1759 – 1796
Robert Burns
Kurzbiografie↑
Zu den schottischen Nationaldichtern zählt Robert Burns, geboren am 25. Januar 1759 in Alloway in der Grafschaft Ayrshire und gestorben am 21. Juli 1796 in Dumfries. Neben Walter Scott gilt er als literarische Stimme seines Landes. Er schrieb zahlreiche Gedichte, politische Texte und Lieder, viele davon in seinem heimatlichen Dialekt Scots. Sein bekanntestes Lied ist Auld Lang Syne, das zum festen Bestandteil der britischen Tradition geworden ist. Bis heute genießt Burns in seiner Heimat große Verehrung, die sich alljährlich am 25. Januar im Burns Supper zeigt.
Biografie↑
Aus einfachen Verhältnissen stammend, kam Robert Burns als ältester Sohn des Gärtners und Bauern William Burns und dessen Ehefrau Agnes Broun zur Welt. Er hatte sechs Geschwister und war ein Cousin des Entdeckungsreisenden Alexander Burnes. Obwohl er nur der Sohn eines einfachen Landwirts und Pächters war, sorgte der Vater dafür, dass er eine sehr gute Bildung erhielt. Von seiner Mutter lernte Burns die traditionellen Märchen und Sagen seiner Heimat kennen. Bereits in der Kindheit zog er sich durch zu schwere körperliche Arbeit und unzureichende Ernährung einen Herzfehler zu.
Ab seinem siebten Lebensjahr besuchte Burns die Grammar School in Ayr. Zu seinen Schulbüchern gehörten die Bibel und eine Sammlung von Prosa und Versen englischer Autoren; besonders beeindruckte ihn Joseph Addison. Auch die Lebensbeschreibungen Hannibals und Sir William Wallaces las er in dieser Zeit. Im Herbst 1765 pachteten seine Eltern das Anwesen Mount Oliphant in der Nähe von Alloway. Weil keine Schule in der Nähe lag, übernahm nun der Vater die Erziehung und legte großen Wert auf die Naturwissenschaften. Später ermöglichte man Burns einen spärlichen Besuch der Parish School of Dalrymple, wo ihn nach eigener Aussage die Lektüre von Samuel Richardson und Tobias Smollett begeisterte. Ab 1773 besuchte er die Lateinschule in Ayr und lernte dort mit seinem Bruder Gilbert Französisch, Latein und Mathematik. In diesen Jahren entdeckte er die Werke von Alexander Pope und William Shakespeare. Als er sich im folgenden Jahr verliebte, begann er mit ersten eigenen lyrischen Versuchen.
Mit 19 Jahren wechselte Burns 1778 auf die Schule von Kirkoswald. Neben dem Unterricht arbeitete er auf dem väterlichen Anwesen und verfasste Auftragsgedichte für Geburtstage und Hochzeiten. Am 11. November 1780 gründete er mit Freunden den Tarbolton Bachelor's Club, einen der ältesten schottischen Debattierclubs. Nach einem Streit mit dem Vater verließ er 1781 den Betrieb und versuchte sich in der Flachsverarbeitung im Ort Irvine. Als durch einen Unfall Haus und Werkstatt abbrannten, geriet er in Konkurs. Als sein Vater am 22. Mai 1784 starb, übernahm Burns mit seinem Bruder Gilbert einen kleinen Hof in Mossgiel bei Mauchline. Dort zerstörte er einmal beim Pflügen ein Mäusenest – der Anlass für sein bekanntes Gedicht To A Mouse von 1785, in dem sich sein Mitgefühl mit einer pessimistischen Zukunftserwartung mischt.
Fehlender wirtschaftlicher Erfolg und mehrere Missernten ließen Burns über eine Auswanderung nachdenken. Er wollte gerade eine Anstellung als Verwalter einer Plantage auf Jamaika annehmen, als sein lyrisches Debüt von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen wurde. Mitte 1784 ging er nach Edinburgh und blieb dort über ein Jahr. In den Salons und Gesellschaften wurde er bewundert und herumgereicht und knüpfte Kontakte, die spätere Veröffentlichungen erleichterten. Seine erste kleine Anthologie, die Kilmarnock-Ausgabe der Poems chiefly in the Scottish dialect, gilt als sein wohl wichtigstes Werk. Er ließ sie 1786 in Edinburgh auf Subskription drucken; sie brachte ihm einen Reingewinn von 20 Pfund Sterling. In diesen Gedichten besang er immer wieder Mary Campbell, ein Milchmädchen des nahen Schlosses Montgomery. Nach ihrem frühen Tod hatte Burns ein Verhältnis mit Jean Armour, deren Vater als strenger Anhänger des Calvinismus die Verbindung zunächst verbot.
