1910 – 1942
Miguel Hernández
Kurzbiografie↑
Miguel Hernández zählt zu den bedeutenden spanischen Dichtern und Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Als Sohn eines Ziegenhirten wuchs er in einfachen Verhältnissen auf und eignete sich seine literarische Bildung weitgehend selbst an. Im Spanischen Bürgerkrieg stellte er sich mit seinen Versen auf die Seite der Republik. Nach Francos Sieg wurde er inhaftiert und starb 1942 mit nur 31 Jahren in Gefangenschaft. Er gilt als das einzige Mitglied der Generación del 27, das keiner gutbürgerlichen Familie entstammte.
Biografie↑
Geboren wurde Miguel Hernández Gilabert am 30. Oktober 1910 in Orihuela in der Provinz Alicante. Sein Vater, Miguel Hernández Sánchez, war Ziegenhirte, seine Mutter hieß Concepción Gilabert. Von seinen sechs Geschwistern starben drei früh. Die Mutter litt an chronischer Bronchitis und musste deshalb oft im Bett bleiben. Schon als Kind wurde Miguel selbst zum Ziegenhirten.
Seine Schulzeit blieb kurz. In den Jahren 1915/16 besuchte er die Schule Nuestra Señora de Monserrat, von 1918 bis 1923 das Lehrzentrum Amor de Dios. Im Jahr 1923 kam er an die von Jesuiten geleitete Schule Santo Domingo de Orihuela. Man bot ihm ein Stipendium zur Fortsetzung seiner Ausbildung an, doch sein Vater lehnte ab, weil er die Hilfe des Sohnes bei der Arbeit brauchte. Mit vierzehn Jahren musste Miguel die Schule verlassen. Seine Begeisterung für Literatur war jedoch so groß, dass er viel Zeit in Bibliotheken verbrachte und dort die großen Autoren des Siglo de Oro studierte, darunter Cervantes, Lope de Vega, Calderón de la Barca und Luis de Góngora. Während seiner kurzen Schulzeit lernte er José Marín Gutiérrez kennen, der sich Ramón Sijé nannte und später eine wichtige Rolle in seinem Leben spielte. Im Jahr 1929 erschien in der Lokalzeitung El Pueblo sein erster Artikel.
Im Jahr 1932 reiste Hernández zum ersten Mal nach Madrid, zunächst ohne großen Erfolg. Bei einem zweiten Aufenthalt in der Hauptstadt schloss er Bekanntschaft mit den Dichtern Pablo Neruda und Vicente Aleixandre. Fünf Jahre später heiratete er Josefina Manresa, eine Frau aus seiner Heimatstadt. Ihr erster Sohn kam bald zur Welt, starb aber schon 1938. Hernández schrieb Gedichte sowohl für den verstorbenen Sohn als auch für seinen zweiten, 1939 geborenen Sohn.
Seit Anfang 1936 war Hernández Mitglied der Kommunistischen Partei Spaniens. Auslöser war ein Vorfall bei einem Spaziergang nahe Madrid: In Begleitung der Malerin Maruja Mallo, aber ohne Ausweispapiere, wurde er von der Guardia Civil verprügelt und auf die Wache verschleppt, worauf sich zahlreiche Schriftsteller für ihn einsetzten. Die Guardia Civil hasste er fortan. Während des Spanischen Bürgerkriegs kämpfte er für kurze Zeit im 5. Regiment auf Seiten der Republikaner. Mit seinem Gedichtband Viento del pueblo von 1937 wurde er zu einem wichtigen Dichter des Freiheitskampfes. Im Sommer 1937 nahm er am 2. Internationalen Kongress antifaschistischer Autoren teil und reiste danach für kurze Zeit in die Sowjetunion.
Im April 1939 erklärte Franco den Bürgerkrieg für beendet. Hernández versuchte, nach Portugal zu fliehen, wurde aber kurz hinter der Grenze bei Huelva von der portugiesischen Polizei festgenommen und an die spanische Guardia Civil ausgeliefert. Man brachte ihn von Huelva nach Sevilla, einen Teil seiner Haftstrafe verbüßte er in Madrid, wo das Gedicht Nanas de la cebolla entstand. Im März 1940 verurteilte ihn ein Militärgericht zum Tode. Kurze Zeit später wurde das Urteil aufgrund internationaler Proteste auf dreißig Jahre Haft herabgesetzt. Unter den unmenschlichen Bedingungen wechselnder Haftanstalten erkrankte er an Lungenentzündung, Bronchitis und Typhus. Am 28. März 1942 starb Miguel Hernández im Reformatorio de Alicante an Tuberkulose. Er war das einzige Mitglied der Generación del 27, das keiner gutbürgerlichen Familie entstammte und keine umfassende Ausbildung genießen konnte; gelegentlich wird er auch der Generación del 36 zugerechnet.
Im Februar 2011 lehnte der Oberste Gerichtshof in Madrid es ab, das Todesurteil auf Antrag der Familie aufzuheben. Die Fünfte Kammer verwies darauf, dass das Gesetz zur historischen Erinnerung von 2007 alle aus politischen oder ideologischen Gründen gefällten Urteile der Franco-Zeit als unrechtmäßig bezeichnet.
Literarische Merkmale↑
Prägend für sein Werk ist die Herkunft aus der ländlichen Welt und die Bildung, die er sich in Bibliotheken selbst erarbeitete. Vertraut machte er sich vor allem mit den Dichtern des Siglo de Oro wie Góngora, Lope de Vega und Calderón. Mit dem Gedichtband Viento del pueblo wurde er zur Stimme des Freiheitskampfes, seine Verse standen im Dienst der republikanischen Sache. Auch persönliche Erfahrungen wie der Tod seines ersten Sohnes fanden Eingang in seine Dichtung.
Rezeption↑
Als einer der bedeutenden spanischen Dichter des 20. Jahrhunderts gilt Miguel Hernández bis heute. Seine Zugehörigkeit zur Generación del 27 und die Nähe zur Generación del 36 sichern ihm einen festen Platz in der spanischen Literaturgeschichte. Sein früher Tod in franquistischer Haft machte ihn zugleich zu einer Figur der politischen Erinnerung. Noch 2011 befasste sich der Oberste Gerichtshof in Madrid mit einem Antrag der Familie, das gegen ihn ergangene Todesurteil aufzuheben.
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