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Porträt Aldous Huxley
Aldous Huxley
1894 – 1963
– Autorenporträt –

Aldous Huxley

1894 – 1963 · 69 Jahre

Britischer Schriftsteller und Universalgelehrter, dessen Roman „Schöne neue Welt" das düstere Bild einer durchtechnisierten Zukunft zeichnete.

Kurzporträt

Aldous Huxley, geboren 1894 in Godalming und gestorben 1963 in Los Angeles, war ein britischer Schriftsteller und Philosoph. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane und zahlreichen Essays. Am stärksten wirkte der 1932 erschienene dystopische Roman Schöne neue Welt. Daneben veröffentlichte er Kurzgeschichten, Gedichte und Reiseberichte und schrieb auch Drehbücher. Wiederholt wurde er als Universalgelehrter bezeichnet. Er gilt als einer der herausragenden Intellektuellen seiner Zeit. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte er sich eingehend mit Mystik, religiösem Universalismus und psychedelischen Substanzen.


Biografie

Geboren wurde Huxley am 26. Juli 1894 in Godalming in der englischen Grafschaft Surrey. Er war der Sohn des Schriftstellers Leonard Huxley und dessen erster Frau Julia Frances Arnold. Er entstammte der prominenten Huxley-Familie. Auf der väterlichen Seite zählten mehrere Wissenschaftler zu seinen Vorfahren, darunter sein Großvater Thomas Henry Huxley. Auf der mütterlichen Seite gehörte er zur Intellektuellenfamilie Arnold. Zu dieser zählte der Schriftsteller und Kulturkritiker Matthew Arnold als Großonkel. Sein Bruder Julian Huxley war Biologe und Schriftsteller. Sein Halbbruder Andrew Fielding Huxley war Biologe und Nobelpreisträger.

Als Kind wurde Huxley an der Hillside School in Malvern unterrichtet, mehrere Jahre lang auch von seiner eigenen Mutter. Dann erkrankte sie schwer und starb 1908, als er vierzehn Jahre alt war. Danach besuchte er das Eton College. 1911 erkrankte er an einer Augenentzündung und war danach drei Jahre lang fast blind. Diese Erkrankung zwang ihn, seine Pläne eines Studiums der Biologie und Medizin aufzugeben. Doch blieb er sein Leben lang an den Naturwissenschaften interessiert. Ab Oktober 1913 studierte er Englische Literatur am Balliol College in Oxford. Ab 1916 arbeitete er als Herausgeber der Literaturzeitschrift Oxford Poetry. Im Juni 1916 schloss er sein Studium mit Auszeichnung ab. Im selben Jahr machte er die Schriftstellerei zu seinem Beruf und veröffentlichte mit 22 Jahren sein erstes Buch The Burning Wheel.

Im Januar 1916 meldete er sich freiwillig zum Dienst im Ersten Weltkrieg, wurde aber wegen seines eingeschränkten Sehvermögens nicht angenommen. 1917 war er einige Monate bei der Royal Air Force für die Bestellung von Material zuständig. Danach unterrichtete er ein Jahr lang Französisch am Eton College. Zu seinen Schülern zählten unter anderem Eric Blair – später bekannt als George Orwell – und Steven Runciman. Für Ordnung im Unterricht konnte er kaum sorgen, wurde aber wegen seiner sprachlichen Fähigkeiten bewundert. Während des Krieges verbrachte er viel Zeit in Garsington Manor, dem Wohnsitz von Lady Ottoline Morrell, die ihn formal als Aushilfe beschäftigte. Dort traf er Bekannte aus Oxford und Mitglieder der zeitkritischen Elite. Dazu gehörten Lytton Strachey, Clive Bell, Bertrand Russell und D. H. Lawrence, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, sowie Mitglieder der Bloomsbury Group.

1919 heiratete er die Belgierin Maria Nys, die er in Garsington kennengelernt hatte. Im folgenden Jahr wurde sein Sohn Matthew geboren. Huxley arbeitete nun als Journalist und Kunstkritiker. In seinem Roman Crome Yellow (1921) karikierte er den Lebensstil von Garsington, ohne dass dies seine Freundschaft mit den Morrells beeinträchtigte. In den 1920er Jahren lebte er mit seiner Familie hauptsächlich in Italien, wo er D. H. Lawrence besuchte. Er unternahm aber auch weite Reisen, die ihn zwischen September 1925 und Juni 1926 über Indien in die USA führten. Seine Beobachtungen veröffentlichte er unter dem Titel Jesting Pilate (1926) und im Roman Point Counter Point (1928). Der technisch-wissenschaftliche Fortschritt und die konsumorientierte US-Kultur bedrückten ihn. In nur vier Monaten schrieb er in Sanary-sur-Mer in Südfrankreich seinen dystopischen Roman Schöne neue Welt, der 1932 erschien. Zugleich behandelte er pazifistische Themen, etwa im Roman Eyeless in Gaza (1936).