Am 22. Mai 1785 brachte die Magd Elizabeth Paton seine Tochter Elizabeth zur Welt; Burns weigerte sich, Paton zu heiraten. Später konnte er Jean Armour, die ihm inzwischen Zwillinge geboren hatte, doch noch näherkommen, da ihr Vater die Beziehung nicht mehr ablehnte. 1789 pachtete Burns ein Gut bei Dumfries namens Ellisland Farm, das sich in unfertigem Zustand befand. Häufige Besuche und Zerstreuungen nahmen ihn stark in Anspruch, sodass er die Pacht schon nach dreieinhalb Jahren mit großem Verlust aufgeben musste. Durch Vermittlung von James, Earl von Glencairn, erhielt er das Amt eines Steueraufsehers, das ihm jährlich 70 Pfund Sterling einbrachte, seiner Neigung aber wenig entsprach. Trotzdem schrieb er weiterhin viele Lieder und politische Aufsätze für die Tageszeitungen. Die Ereignisse der Französischen Revolution begeisterten ihn so sehr, dass man in ihm schon einen Jakobiner sah. Diese Haltung kostete ihn viele Freunde und alle seine Gönner, zumal er auch als Anhänger des Hauses Stuart galt.
Aufgrund seines unsteten Lebens und der gesundheitlichen Probleme aus der Kindheit wurde Burns oft krank, und häufiger Alkoholkonsum hinderte ihn zunehmend an der Arbeit. Ein Kuraufenthalt in einem benachbarten Seebad brachte nicht die erhoffte Genesung. Im Alter von 37 Jahren starb er am 21. Juli 1796 in Dumfries an einer Infektion, die wahrscheinlich als Komplikation nach einer Zahnextraktion auftrat. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof der St Michael's Church in Dumfries, wo sich das Burns' Mausoleum befindet. In seinem letzten Wohnhaus, in dem er auch starb, ist heute ein Museum eingerichtet.
Literarische Merkmale↑
Selbstempfundenes und Selbsterlebtes durchzieht das gesamte Werk von Burns. Seine Gedichte spiegeln abwechselnd seine Freuden und Schmerzen, seine kindlichen Hoffnungen und seine Liebesneigungen als junger Mann. Immer wieder besingt er seine treue Anhänglichkeit an das Hochland und an die Freiheit, aber auch sein Unbehagen gegenüber gesellschaftlichen Zwängen. Charakteristisch ist die enge Verbindung von natur- und umweltbezogenen mit moralischen Reflexionen, wie sie sich etwa in To A Mouse zeigt. Viele seiner Verse verfasste er in seinem heimatlichen Dialekt Scots. Neben der Lyrik zeichnete sich Burns auch in der Prosa aus, in Briefen und kleinen politischen Schriften.
Rezeption↑
Großen Einfluss übte Burns nicht nur auf die englischsprachige, sondern auch auf die kontinentaleuropäische Literatur aus. George Gordon Byron, Thomas Moore, Walter Scott, Percy Bysshe Shelley und die Seeschule sahen in ihm ein Vorbild. Ferdinand Freiligrath verfasste 1848 sein Gedicht Trotz alledem als Adaption von Burns' A Man's a Man for A' That; dieses wurde 1976 wiederum vom Sänger Hannes Wader bearbeitet. Viele Folk- und Folkrockbands der 1960er und 1970er Jahre interpretierten Dichtungen und Lieder von Burns, darunter Steeleye Span, Tri Yann und Jethro Tull.
Berühmt ist das von ihm getextete Lied Auld Lang Syne, das traditionell zum Jahreswechsel gesungen wird. Auch der Text des schottischen Volksliedes The Banks o'Doon stammt von ihm. James Currie gab 1800 eine Werkausgabe heraus, um Burns' Witwe und Kinder zu unterstützen. Da diese Sammlung vielen als lückenhaft erschien, veröffentlichte Robert H. Cromek 1808 seine Reliques of Robert Burns. Auch in Deutschland fand Burns bald eine Leserschaft: Karl Bartsch, Heinrich Julius Heintze, Philipp Kaufmann, Adolf Laun und Georg Pertz gehörten zu den ersten Übersetzern. Noch im 20. Jahrhundert wirkte er nach: Jerome David Salingers Roman Der Fänger im Roggen von 1951 zitiert eine Zeile aus dem Gedicht Comin' Thro' the Rye. Der Protagonist Holden Caulfield deutet die Zeile falsch und leitet daraus die Vorstellung spielender Kinder in einem Roggenfeld ab, die er vor dem Absturz ins Erwachsenwerden bewahren möchte.
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