegetochter wirkten sich allerdings sehr negativ auf die öffentliche Meinung aus. Da seine Werke als nahezu zeitlos gelten, werden sie bis in die Gegenwart immer wieder neu aufgelegt.

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