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Schöne neue Welt
1932
– Werkseintrag –

Schöne neue Welt

1932 · Roman

In einer Zukunft, in der Menschen im Labor gezüchtet, in Kasten sortiert und mit einer Glücksdroge ruhiggestellt werden, trifft ein Außenseiter auf eine Welt, die alles Leid abgeschafft hat – und mit dem Leid auch die Freiheit.

Überblick

Der Roman Schöne neue Welt von Aldous Huxley erschien 1932 zunächst auf Englisch unter dem Titel Brave New World. Er entwirft das Bild einer negativen Utopie: einer Gesellschaft im Jahr 2540, die ihre Stabilität um jeden Preis wahrt. Die Menschen werden nicht mehr geboren, sondern in Aufzuchtzentren erzeugt und von Anfang an in feste Kasten geprägt – von den führenden Alpha-Plus-Menschen bis hinunter zu den einfachen Epsilons. Wer unzufrieden wird, greift zur Glücksdroge Soma. Unmittelbare Befriedigung, Konsum und ständige Ablenkung ersticken jeden Wunsch nach Veränderung.

Das Buch zählt zu den einflussreichsten Romanen des 20. Jahrhunderts und regte Schriftsteller mehrerer Generationen zu eigenen Zukunftsvisionen an. 1998 setzte das Verlagshaus Modern Library es auf Rang fünf seiner Liste der hundert besten englischsprachigen Romane des Jahrhunderts; auch die BBC, der Observer und Le Monde führen es in ähnlichen Bestenlisten.

Inhalt (ohne Spoiler)

In einer fernen Zukunft lebt fast die gesamte Menschheit in einem einzigen Weltstaat, der alles plant – sogar die Erzeugung der Menschen selbst. Zu Beginn führt ein Direktor eine Gruppe von Studenten durch ein Aufzuchtzentrum und erklärt, wie Embryonen so behandelt werden, dass jeder Mensch genau in jene Kaste hineinwächst, die ihm zugedacht ist. Später erläutert Mustapha Mond, ein Mitglied der Weltregierung, die tieferen Grundsätze dieser Ordnung. Feste Bindungen sind verpönt, Unzufriedenheit wird mit der Droge Soma weggewischt, und die Losung lautet: „heute ist jeder glücklich“.

In dieser durchorganisierten Welt fallen einige wenige aus dem Rahmen. Der Alpha Bernard Marx leidet unter seinem Körper und seinen unangepassten Gedanken; sein Freund Helmholtz Watson spürt, dass ihm die glatte Gesellschaft zu wenig bietet. Die Beta-Frau Lenina Crowne nimmt Bernards Einladung zu einem Ausflug in ein Reservat in New Mexico an, in dem noch „Wilde“ auf alte, ungeplante Weise leben. Dort begegnen sie einem jungen Mann, der zwischen beiden Welten steht – und dessen Rückkehr in die Zivilisation die vertraute Ordnung auf die Probe stellt.

Die Handlung im Detail

Die Handlung spielt um das Jahr 2540. Seit Jahrhunderten lebt der überwiegende Teil der Menschheit in einem einzigen Weltstaat, der jede Produktion – auch die des Menschen – störungsfrei plant. Stellvertretend für den Leser werden einer Gruppe von Studenten die Grundzüge dieser Zivilisation erklärt, zuerst vom Direktor eines Aufzuchtcenters, dann von Mustapha Mond, einem Mitglied der Weltregierung. Die Eizellen werden außerhalb des Körpers befruchtet, ganze Reihen identischer Klone herangezüchtet. Den Epsilons, den Angehörigen der niedrigsten Kaste, entzieht man im Embryonenstadium Sauerstoff, damit sie geistig beschränkt bleiben und später einfachste Arbeiten verrichten. Durch das Zusammenspiel von Arbeitsteilung, Prägung und Konsum entsteht ein „stabiles Wohlbefinden“. Tiefere Bindungen sind tabu – „Schließlich gehört jeder jedem“ –, und wo doch einmal Unbehagen aufkommt, hilft die Droge Soma.

Die mittleren Kapitel zeigen das Leben der angepassten Mehrheit und zweier Außenseiter, die an ihrem „mentalen Überschuss“ leiden. Lenina Crowne, eine als Partnerin geschätzte Beta-Frau, fühlt sich zu dem eigenbrötlerischen, sehr klugen, aber körperlich unterentwickelten Alpha Bernard Marx hingezogen. Er leidet unter seiner geringen Größe und einem Minderwertigkeitsgefühl, das er durch nonkonformistische Ansichten ausgleicht; nur sein gutmütiger Freund Helmholtz Watson erträgt diese Ansichten. Trotz mancher Empörung nimmt Lenina Bernards Einladung an, mit ihm ein Reservat in New Mexico zu besuchen, in dem „Wilde“ leben, die man nie in die moderne Gesellschaft eingegliedert hat.

Im Dorf Malpais sind beide entsetzt: Abfälle auf den Straßen, stillende Mütter, alte Menschen, Hunde, Fliegen. Sie werden Zeugen eines blutigen Fruchtbarkeits- und Initiationsrituals und lernen den hellhäutigen John Savage kennen, der im Dorf seit seiner Kindheit ausgegrenzt wird. Seine Mutter Linda war während eines Besuchs im Reservat verunglückt, galt seither als verschollen und konnte sich dem Dorfleben nie anpassen. John wächst zwischen den Welten auf; er lernt zunächst nur von der Mutter lesen und bildet sich später an einer im Dorf vergessenen Gesamtausgabe der Werke Shakespeares weiter. Bernard bittet den Weltcontroller Mustapha Mond, John und Linda die Rückkehr in die Zivilisation zu erlauben. Mond ist neugierig auf den „Wilden“ und erteilt die Genehmigung.

