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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Frances Hodgson Burnett
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Porträt Frances Hodgson Burnett
Frances Hodgson Burnett
1849 – 1924
– Autorenporträt –

Frances Hodgson Burnett

1849 – 1924 · 74 Jahre

Britisch-amerikanische Erzählerin, die mit „Der kleine Lord“, „Sara, die kleine Prinzessin“ und „Der geheime Garten“ drei Kinderbücher schuf, die bis heute immer wieder verfilmt werden.

Kurzbiografie↑

Frances Hodgson Burnett wurde 1849 in Manchester geboren und starb 1924 in der Nähe von New York. Als junges Mädchen kam sie mit ihrer Familie nach Amerika und begann dort, für Zeitungen zu schreiben. Bekannt und geliebt wurde sie vor allem für drei Kinderbücher: Der kleine Lord, Sara, die kleine Prinzessin und Der geheime Garten. Alle drei wurden mehrfach verfilmt, von Stummfilmzeiten bis in die Gegenwart. Daneben schrieb sie zahlreiche Romane und Erzählungen für Erwachsene sowie Stücke für die Bühne.


Biografie↑

Geboren wurde Frances Eliza Hodgson am 24. November 1849 in Manchester. Ihr Vater war Goldschmied. Nach seinem Tod wanderte die Familie 1865 in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in Knoxville im Bundesstaat Tennessee nieder. Dort begann die junge Frau, für amerikanische Zeitungen zu schreiben. Aus dieser Zeitungsarbeit erwuchs eine lebenslange schriftstellerische Laufbahn.

Erste Buchveröffentlichungen erschienen in den 1870er Jahren, darunter That Lass o'Lowries und Theo, beide 1877. 1873 heiratete sie Dr. Swan Burnett. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Lionel und Vivian, geboren 1874 und 1876. Der ältere Sohn Lionel starb 1890. 1898 wurde die Ehe geschieden.

Im Februar 1900 heiratete Burnett Stephen Townsend. Auch diese Ehe hielt nicht: Zwei Jahre später ließ sie sich erneut scheiden. Nach 1901 lebte sie auf Long Island und auf Bermuda. In diesen Jahren wandte sie sich verstärkt dem Christentum, der Gartenarbeit und spirituellen Fragen zu. Die Gartenarbeit ist auch in ihrem Werk zu greifen, etwa in dem Buch Der geheime Garten von 1911 und in der kleinen Schrift My Robin aus dem Jahr darauf.

Ihre Bücher erschienen über Jahrzehnte in dichter Folge. 1886 kam Der kleine Lord heraus, das Buch, das ihren Namen bis heute trägt. 1888 folgte die Erzählung Sara Crewe, die sie später zu dem Roman Sara, die kleine Prinzessin erweiterte. Daneben schrieb sie für ein erwachsenes Publikum, etwa Through One Administration (1881), A Lady of Quality (1896) und Das verfallene Herrenhaus. 1893 legte sie mit The One I Knew the Best of All eine Erinnerung an ihre eigene Kindheit vor.

Burnett arbeitete auch für das Theater. Zusammen mit William Gillette entstand 1881 das Stück Esmeralda. 1888 wurde The Real Little Lord Fauntleroy in London an Terry's Theatre gespielt, 1891 The Showman's Daughter am Royalty Theatre. Wikidata führt sie deshalb nicht nur als Romanautorin und Verfasserin von Kurzgeschichten, sondern auch als Dramatikerin; die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet sie schlicht als Schriftstellerin.

Zu ihren späten Büchern gehören Little Hunchback Zia (1916), The White People (1917) und der Roman Lord Coombe von 1922, den sie im selben Jahr mit Robin fortsetzte.

Wenige Wochen vor ihrem 75. Geburtstag starb Frances Hodgson Burnett am 29. Oktober 1924 in ihrem Haus „Fairseat“ in Plandome auf Long Island, wo sie die letzten siebzehn Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Manche Nachschlagewerke runden den Sterbeort vereinfachend auf New York City oder Long Island City ab, doch die genauere Ortsangabe Plandome ist durch mehrere Quellen belegt.


Literarische Merkmale↑

Burnetts Bekanntheit ruht auf Büchern, die sich an Kinder richten und zugleich Erwachsene erreichen. In allen drei berühmten Erzählungen steht ein Kind im Mittelpunkt, dessen Lage sich von Grund auf wandelt: der amerikanische Junge, der plötzlich englischer Lord wird, das reiche Mädchen, das über Nacht mittellos dasteht, das verwaiste Kind, das einen verschlossenen Garten wieder zum Leben erweckt. Solche Wendungen vom Verlust ins Glück prägen ihr Erzählen.

Sie schrieb dabei nicht nur für junge Leser. Ihre Romane für Erwachsene spielen zwischen England und Amerika und greifen gesellschaftliche Themen auf, etwa in Through One Administration oder in Das verfallene Herrenhaus. Dass sie ihre Stoffe auch auf die Bühne brachte und Erzählungen später zu Romanen ausbaute, zeigt, wie beweglich sie mit dem eigenen Material umging: Aus Sara Crewe wurde so das Buch Sara, die kleine Prinzessin.

Auffällig ist auch, wie stark ihre späteren Lebensinteressen in die Bücher einfließen. Der Garten ist bei ihr kein bloßer Schauplatz, sondern der Ort, an dem Kinder gesunden und wieder Mut fassen.


Rezeption↑

Ihre drei Kinderbücher haben sich über mehr als ein Jahrhundert gehalten. Der kleine Lord wurde immer wieder verfilmt, unter anderem 1921, 1936, 1962 und 1980. Sara, die kleine Prinzessin kam 1939 und 1995 ins Kino und wurde 1985 als japanische Zeichentrickserie erzählt. Der geheime Garten erlebte Verfilmungen 1949, 1993 und zuletzt 2020.

Auch im deutschen Sprachraum ist Burnett seit dem 19. Jahrhundert präsent. Bereits 1878 erschienen erste Übersetzungen, darunter Unser Nachbar von drüben und Klein Käthchen. Manche Titel liefen unter wechselnden deutschen Namen, so wurde aus A Little Princess je nach Ausgabe Sara, die kleine Prinzessin oder Die Lumpenprinzessin. Bis in die jüngste Zeit erscheinen neue Übertragungen, etwa In The Closed Room 2021 und Miss Defarge 2022.

Ihre Werke sind heute in Digitalisierungsprojekten frei zugänglich, im deutschen Projekt Gutenberg ebenso wie im englischsprachigen Project Gutenberg, dazu als freie Hörbücher bei LibriVox. Damit gehört sie zu jenen Autorinnen des 19. Jahrhunderts, deren Bücher nie aus dem Umlauf verschwunden sind.

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