1902 – 1967
Langston Hughes
Kurzbiografie↑
Der amerikanische Dichter und Schriftsteller Langston Hughes wurde 1902 in Joplin im Bundesstaat Missouri geboren und starb 1967 in New York. Er gehörte zur Harlem Renaissance, der afroamerikanischen Künstlerbewegung, und schrieb Gedichte, die vom Blues und vom Jazz geprägt waren. Sein Gedicht I, Too, Sing America wurde später zu einem Sinnbild der Bürgerrechtsbewegung. Neben Lyrik verfasste er Romane, Theaterstücke, Erzählungen, Kinder- und Jugendbücher sowie autobiografische Schriften. Über seine eigene Hautfarbe sagte er, er sei „unfortunately“ nicht schwarz, sondern verhältnismäßig hellhäutig.
Biografie↑
Als Kind erlebte Hughes die Scheidung seiner Eltern und wuchs bei seiner Großmutter auf. Mit dreizehn Jahren zog er zu seiner Mutter, zunächst nach Lincoln in Illinois, später nach Cleveland in Ohio. Schon während der Schulzeit begann er, Gedichte zu schreiben.
Nach dem Schulabschluss ging er 1920 für ein Jahr zu seinem Vater nach Mexiko-Stadt. Der Vater war kurz nach der Geburt des Sohnes nach Mexiko gezogen, weil er sich in seinen Geschäften nicht durch die Rassentrennung und die Diskriminierung in den Vereinigten Staaten einschränken lassen wollte. In Mexiko lebte er als angesehener Kaufmann. Zwischen Vater und Sohn herrschte allerdings wenig Einvernehmen: Dem ehrgeizigen Vater kam es vor allem darauf an, dass der Sohn Karriere machte.
Auch um dieser Nähe zu entkommen, willigte Hughes in ein Studium ein. 1921 schrieb er sich an der Columbia University für Ingenieurwissenschaften ein, brach das Studium aber schon 1922 wieder ab. Danach reiste er nach Afrika und dann nach Frankreich. In Paris arbeitete er zeitweise als Tellerwäscher im Club Le Grand Duc auf dem Montmartre.
Zurück in den Vereinigten Staaten schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch und versuchte zugleich, seine Gedichte zu veröffentlichen. Während einer Tätigkeit als Hilfskellner nutzte er den Restaurantbesuch des Dichters Vachel Lindsay und schob diesem drei seiner Gedichte unter die Speisekarte. Lindsay ließ sie sogleich veröffentlichen und stellte den Verfasser als neu entdeckten schwarzen Dichter aus der Kellnerschaft vor. Im künstlerischen Salon von Georgia Douglas Johnson in Washington lernte Hughes den Maler und Schriftsteller Richard Bruce Nugent kennen; die beiden verband von der ersten Minute an eine enge Freundschaft.
Über einen Kontakt zu Carl Van Vechten fand Hughes schließlich einen Verleger. 1925 gewann er den Lyrikpreis der Zeitschrift Opportunity. Sein erster Gedichtband The Weary Blues erschien 1926. Im selben Jahr nahm er ein Studium am afroamerikanischen College der Lincoln University in Pennsylvania auf. Seine vom Blues und Jazz beeinflussten Gedichte wurden im Umfeld der Harlem Renaissance rasch bekannt.
Im November 1926 erschien sein Gedicht Lift Boy in der Zeitschrift Fire!!, an der er maßgeblich beteiligt war. Das Blatt wurde ein finanzieller Misserfolg, und Hughes verschuldete sich dabei so stark, dass er jede Einnahme der folgenden Jahre in die Tilgung stecken musste. Weitere Arbeiten erschienen in der Zeitschrift The Crisis, neben Texten anderer Vertreter der Harlem Renaissance wie Claude McKay, Jean Toomer, Nella Larsen, Countee Cullen, George Schuyler und Anne Spencer.