Zurück in der Zivilisation gerät die Begegnung von alter und neuer Welt zunehmend außer Kontrolle. Anfangs ist John von den technischen Wundern beeindruckt, doch je länger er bleibt, desto mehr verstören ihn die Sitten. Gegen die formelhafte Sprache der Gesellschaft setzt er, ebenso formelhaft, eine Flut von Shakespeare-Zitaten. John und Lenina verlieben sich, doch ihre Vorstellungen von Liebe passen nicht zusammen: Leninas offene, rein körperliche Annäherung zerstört das idealisierte Bild, das er sich von ihr gemacht hat – aus Anbetung wird Verachtung. Als John die Verteilung von Soma an eine Gruppe von Deltas stört, werden er, Bernard und Helmholtz festgenommen und Mond vorgeführt. Bernard wird nach Island, Helmholtz auf die Falkland-Inseln verbannt.

Den gedanklichen Kern bildet das Gespräch zwischen Mustapha Mond und John. John wehrt sich mit shakespearischen Worten gegen Monds Nützlichkeitsdenken, gegen das „größte Glück der größten Zahl“. Er fordert Sinn durch Gott, eine durch Keuschheit gesteigerte Leidenschaft und einen Erfolg, der durch Leiden und Herausforderung erst wertvoll wird – doch den Weltcontroller überzeugt er nicht. Da John weder in der Zivilisation leben noch ins Reservat zurückkehren will, zieht er sich in einen verlassenen Leuchtturm am Rand der Gesellschaft zurück. Dort bestraft er sein aufkeimendes Verlangen nach Lenina mit Selbstgeißelungen, wie er sie aus dem Reservat kennt. Heimlich gefilmt, wird er bald von Horden Schaulustiger belagert. Auch Lenina kommt und will ihn umarmen, doch John stürzt sich mit der Geißel auf sie. Die Umstehenden lassen sich vom „Schrecken des Schmerzes“ mitreißen, beginnen zu singen, zu tanzen und einander zu schlagen. Erschöpft von der Dauerekstase schläft John schließlich ein. Als er am nächsten Morgen erwacht und sich an die Nacht erinnert, packt ihn das Entsetzen – und er erhängt sich.

Stil

Als negative Utopie stellt das Werk nicht eine fortlaufende Abenteuerhandlung in den Mittelpunkt, sondern den vergleichenden Blick auf zwei Welten: die durchgeplante Zukunft und die alte Ordnung des Reservats. Weite Strecken lesen sich wie ein Reisebericht oder eine Fremdenführung – Berichte aus der Arbeitswelt, aus der ausweglosen Freizeit und aus dem Reservat. Zu Beginn übernimmt der Rundgang durch das Aufzuchtcenter diese Aufgabe: Was der Leser über die neue Welt wissen muss, wird ihm gemeinsam mit den Studenten erklärt.

Weil eine auf Stabilität fixierte Gesellschaft von sich aus kaum etwas erzählen lässt, braucht der Roman seine Außenseiter. Erst Bernard, Helmholtz und John bringen Bewegung in das starre Bild und machen es überhaupt erzählbar. Besonders wirkungsvoll ist der Kontrast der Sprache: Der formelhaften, geglätteten Rede der neuen Zivilisation setzt John seine ebenso feststehenden Shakespeare-Zitate entgegen – ein hochkultureller „Wilder“ im Streit mit der kulturlosen Massengesellschaft.

Schon der Titel stammt aus Shakespeares Der Sturm; das Wort „brave“ bedeutete zu dessen Zeit „schön“ und nicht, wie im heutigen Englisch, „tapfer“. Vorangestellt ist dem Roman zudem ein französisches Motto des Philosophen N. A. Berdjajew, das die Frage aufwirft, wie sich die technisch machbar gewordenen Utopien noch vermeiden ließen. Ins Werk eingelassen sind satirische Züge: Viele Figuren tragen die Namen bekannter Unternehmer, und über allem steht Henry Ford als Leitfigur der auf Fließfertigung getrimmten Welt.

Rezeption

Schon bald nach seinem Erscheinen wurde der Roman zu einem der einflussreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts und regte Schriftsteller aller Generationen zu eigenen Zukunftsvisionen an. 1998 setzte das Verlagshaus Modern Library ihn auf Rang fünf seiner Liste der hundert besten englischsprachigen Romane des Jahrhunderts; auch in Bestenlisten der BBC, des Observers und von Le Monde ist er vertreten.

Bereits im Erscheinungsjahr 1932 übertrug Herberth E. Herlitschka das Buch ins Deutsche; die vom Autor autorisierte Fassung des Insel Verlags verlegte die Handlung nach Berlin und Norddeutschland und tauschte britische Unternehmernamen gegen deutsche aus – nur Henry Ford blieb. Der deutsche Titel wechselte mehrfach: Zunächst hieß das Werk Welt – wohin?, ab 1950 Wackere neue Welt und in späteren Auflagen Schöne neue Welt. Unmittelbar nach 1933 setzten die Nationalsozialisten den Roman auf die Liste der verbotenen Bücher. Spätere Neuübersetzungen von Eva Walch (1978) und Uda Strätling (2013) kehrten zu den originalen Orts- und Personennamen zurück und weichen darin von der ersten Fassung ab.

Der Stoff wurde mehrfach für Bildschirm und Rundfunk bearbeitet, unter anderem als Fernsehfilm 1980 unter der Regie von Burt Brinckerhoff und 1998 als Geklonte Zukunft unter Leslie Libman, ferner als Hörspiel sowie als Fernsehserie unter der Regie von Owen Harris.

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