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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · John Bunyan
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Porträt John Bunyan
John Bunyan
– 1688
– Autorenporträt –

John Bunyan

– 1688 · 59 Jahre

Englischer Baptistenprediger, der aus dem Gefängnis heraus mit „The Pilgrim’s Progress“ eine der bekanntesten Allegorien des puritanischen Glaubens schuf.

Kurzbiografie↑

Als englischer Baptistenprediger und Schriftsteller gehört John Bunyan zu den prägenden Stimmen des puritanischen Christentums. Er wurde 1628 in Elstow bei Bedford geboren und starb 1688 in London. Aus einfachen Verhältnissen stammend, erlernte er zunächst das Handwerk des Kesselflickers, ehe ihn eine tiefe geistliche Krise zum Prediger werden ließ. Wegen seines Predigens außerhalb der Staatskirche verbrachte er viele Jahre im Gefängnis. Sein allegorisches Hauptwerk The Pilgrim’s Progress wurde nach seinem Erscheinen 1678 zu einem der bekanntesten Bücher der Weltliteratur.


Biografie↑

Bunyans genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert; belegt ist die Taufe am 30. November 1628 in Elstow bei Bedford. Er war der Sohn des Kesselflickers Thomas Bunyan und seiner Frau Margaret. Er hatte zwei jüngere Geschwister, erhielt eine einfache Schulausbildung und erlernte danach den Beruf seines Vaters. 1644 wurde er im englischen Bürgerkrieg Soldat der Parlamentsarmee. Während der zweieinhalb Jahre seiner Dienstzeit war er vor allem in Newport Pagnell stationiert. Vermutlich nahm er damals Einflüsse radikaler puritanischer Prediger auf.

Nach seiner Rückkehr nach Elstow 1647 arbeitete er wieder als Kesselflicker. In dieser Zeit durchlebte er eine tiefgreifende geistliche Krise und Bekehrung, die er später in seinem autobiographischen Werk Grace Abounding to the Chief of Sinners (1666) schilderte. Um 1653 schloss er sich durch die Gläubigentaufe im Fluss Ouse der Bedford Separatist Church an, einer Baptistengemeinde in Bedford. Bald darauf trat er selbst als Prediger auf.

Bereits 1648 hatte Bunyan geheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und zwei Söhne hervor. Der Familienname seiner ersten Frau ist unbekannt; ihr Vorname lautete wahrscheinlich Mary. Ihre Frömmigkeit prägte die religiöse Entwicklung ihres Mannes entscheidend. Etwa drei Jahre nach ihrem Tod heiratete er 1659 seine zweite Frau Elisabeth, die ihm die beiden Kinder Sarah und Joseph gebar.

Weil Bunyan sich nicht der anglikanischen Staatskirche unterstellte und das nach der Restauration der Stuart-Monarchie erlassene Predigtverbot für Nonkonformisten missachtete, wurde er 1660 bei Harlington während eines Gottesdienstes verhaftet. Die nächsten zwölf Jahre musste er im Gefängnis verbringen. Die Haft wurde offenbar in vergleichsweise liberaler Weise vollzogen: Bunyan konnte theologische Schriften verfassen, in geringem Umfang Geld für den Unterhalt seiner Familie verdienen und mitunter sogar an Treffen seiner Gemeinde teilnehmen. So wob er Strumpf- und Schuhbänder und schrieb zugleich mehrere literarische Werke, darunter sein Erbauungsbuch Grace Abounding to the Chief of Sinners. Die lange Trennung von Frau und Kindern, unter ihnen eine blinde Tochter, empfand er als den schwersten Teil einer Prüfung, die er um Christi willen auf sich zu nehmen glaubte.

Der Bischof von Lincoln entließ ihn 1672 aus der Haft. 1675 wurde Bunyan erneut wegen Missachtung des Predigtverbots für weitere sechs Monate inhaftiert. In dieser Zeit schrieb er vermutlich einen großen Teil seines Hauptwerks The Pilgrim’s Progress from This World to That Which Is to Come, einer allegorischen Darstellung des christlichen Glaubensweges. Nach der Erstveröffentlichung 1678 wurde das Buch zu einem der bekanntesten Werke der Weltliteratur. 1684 folgte ein zweiter Teil, der die Pilgerreise der Heldin Christiana schildert und auf der Ebene der äußeren Handlung ereignisärmer bleibt.