1930 kam sein erster Roman Not Without Laughter heraus, für den er die Harmon-Goldmedaille für Literatur erhielt. Anfang der 1930er Jahre bereiste er den amerikanischen Süden. 1932 fuhr er in die Sowjetunion und lobte danach die Errungenschaften des Sozialismus. In Aşgabat, der Hauptstadt der damaligen Turkmenischen Sowjetrepublik, kam es dabei zu einer zufälligen Begegnung mit Arthur Koestler, der sie in seinen Lebenserinnerungen Als Zeuge der Zeit geschildert hat. Ab 1939 veröffentlichte Hughes eine Reihe von Theaterstücken.
Im Zweiten Weltkrieg setzte er sich für die Sache der Alliierten ein. Zugleich betonte er stets, dem Sieg im Ausland müsse der Sieg im Inneren folgen, also die Beseitigung der Rassentrennung. Nach dem Krieg arbeitete er am Broadway unter anderem mit Kurt Weill und mit William Grant Still zusammen. Aus der Arbeit mit Weill ging Street Scene hervor, eine der ersten afroamerikanischen Opern. In dieser Zeit lebte er mit Marion Palfi zusammen, die 1940 in die Vereinigten Staaten emigriert war.
In den 1950er Jahren geriet Hughes im Kalten Krieg in die antikommunistischen Verfolgungen des Senators Joseph McCarthy. Er distanzierte sich nun von seinen früheren Anschauungen und versuchte zugleich, an seiner humanistischen Überzeugung festzuhalten. Das brachte ihm doppelte Ablehnung ein: Konservative wiesen ihn zurück, und frühere politische Weggefährten verachteten ihn. 1961 wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt, 1964 in die American Academy of Arts and Sciences.
Bis zu seinem Tod veröffentlichte er zahlreiche weitere Bücher: Gedicht- und Erzählbände, historische Werke, Bücher über schwarze Musik, Jugend- und Kinderbücher sowie autobiografische Schriften. Er starb 1967 in New York; die Datenbanken verzeichnen den Sterbeort einmal als New York City, einmal als New York, NY, womit dieselbe Stadt gemeint ist. Seine Asche wurde in der Nähe des Arthur Schomburg Center for Research in Black Culture verstreut.
Literarische Merkmale↑
Prägend für Hughes' Dichtung ist die Musik seiner Zeit. Seine Gedichte sind vom Blues und vom Jazz beeinflusst, und dieser Einfluss trug wesentlich dazu bei, dass sie im Umfeld der Harlem Renaissance bekannt wurden. Schon der Titel seines ersten Gedichtbands The Weary Blues nennt diese Herkunft beim Namen.
Hughes blieb nicht bei der Lyrik. Er schrieb Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Bücher über schwarze Musik, historische Darstellungen, Kinder- und Jugendbücher sowie autobiografische Texte und arbeitete auch als Journalist und für die Bühne. Diese Vielseitigkeit gehört zu seinem Bild als Schriftsteller.
Ein durchgehender Zug seiner Arbeit ist die Verbindung von Kunst und politischer Überzeugung. Er verlangte im Zweiten Weltkrieg, dem Sieg über den äußeren Feind müsse die Abschaffung der Rassentrennung im eigenen Land folgen. Auch als er sich später von seinen Sympathien für den Sozialismus löste, hielt er an seiner humanistischen Vision fest.
Rezeption↑
Anerkennung fand Hughes schon früh. 1925 erhielt er den Lyrikpreis der Zeitschrift Opportunity, 1930 die Harmon-Goldmedaille für Literatur für seinen Roman Not Without Laughter. Spät in seinem Leben folgten zwei akademische Ehrungen: 1961 die Wahl in die American Academy of Arts and Letters, 1964 die in die American Academy of Arts and Sciences.
Politisch geriet er zwischen die Fronten. In den 1950er Jahren wurde er ein Opfer der antikommunistischen Verfolgungen unter Senator Joseph McCarthy. Seine Abkehr von den früheren Anschauungen nützte ihm wenig: Konservative lehnten ihn weiterhin ab, und frühere Weggefährten verachteten ihn nun.
Über seinen Tod hinaus wirkt vor allem sein Gedicht I, Too, Sing America, das zu einem Sinnbild der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurde. Dass seine Asche nahe dem Arthur Schomburg Center for Research in Black Culture verstreut wurde, verweist auf seinen festen Platz in der afroamerikanischen Kulturgeschichte.
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