1937 zog Huxley nach Kalifornien, wo eine zweite Schaffensphase einsetzte. Sie war von einer neuen Hinwendung zum Menschen geprägt. 1938 lernte er Jiddu Krishnamurti kennen. Unter dem Einfluss buddhistischer Lehren wandte er sich der Mystik und einem religiösen Universalismus zu. Diese Orientierung spiegelt sich in den Romanen After Many a Summer (1939) und Time Must Have a Stop (1944) sowie in der theoretischen Schrift The Perennial Philosophy (1945). Um 1939 arbeitete er zudem als Drehbuchautor in Hollywood. Laut der 1980 erschienenen Autobiografie von Christopher Isherwood soll Huxley damals mehr als 3.000 US-Dollar pro Woche verdient haben. Seine hohen Gehälter soll er eingesetzt haben, um Juden sowie linksgerichteten Schriftstellern und Künstlern die Flucht aus dem deutschen NS-Staat zu ermöglichen. Eine zeitweise enge Verbindung entwickelte sich zu Thomas Mann, der einige Zeit in unmittelbarer Nachbarschaft wohnte.

1953 ließ Huxley sich auf ein von dem Psychiater Humphry Osmond betreutes Experiment ein. Es untersuchte die Wirkung von Meskalin auf die menschliche Psyche. In der folgenden Korrespondenz prägten beide das Wort „psychedelisch“ für diese Wirkung. Die Essays Die Pforten der Wahrnehmung und Himmel und Hölle beschreiben das Experiment. Diesem unterzog er sich bis zu seinem Tod noch etwa zehnmal. 1955 starb seine Frau Maria an Krebs. 1956 heiratete er die Geigerin, Schriftstellerin und Psychotherapeutin Laura Archera, die später eine Biografie über ihn schrieb. 1960 wurde bei Huxley Kehlkopfkrebs diagnostiziert, woraufhin sich sein Gesundheitszustand verschlechterte. 1962 erschien sein letzter Roman Island, eine positive Utopie. Darin entwarf er ein Gegenbild zur Schönen neuen Welt. Im selben Jahr wurde er Mitglied der britischen Royal Society of Literature.

Am Nachmittag des 22. November 1963 starb Aldous Huxley im Alter von 69 Jahren in Los Angeles. Kurz zuvor ließ er sich auf eigenen Wunsch von seiner Frau Laura LSD verabreichen. Am Mittag desselben Tages fand das Attentat auf John F. Kennedy statt, von dem Huxley nichts mehr erfuhr. Die Berichterstattung darüber überschattete die Meldung von Huxleys Tod, ebenso wie der Tod von C. S. Lewis am selben Tag. Seine Asche wurde im Familiengrab auf dem Friedhof in Compton bei Guildford beigesetzt.


Literarische Merkmale

In seinen Romanen verband Huxley scharfe Gesellschaftskritik mit dem Spott des Satirikers. Er kritisierte soziale Normen und verbreitete Ideale. Er stellte die möglichen negativen Folgen wissenschaftlicher und technischer Errungenschaften dar. Sein Gesamtwerk gilt als humanistisch motiviert. In seinen frühen Werken zeigte er sich als scharfzüngiger Realist. Das Milieu der zeitkritischen Elite – etwa den Lebensstil in Garsington Manor – karikierte er mit spöttischem Blick.

Mit dem Umzug nach Kalifornien 1937 setzte eine zweite Phase ein. Sie war von einer neuen Hinwendung zum Menschen geprägt. Aus dem Kritiker und Satiriker wurde ein Autor, der sich verstärkt spirituellen Themen, der Mystik und einem religiösen Universalismus zuwandte. In Werken wie The Perennial Philosophy trat das essayistisch-philosophische Schreiben in den Vordergrund. Sein Interesse galt zugleich der Philosophia perennis und, ab 1939, dem Vedanta. Dabei blieb er Agnostiker und lehnte institutionalisierte Religion ab. Seine breite Bildung und sein vielseitiges Werk – Romane, Essays, Gedichte, Reiseberichte und Drehbücher – trugen ihm wiederholt den Ruf eines Universalgelehrten ein.


Rezeption

Schon während der 1920er Jahre erlangte Huxley mit dem Schreiben eine gewisse Berühmtheit. 1937, als er in die Vereinigten Staaten auswanderte, war er bereits weltbekannt. Wiederholt wurde er als Universalgelehrter bezeichnet. Er gilt als einer der herausragenden Intellektuellen seiner Zeit. Insgesamt wurde er neunmal für den Nobelpreis für Literatur nominiert. 1959 lehnte er das Angebot der britischen Regierung ab, in den Ritterstand erhoben zu werden. 1962 wurde er Mitglied der britischen Royal Society of Literature. Seit 1960 war er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters.

Sein bekanntestes Werk blieb der Roman Schöne neue Welt. Auch der Essay Die Pforten der Wahrnehmung von 1954 gilt als einflussreich; in ihm verarbeitete er eine eigene Erfahrung mit Meskalin. Auch über seinen Tod hinaus wirkte seine Person nach. Der Komponist Igor Strawinsky widmete seine letzte Komposition für Orchester seinem Freund Aldous Huxley, die zwischen Juli 1963 und Oktober 1964 entstandenen Variations. Sie wurden am 17. April 1965 vom Chicago Symphony Orchestra uraufgeführt.

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