Um seine Freilassung sorgten sich die Quäker, obwohl Bunyan sie Jahre zuvor in Flugschriften heftig angegriffen hatte. Er warf ihnen vor, das „Innere Licht“ über die Bibel zu stellen. Der Schlagabtausch fand 1656–1657 statt; von Bunyan stammten dazu die Schriften Some Gospel-Truths Opened und A Vindication of Some Gospel-Truths Opened. Als der König die Quäker aufforderte, eine Liste zu begnadigender Gefangener anzufertigen, setzten diese neben die Namen ihrer Glaubensgeschwister auch den Namen Bunyans, der daraufhin ebenfalls begnadigt wurde.

Zu den rund sechzig Werken Bunyans zählt auch die fiktive Verbrecherbiographie The Life and Death of Mr. Badman (1680), in der das Leben eines Gottlosen in einen moralisierenden Dialog zwischen Erzähler und Zuhörer eingebettet ist. In A Book for Boys and Girls (1686) wandte er sich mit einer Sammlung emblematischer Lehrgedichte an Kinder. Sein Spätwerk The Holy War (1682) knüpft an die Tradition der mittelalterlichen Moralitätenspiele an.

Erst im letzten Jahr vor seinem Tod endeten die Verfolgungen, mit der Declaration of Indulgence von 1687 durch Jakob II., die den unterdrückten Religionsgemeinschaften grundlegende Freiheiten zurückgab. Bunyan starb am 31. August 1688 in London und wurde auf dem Dissenter-Friedhof Bunhill Fields bestattet, wo bis heute ein Gedenkstein an ihn erinnert.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Bunyans autobiographisches Schreiben ist eine wirkungsvolle Verknüpfung von persönlichem, bildsprachlichem und faktisch-dokumentarischem Ton. In seinem Bekehrungsbericht wendet er sich der Form nach an die eigene Familie, tatsächlich aber an die Gemeindeöffentlichkeit. Seine innere Not schildert er als Kampf mit Satan, den er zeitweilig in Gestalt von Tieren oder Gegenständen wahrnimmt.

Deutlich stärker literarisch und poetisiert ist The Pilgrim’s Progress. Hier verbindet Bunyan den Rahmen eines allegorischen Traumes mit einem Reisemotiv, so dass der innere Vorgang der Hinwendung des Menschen zu Gott als äußere Bewegung auf ein räumliches Ziel erscheint. Dabei greift er auf Märchen- und Romanzenmotive zurück: Der Teufel tritt nicht mehr als Busch oder Besen auf, sondern als imposanter Drache, den der Held Christian mit Gottes Hilfe im Zweikampf besiegt. An zentraler Stelle steht die allegorische Schilderung des Irdischen als Jahrmarkt der Eitelkeiten in der Stadt mit dem sprechenden Namen Vanity. Auch in seiner fiktiven Verbrecherbiographie verbindet Bunyan mehrere Darstellungsebenen und bietet dem Leser ein abschreckendes und zugleich unterhaltsames Bild von Lastern und Untaten.


Rezeption↑

Schon als Prediger übte Bunyan eine starke Anziehungskraft auf seine Zuhörer aus. Als Schriftsteller gewann er eine Beliebtheit, die bis weit in das 20. Jahrhundert andauerte. Sie liegt wesentlich darin begründet, dass sein bekanntestes Werk The Pilgrim’s Progress in Literaturwissenschaft und Kritik als eine der repräsentativsten Gestaltungen des puritanischen Weltbildes gilt, das die englische Kultur entscheidend mitgeprägt hat.

Auch sein Spätwerk The Holy War wirkte nach: Das Bild vom Christen, der dem Teufel als Soldat ein Stück seiner Macht entreißt, erwies sich nicht zuletzt während der imperialen Zeit Großbritanniens als einflussreich. Sein Werk wurde früh ins Deutsche übertragen; die Pilgerreise erschien hier in zahlreichen Ausgaben und Neuübersetzungen. Im evangelischen Namenkalender wird seiner am 31. August gedacht, im anglikanischen am 30. August.

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