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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Scots Wha Hae
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Cover Scots Wha Hae
Scots Wha Hae
1794
– Werkseintrag –

Scots Wha Hae

1794 · Lyrik

Ein Lied, in dem König Robert the Bruce seine Krieger vor der Schlacht bei Bannockburn zwischen Knechtschaft und Freiheit wählen lässt – über Jahrhunderte war es Schottlands inoffizielle Hymne.

Überblick↑

Das Lied Scots Wha Hae zählt zu den bekanntesten patriotischen Gesängen Schottlands. Robert Burns verfasste den Text 1793 in einer Mischung aus der schottischen Sprache Scots und dem Englischen. Der Titel bedeutet sinngemäß „Schotten, die ihr …“. Über Jahrhunderte diente das Lied als inoffizielle Nationalhymne des Landes. In jüngerer Zeit wurde es weitgehend von den Liedern „Scotland the Brave“ und „Flower of Scotland“ verdrängt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Das Lied ist als Rede gestaltet, die der schottische König Robert the Bruce vor seinen Kriegern hält. Der Anlass ist die Schlacht bei Bannockburn im Jahr 1314, ein entscheidendes Ereignis der schottischen Unabhängigkeitskriege. Bruce wendet sich an seine Landsleute, ruft die Erinnerung an frühere Kämpfe wach und stellt sie vor eine folgenschwere Entscheidung.

In wenigen kraftvollen Strophen spannt der Text einen Bogen von der Vergangenheit zur bevorstehenden Schlacht. Die Anrede appelliert an Freiheitswillen und Zusammenhalt und stellt der Aussicht auf Unterdrückung den Gedanken an ein freies Land gegenüber. Wie der König seine Männer schließlich aufruft und worauf die Rede zusteuert, entfaltet sich im Verlauf des Liedes.

Die Handlung im Detail↑

Der Text ist als Ansprache Robert the Bruces unmittelbar vor der Schlacht bei Bannockburn 1314 angelegt. Zu jener Zeit kämpften die Schotten in den Unabhängigkeitskriegen um ihre Freiheit von England. Bruce erinnert seine Krieger an William Wallace, unter dem viele Schotten gefallen waren, und ruft die gemeinsame Vergangenheit des Widerstands auf.

Der König stellt seinen Männern die Lage schonungslos vor Augen: die drohende Knechtschaft auf der einen Seite, die Freiheit auf der anderen. Er fordert jeden Einzelnen auf, sich zu entscheiden – zwischen Flucht und Kampf, zwischen Unterwerfung und dem Einsatz des eigenen Lebens. Wer bereit ist, für die Freiheit zu fallen, soll ihm folgen. Die Rede steigert sich zu einem Aufruf, die Feinde zu schlagen und die Ketten der Unterdrückung zu zerbrechen, damit das Land in Freiheit bestehen kann.

Burns legte den Text der überlieferten schottischen Melodie „Hey Tuttie Tatie“ unter. Der Überlieferung nach soll diese Weise Bruces Heer bei Bannockburn begleitet haben. Dieselbe Melodie soll 1429 das französisch-schottische Heer bei der Belagerung von Orléans vor Jeanne d'Arc gespielt haben; in Frankreich trägt sie den Namen „Marche des soldats de Robert Bruce“ und erinnert an die alte Verbindung zwischen Frankreich und Schottland.

Stil↑

Kennzeichnend ist die Mischung zweier Sprachen: Burns verwendet sowohl das schottische Scots als auch das Englische. Der Text ist nicht als Bericht, sondern als unmittelbare Rede gestaltet – der König spricht seine Krieger direkt an. Diese Anredeform verleiht dem Lied Eindringlichkeit und Schwung.

Die Verse sind knapp und wuchtig gebaut und stellen einfache, klare Gegensätze nebeneinander: Freiheit gegen Knechtschaft, Kampf gegen Flucht. Untrennbar mit dem Text verbunden ist die Melodie „Hey Tuttie Tatie“. Sie wird meist als langsame Weise gespielt, doch manche Bearbeitungen wählen ein rascheres Tempo. Als George Thomson das Lied 1799 herausgab, bevorzugte er zunächst die Melodie „Lewie Gordon“ und ließ Burns dafür die vierte Zeile jeder Strophe erweitern. In der Ausgabe von 1802 wurden der ursprüngliche Text und die ursprüngliche Melodie wiederhergestellt.

Rezeption↑

Über Jahrhunderte galt das Lied als inoffizielle Hymne Schottlands, ehe es allmählich von „Scotland the Brave“ und „Flower of Scotland“ abgelöst wurde. Burns schickte den Text Ende August 1793 an seinen Verleger George Thomson, zunächst unter dem Titel „Robert Bruce's March To Bannockburn“. In einer Nachschrift verwies er auf Bruces „glorreichen Freiheitskampf“, verbunden mit dem Gedanken an andere Kämpfe ähnlicher Art. Darin sieht man einen versteckten Hinweis auf die radikale Reformbewegung seiner eigenen Zeit, insbesondere auf den Prozess gegen den Glasgower Anwalt Thomas Muir. Burns war bewusst, dass ihn ein offenes Bekenntnis zu republikanischen und radikalen Ansichten in Gefahr bringen konnte. Als er 1794 der Zeitung Morning Chronicle den Abdruck gestattete, geschah dies unter der Bedingung, das Lied als zufällig aufgefundenes und ihm unbekanntes Stück auszugeben.

Die New York Times nannte das Lied 1881 in einer Besprechung überaus rühmend und beschrieb, wie es nach der Verbindung von Burns' Text mit der Melodie „Hey Tuttie Tatie“ laut und triumphierend durch das Land zog. Die Weise wirkte auch in der Kunstmusik nach: Der deutsche Komponist Max Bruch verarbeitete sie 1880 im vierten Satz seiner Schottischen Fantasie, und der französische Militärmusiker Léonce Chomel bearbeitete sie für Blasorchester. Das Lied wurde zudem zum Parteilied der Scottish National Party und beschloss lange Zeit deren jährliche Konferenz.

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