1834 – 1886
José Hernández
Kurzbiografie↑
José Hernández war ein argentinischer Journalist, Dichter und Politiker des 19. Jahrhunderts. Bekannt ist er heute fast ausschließlich durch ein einziges Werk: das epische Gedicht El gaucho Martín Fierro, dessen erster Teil 1872 erschien. Das Versepos gilt als Nationalepos Argentiniens und als Höhepunkt der Gaucho-Literatur. Hernández kämpfte in den Bürgerkriegen Argentiniens und Uruguays auf der Seite der Föderalisten, gründete eine eigene Zeitung und saß später im Parlament. Sein Name lebt in Argentinien bis heute fort, unter anderem in geografischen Benennungen wie der antarktischen Insel Isla José Hernández.
Biografie↑
Geboren wurde José Rafael Hernández y Pueyrredón am 10. November 1834. Als Geburtsort nennt Wikidata San Andrés de Giles in der Provinz Buenos Aires; nach anderer Darstellung kam er auf dem Bauernhof Pueyrredón zur Welt, der heute zu Villa Ballester bei San Martín gehört. Diese Unstimmigkeit ist bislang nicht ausgeräumt. Seine Familie hatte Vorfahren, die aus Spanien, Irland und Frankreich nach Argentinien ausgewandert waren. Seine Mutter war eine Cousine von Juan Martín de Pueyrredón.
Schon mit vier Jahren begann der Junge zu lesen und zu schreiben. Zwischen 1841 und 1845 besuchte er das Liceo Argentino de San Telmo, das von Pedro Sánchez geleitet wurde. Sein Vater arbeitete als mayordomo, also als Vorarbeiter, auf mehreren Rinderfarmen. So wuchs Hernández im leicht privilegierten Alltag eines jungen Gaucho auf. Die Welt der Viehweiden und ihrer Bewohner kannte er damit aus eigener Anschauung.
Während der Bürgerkriege in Argentinien und Uruguay kämpfte Hernández auf der Seite der Föderalisten. Danach schlug er sich mit verschiedenen Tätigkeiten durch: Er arbeitete als Journalist, kurzzeitig als Angestellter einer Firma und eine Zeitlang als Stenograph der Legislative der Argentinischen Konföderation. 1856 trat er der Partido Federal Reformista bei. Diese Partei wollte, dass das damals unabhängige Buenos Aires in die Argentinische Konföderation eingegliedert wird.
Politisch machte sich Hernández vor allem als Publizist bemerkbar. Er gründete die Zeitung El Río de la Plata. Darin trat er für autonome Gemeinden ein, für die Abschaffung der zwangsverpflichteten Grenzkontingente und für die Wahl von Friedensrichtern, Militärkommandanten und Schulräten. Gegen die Einwanderung wandte er sich, weil er befürchtete, sie gefährde den Wohlstand der Region. Sein Föderalismus richtete sich gegen die Zentralisierung, gegen die Modernisierung und gegen die Europäisierungsbestrebungen des Präsidenten Domingo Faustino Sarmiento. General Juan Manuel de Rosas verteidigte er dennoch nicht: Er beschrieb ihn als Tyrannen und Despoten.
Nach der militärischen Niederlage bei Ñaembé im Jahr 1870 musste Hernández ins Exil nach Brasilien gehen. Dort begann er mit der Arbeit an dem Versepos, das seinen Namen tragen sollte. Der erste Teil erschien 1872, der zweite 1879. Die Deutsche Nationalbibliothek führt ihn neben Schriftsteller, Journalist und Lyriker auch als Soldat, Abgeordneter und Senator; er gehörte also in späteren Jahren beiden Kammern des Parlaments an.
Am 21. Oktober 1886 starb José Hernández an einem Herzleiden in Belgrano, damals ein Vorort von Buenos Aires und heute ein wohlhabender Stadtteil der Hauptstadt. In Argentinien tragen die antarktische Insel Isla José Hernández und der Gletscher Glaciar Hernández seinen Namen.
Literarische Merkmale↑
Hernández wählte für sein Hauptwerk die Form des epischen Gedichts. El gaucho Martín Fierro gilt als Gipfelpunkt der Gaucho-Literatur, jener argentinischen Dichtungsrichtung, die das Leben der Viehhirten zum Gegenstand hat. Der Stoff lag ihm nah: Er war selbst in dieser Welt aufgewachsen. Sein Schreiben war zugleich politisch grundiert. Was er als Journalist in El Río de la Plata vertrat – die Sache der Landbevölkerung gegen Zentralstaat und Modernisierung –, prägt auch das Bild des Gaucho in seinem Versepos.
Rezeption↑
Heute ist Hernández in Argentinien fast ausschließlich als Verfasser von El gaucho Martín Fierro bekannt. Das Werk wird als argentinisches Nationalepos angesehen. Jorge Luis Borges widmete ihm einen Aufsatz, der in einer Ausgabe des Martín Fierro erschien. 1974 entstand unter der Regie von Enrique Dawi der Film La vuelta de Martín Fierro, mit Horacio Guarany und Onofre Lovero in den Hauptrollen. Ins Deutsche gelangte das Epos unter dem Titel Der Gaucho Martin Fierro; eine Ausgabe erschien 1995 im Verlag Heinz in Stuttgart. Die Ehrung durch die Benennung einer antarktischen Insel und eines Gletschers zeigt, welchen Rang der Dichter in seiner Heimat einnimmt.
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