1911
Der geheime Garten
Überblick↑
Der Kinder- und Jugendroman Der geheime Garten von Frances Hodgson Burnett erschien 1911 in Großbritannien unter dem Titel The Secret Garden. Die britische Ausgabe kam beim Verlag Heinemann heraus, illustriert von Charles Robinson. In den USA veröffentlichte die Frederick A. Stokes Company das Buch mit Illustrationen von Maria Louise Kirk. Die deutsche Erstausgabe erschien 1947 beim Pattloch-Verlag. Erzählt wird von einem verwaisten Mädchen, das auf einem abgelegenen englischen Gut einen seit Jahren verschlossenen Garten entdeckt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Das Mädchen Mary Lennox wächst in Indien auf, von einem Kindermädchen versorgt und von den Dienern verzogen. Ihre Eltern beachten sie kaum. Als eine Choleraepidemie ausbricht, verliert sie ihre Familie und steht allein da. Man bringt sie nach England zu ihrem Onkel Archibald Craven, der nun ihr Erziehungsberechtigter ist. Sein Gut Misselthwaite in Yorkshire ist riesig und still.
Der Onkel kümmert sich ebenso wenig um Mary wie zuvor ihre Eltern. Er ist selten zu Hause und sorgt nur dafür, dass es ihr an nichts fehlt. Das Hausmädchen Martha soll sich um sie kümmern. Weil es keine Spielsachen gibt und Mary die große Bibliothek in dem weitläufigen Haus nicht findet, bleibt ihr nur das Spiel im Freien. Die frische Luft bekommt ihr gut.
Beim Umherstreifen stößt Mary auf ein verschlossenes, überwuchertes Tor in einer Mauer. Dahinter liegt ein Garten, der seit zehn Jahren niemandem mehr offensteht. Und im Haus selbst gibt es noch ein zweites Geheimnis, das die Angestellten vor ihr verbergen.
Die Handlung im Detail↑
In Indien wird Mary Lennox von einem Kindermädchen aufgezogen. Ihre Eltern beachten sie nicht, die Diener verwöhnen sie. So wächst ein kränkliches, hässliches und selbstsüchtiges Kind heran. Eine Choleraepidemie tötet sowohl Marys Eltern als auch ihr Kindermädchen. Die Waise wird zu ihrem Onkel Archibald Craven nach England gebracht, auf dessen Gut Misselthwaite. Über ihn heißt es, er sei sehr böse und gemein.
Die Fahrt von London nach Misselthwaite tritt Mary in der Obhut von Mrs. Medlock an, der Haushälterin des Hauses. Zwischen den beiden entsteht rasch eine gegenseitige Abneigung. Auf dem Gut angekommen, erlebt Mary ihren Onkel ähnlich wie zuvor ihre Eltern: Er ist selten da und zeigt kein Interesse an ihr, sorgt aber dafür, dass sie alles Nötige hat. Das Hausmädchen Martha übernimmt die Betreuung.
Weil Spielsachen fehlen und Mary die große Bibliothek im riesigen Haus nicht findet, bleibt ihr nur das Draußensein. Die frische Luft tut ihr gut. Allmählich wird aus dem verzogenen Kind ein hübsches und freundliches Mädchen. Eines Tages entdeckt sie beim Umherlaufen ein verschlossenes und überwuchertes Tor in einer Mauer. Dahinter liegt ein geheimer Garten, seit zehn Jahren zugesperrt. Mr. Craven hatte ihn einst gemeinsam mit seiner Frau angelegt. Nach ihrem Tod ließ er ihn verschließen und verwildern. Heimlich beginnt Mary, sich um den Garten zu kümmern, gemeinsam mit Dickon, dem Bruder Marthas.
In einer stürmischen Nacht entdeckt Mary ihren Cousin Colin, den Sohn Mr. Cravens, den die Angestellten vor ihr verborgen gehalten haben. Alle glauben, der Junge werde bald sterben, deshalb erfüllt man ihm jeden Wunsch. Aus ihm ist ein verzogener Bengel geworden. Sein Vater will nichts von ihm wissen, weil der Junge ihn zu sehr an die geliebte verstorbene Frau erinnert. Mary freundet sich mit Colin an, sagt ihm aber auch gehörig die Meinung.
Mit Marys Hilfe lernt Colin laufen, obwohl man ihn bisher für gelähmt hielt. Sie erzählt ihm vom geheimen Garten, und er will ihn sehen. Zu dritt tollen Mary, Colin und Dickon dort herum, pflegen die Pflanzen und machen Turnübungen. Im Haus dagegen spielt Colin weiter den Todkranken: Er will seinen Vater bei dessen Rückkehr damit überraschen, dass er gehen kann. Schließlich bricht Mr. Craven seine lange Reise ab und kehrt nach Misselthwaite zurück, veranlasst durch einen Traum und einen Brief von Dickons Mutter. Im Garten trifft er auf seinen Sohn. Gemeinsam gehen die beiden zurück zum Gutshaus.
Stil↑
Der Roman folgt durchgehend der Sicht des Kindes und lässt den Leser dieselben Entdeckungen machen wie Mary: das fremde Haus, die Moorlandschaft Yorkshires, das verborgene Tor. Erzählt wird schlicht und anschaulich, in einer Sprache, die Kinder unmittelbar erreicht. Die Handlung ist eng an die Jahreszeiten gebunden. Wie der verwilderte Garten unter den Händen der Kinder wieder zu blühen beginnt, so ändern sich auch die Kinder selbst. Diese Entsprechung von Garten und Gemüt trägt das ganze Buch. Ursprünglich erschien der Text als Fortsetzungsgeschichte, was die überschaubaren, in sich geschlossenen Kapitel erklärt.
Rezeption↑
Das Buch zählt zu den bekanntesten Kinderromanen der englischsprachigen Literatur und wird bis heute immer wieder neu aufgelegt. Besonders sichtbar wird seine Nachwirkung an der langen Reihe von Verfilmungen. Eine frühe Stummfilmfassung entstand unter der Regie von Gustav von Seyffertitz. Es folgten 1949 eine Verfilmung von Fred M. Wilcox, 1987 ein Fernsehfilm von Alan Grint sowie 1993 der Film von Agnieszka Holland. Zuletzt kam 2020 eine Fassung von Marc Munden in die Kinos.
Auch außerhalb des Kinos wurde der Stoff vielfach aufgegriffen. Es entstanden Fernsehserien, eine Anime-Serie und Bühnenfassungen, darunter ein dramatisch-musikalisches Werk. Im deutschen Sprachraum fand der Roman erst spät sein Publikum: Die deutsche Erstausgabe erschien 1947, mehr als drei Jahrzehnte nach dem englischen Original.
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