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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt James Hogg
James Hogg
1770 – 1835
– Autorenporträt –

James Hogg

1770 – 1835 · 64 Jahre

Der „Schäfer von Ettrick“: ein Hirtensohn aus dem schottischen Ettrick Forest, der kaum Schulunterricht hatte, sich als Erwachsener das Schreiben beibrachte und mit „The Queen's Wake“ seinen Ruf als Dichter begründete.

Kurzbiografie↑

Der schottische Dichter James Hogg wurde als Sohn eines verarmten Schafzüchters im Ettrick Forest geboren und hütete von früher Jugend an selbst die Schafe. Unter dem Beinamen „Der Schäfer von Ettrick“ wurde er bekannt. Seine Verse schöpfte er aus den Sagen und Liedern, die ihm seine Mutter überliefert hatte. Zu dichten begann er erst als Erwachsener, und das Schreiben fiel ihm dabei schwer. Mit der Sammlung The Queen's Wake begründete er 1813 seinen Ruf als Dichter. Sein Roman The Private Memoirs and Confessions of a Justified Sinner geriet in Vergessenheit, wird heute aber wegen seiner phantastischen und modernen Züge geschätzt.


Biografie↑

Geboren wurde Hogg Ende 1770 auf einer Farm im Ettrick Forest, der damals zur Grafschaft Selkirkshire gehörte und heute zum Distrikt Scottish Borders zählt. Getauft wurde er am 9. Dezember 1770. Sein Vater war ein verarmter Schafzüchter, und der Sohn hütete von Kindheit an die Schafe.

Die Mutter kannte die Sagen und Lieder ihrer Heimat und gab sie weiter. Die Überlieferungen entzündeten die Phantasie des Jungen. Er hatte nur wenige Monate Schulunterricht und las erst als junger Schäfer viel. Ab etwa 1796 schrieb er mühsam eigene Verse. Hogg behauptete übrigens stets, am selben Tag wie Robert Burns geboren zu sein, nämlich am 25. Januar.

1801 brachte er ein Bändchen Gedichte heraus. Der Erfolg blieb aus. Dann lernte er Walter Scott kennen, der sein Talent entdeckte. Hogg half ihm beim Sammeln von Balladen für The Minstrelsy of the Scottish Border. Die alten Volksballaden prägten auch seine eigenen Gedichte. Er schrieb sowohl auf Englisch als auch auf Scots.

Im Jahr 1807 erschienen die Gedichtsammlung The Mountain Bard und das Fachbuch The Shepherd's Guide über Schafkrankheiten. Beide brachten ihm 300 Pfund Gewinn. Im Februar 1810 ging er nach Edinburgh und gab dort die Wochenschrift The Spy heraus, die ihr Erscheinen bald einstellen musste.

Den Durchbruch brachte 1813 The Queen's Wake, eine Sammlung von Erzählungen und Balladen. Die Fiktion des Buches: schottische Barden hätten diese Stücke bei einem Sängerwettstreit vor Maria Stuart gesungen. Darin steht auch die Feengeschichte Kilmeny. Mit dieser Sammlung begründete Hogg seinen Dichterruhm. 1815 überließ ihm der Duke of Buccleuch die Farm Altrive Lake am Yarrow fast pachtfrei auf Lebenszeit. 1816 folgte The Poetic Mirror, ein Band mit Parodien auf Dichter seiner Zeit.

Um 1821 übernahm er zusätzlich die größere Farm Mount Benger und erlitt dort schwere Verluste. 1822 erschien der Roman The Three Perils of Man, im Jahr darauf The Three Perils of Woman. Sein düsterer Roman The Private Memoirs and Confessions of a Justified Sinner von 1824 erzählt von einem engherzigen, scheinheiligen ultracalvinistischen Presbyterianer, der am Ende zum Brudermörder wird. Ende 1824 erschien das Epos Queen Hynde. Viele Kurzgeschichten veröffentlichte er im einflussreichen Blackwood's Magazine. Trotz einzelner Erfolge blieb Hogg in Geldnot.

1832 erschien A Queer Book, eine Sammlung von 26 meist erzählenden Gedichten. Im selben Jahr wurde Hogg bei einem Besuch in London gefeiert. Die auf zwölf Bände angelegten Altrive Tales brachten ihm nichts ein: der Verleger machte nach dem ersten Band Bankrott, der 1832 samt Hoggs Autobiographie erschienen war. Seine letzte Veröffentlichung waren die Tales of the Wars of Montrose in drei Bänden, 1835. Im selben Jahr, am 21. November 1835, starb er arm auf seiner Farm Altrive Lake.


Literarische Merkmale↑

Aus den Sagen und Liedern seiner Heimat bezog Hogg den Grundton seines Dichtens. Die alten schottischen Volksballaden, die er für Walter Scott mitsammelte, wirkten unmittelbar auf seine eigenen Gedichte zurück. Dabei bediente er sich zweier Sprachen: des Englischen und des Scots.

Als Stärken gelten seine große Treue der Beobachtung, die wirksame Wiedergabe des Beobachteten und eine hohe Musikalität der Sprache. Zugleich haften seinen Texten Mängel an, die aus seiner ungleichmäßigen Bildung herrühren. Die Qualität seiner Prosa schwankt erheblich.

Bemerkenswert ist die Spannweite seiner Töne. Auf der einen Seite stehen Feengeschichten wie Kilmeny, auf der anderen ein so düsterer Roman wie The Private Memoirs and Confessions of a Justified Sinner mit seinen phantastisch-surrealistischen und modernen Zügen. Dazu kommt der Hang zur Parodie: The Poetic Mirror parodiert Dichter seiner Zeit.


Rezeption↑

Zu Lebzeiten hatte Hogg einzelne Erfolge, ohne aus der Geldnot herauszukommen. Seinen Dichterruhm begründete The Queen's Wake. Im Vergleich mit seinem Landsmann Robert Burns wurde seine dichterische Bedeutung geringer eingeschätzt.

Ein besonderes Nachleben hatte der Roman The Private Memoirs and Confessions of a Justified Sinner. Er sollte noch Robert Louis Stevensons The Master of Ballantrae beeinflussen, geriet aber selbst in Vergessenheit.

Neue Ausgaben seiner Werke besorgte Thomas Thompson unter dem Titel Poems and Life, erschienen 1874 in zwei Bänden in Edinburgh. Seine Tochter Mary Gray Garden gab 1884 in London die Memorials of James Hogg, the Ettrick Shepherd heraus. Eine Auswahl seiner Gedichte brachte D. D. Mack 1970 erneut heraus.

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