Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Ludvig Holberg
Eingang · Autoren · Ludvig Holberg
Porträt Ludvig Holberg
Ludvig Holberg
1684 – 1754
– Autorenporträt –

Ludvig Holberg

1684 – 1754 · 69 Jahre

Dänisch-norwegischer Dichter und Aufklärer, dessen satirischer Roman „Niels Klims unterirdische Reise“ rasch durch ganz Europa übersetzt wurde.

Kurzporträt

Als dänisch-norwegischer Dichter gehört Ludvig Holberg zu den prägenden Gestalten der Aufklärung im Norden Europas. Geboren wurde er am 3. Dezember 1684 (nach gregorianischem Kalender dem 13. Dezember) in Bergen. Später wirkte er vor allem in Kopenhagen, wo er am 28. Januar 1754 starb. Er war als Dramatiker, Historiker und Schriftsteller tätig. Unter anderem schrieb er den satirischen Roman Niels Klims unterirdische Reise, der rasch in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt wurde. Bis heute beanspruchen ihn sowohl Norwegen als auch Dänemark für sich. Sein Name lebt in Denkmälern, Preisen und musikalischen Bearbeitungen fort.


Biografie

Geboren wurde Holberg 1684 in Bergen als jüngster von sechs Kindern. Sein Vater, Oberstleutnant Christian Nielsen Holberg (um 1620–1686), soll mehrere Jahre in venetianischen und maltesischen Kriegsdiensten gestanden haben. Gegen Ende der 1650er Jahre kehrte er zurück, um am Krieg gegen die Schweden teilzunehmen. 1667 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Die Mutter Karen Lem (1647–1695) war Tochter des Pfarrers in Fana bei Bergen. Als der Vater 1686 starb, hinterließ er eine Witwe mit drei älteren Töchtern und drei jüngeren Söhnen.

Ludvig besuchte wahrscheinlich zunächst eine deutsche Schule. Ab 1694 besuchte er die Bergen katedralskole. Nachdem die Mutter 1695 bei einer Epidemie gestorben war, löste sich die Familie auf, und die Kinder kamen bei verschiedenen Familien unter. Ludvig lebte zunächst ein oder zwei Jahre bei einem Vetter seiner Mutter, dem Pfarrer Otto Munthe in Fron im Gudbrandsdalen. Danach wohnte er während seiner restlichen Schulzeit bei seinem Onkel und Vormund Peder Lem in Bergen. Latein war Hauptfach. Lernziel war, sich auf Latein mit gelehrten Männern unterhalten zu können. Auch der Musik galt große Aufmerksamkeit, es gab ein Schulorchester. Am 19. Mai 1702 wurde Bergen durch einen Großbrand in Schutt und Asche gelegt.

Holberg ging nach Kopenhagen, bestand das Studentenexamen und wurde immatrikuliert. Im Herbst desselben Jahres starb sein Onkel in Bergen, und Ludvig erhielt das Erbe. Er studierte Philosophie und Theologie und legte 1704 das vorbereitende Examen philosophicum ab. Es umfasste Grundkenntnisse in Griechisch, Latein, Hebräisch, Logik, Philosophie, Ethik, Physik, Geographie und Astronomie. Danach kehrte er nach Bergen zurück und wurde Hauslehrer beim neuen Pfarrer in Fana. Nach einer Weile verkaufte er das ererbte Land und reiste in die Niederlande. Dort konnte er sich seinen Unterhalt jedoch nicht verdienen und kehrte zurück. Er zog nach Kristiansand und arbeitete erneut als Hauslehrer.

Im Frühjahr 1706 fuhr er nach Oxford. Dort verfolgte er ein klares Ziel: Er wollte eine populärwissenschaftliche Einführung in Geographie und Geschichte verfassen und nutzte dafür die große Bibliothek. Hier wurde er mit den Schriften von Samuel von Pufendorf, Hugo Grotius und John Locke bekannt. Als er 1708 nach Kopenhagen reiste, hatte er das Manuskript aller Wahrscheinlichkeit nach bereits größtenteils fertiggestellt. Er wurde Hauslehrer der Kinder des Geheim- und Admiralitätsrats Admiral Fr. Giedde, eines der mächtigsten Männer des Landes. Von 1709 bis 1713 hatte er einen Freiplatz in „Borchs Kollegium“. Auch Christian Reitzer nahm sich seiner an. Dieser besaß eine große Bibliothek, war neuen Richtungen in Wissenschaft und Moralphilosophie aufgeschlossen, antidogmatisch eingestellt und sah in der Gedankenfreiheit das höchste Ziel der Ausbildung. Er hatte im Ausland Naturrecht studiert.

Nach seiner wissenschaftlichen Laufbahn und schriftstellerischen Tätigkeit zog sich Holberg in seinen letzten Lebensjahren auf sein Landgut Tersløse (Tersløsegaard bei Dianalund auf Seeland in Dänemark) zurück. 1753 wurde er bettlägerig und starb in der Nacht zum 28. Januar 1754. Er blieb unverheiratet.


Literarische Merkmale

Geprägt war Holbergs Schreiben von der satirischen Form und vom Geist der Aufklärung. Sein bekanntester Roman, Niels Klims unterirdische Reise, erschien zunächst in lateinischer Sprache – ein Zeichen für die gelehrte Bildung, die seinem Werk zugrunde liegt. In seinem Denken überschritt er die Grenzen seines Jahrhunderts nicht. Er betonte aber die soziale Geschichtsschreibung und machte auf Bewegungen aufmerksam, die einen neuen Geist ankündigten. Mit diesem Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge näherte er sich nach Einschätzung mancher Literarhistoriker in mancher Hinsicht moderner Geschichtsschreibung an.


Rezeption

Strittig blieb über die Person Holbergs hinweg die Frage seiner Herkunft: In Dänemark sprach man von „unserem Holberg“, während die Norweger Wert darauf legten, dass er Norweger gewesen sei. Sein satirischer Roman Niels Klims unterirdische Reise von 1741 wurde sehr bald in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt. Ins Deutsche geschah dies bereits ab 1741, darunter die Übersetzung von Wilhelm Christhelf Sigmund Mylius 1788. In Bergen wurde ihm 1884 das Holberg-Denkmal gesetzt, 1976 ein Merkurkrater nach ihm benannt. Seit 2004 vergibt die norwegische Universität Bergen den Holberg-Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften. Seine kulturelle Ausstrahlung zeigt sich auch in der Musik: Der norwegische Komponist Edvard Grieg schuf zu Holbergs 200. Geburtstag die Suite „Aus Holbergs Zeit“ (op. 40). Diese Komposition „im alten Stil“ entstand zunächst als Klavierwerk und wurde später für Streichorchester bearbeitet.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (30 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten