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Autoreneintrag · August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
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Porträt August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
1798 – 1874
– Autorenporträt –

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

1798 – 1874 · 75 Jahre

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb bis heute gesungene Kinderlieder wie „Alle Vögel sind schon da“ und verfasste den Text zum „Lied der Deutschen“, dessen dritte Strophe zur deutschen Nationalhymne wurde.

Kurzporträt

Zu den bekanntesten deutschen Dichtern des Vormärz zählt August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der 1798 in Fallersleben geboren wurde und 1874 starb. Er schrieb den Text zu Das Lied der Deutschen, dessen dritte Strophe später zur deutschen Nationalhymne wurde. Zugleich stammen von ihm zahlreiche bis heute gesungene Kinderlieder wie „Alle Vögel sind schon da“ oder „Ein Männlein steht im Walde“. Als Germanist trug er wesentlich dazu bei, das Fach als wissenschaftliche Disziplin zu begründen, und erschloss vor allem die altniederländische Literatur. Wegen seiner liberalen Gedichte verlor er 1842 seine Professur und lebte jahrelang im Exil.


Biografie

Geboren wurde August Heinrich Hoffmann am 2. April 1798 in Fallersleben. Sein Vater Heinrich Wilhelm Hoffmann war Kaufmann, Gastwirt, Senator und Bürgermeister des Ortes, die Mutter Dorothea war Tochter eines Braumeisters aus Wittingen. Nach der Bürgerschule besuchte er ab 1812 das Pädagogium in Helmstedt und ab 1814 das Katharineum in Braunschweig. Im Mai 1815 trat er mit vier Gedichten erstmals an die Öffentlichkeit.

Im April 1816 begann er in Göttingen ein Studium der Theologie, wandte sich aber bald der klassischen Philologie und Archäologie zu. Sein Vorbild war Johann Joachim Winckelmann. Die entscheidende Wende brachte 1818 die Begegnung mit Jacob Grimm in Kassel: Dieser fragte ihn, ob ihm sein Vaterland nicht näher liege als die Antike. Daraufhin wechselte Hoffmann zum Studium der deutschen Sprache und Literatur. Noch im selben Jahr folgte er seinem Lehrer Friedrich Gottlieb Welcker nach Bonn, wo er der burschenschaftlichen Bewegung nahestand. Anfang 1821 gelang ihm sein erster Fund: Er entdeckte Bruchstücke aus dem Evangelienbuch Otfrids und veröffentlichte dazu den Aufsatz Bonner Bruchstücke vom Otfried. Im selben Jahr erschien seine Gedichtsammlung Lieder und Romanzen. Schon bei diesen frühen Veröffentlichungen verwendete er den Namenszusatz „von Fallersleben“, um sich von anderen Trägern des häufigen Familiennamens zu unterscheiden.

Ende 1821 ging er nach Berlin, wo er über seinen Bruder mit dem Freiherrn Gregor von Meusebach bekannt wurde, dessen Privatbibliothek in ganz Preußen berühmt war. In diesem Kreis lernte er unter anderem Adelbert von Chamisso und Ludwig Uhland kennen. 1823 wurde Hoffmann zum Kustos der Universitätsbibliothek Breslau berufen. Dort ernannte man ihn 1830 zum außerordentlichen und 1835 zum ordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur.

Sein besonderes Interesse galt der alt- und mittelniederländischen Sprache. Er unternahm acht Reisen nach Holland und Flandern, gilt als Begründer der niederländischen Philologie und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Leiden. 1837 entdeckte er in Valenciennes die für die Romanistik wichtige Eulalia-Sequenz. Seine über Jahrzehnte fortgesetzten Quellenpublikationen erschienen in der Reihe Horae Belgicae.

1840 und 1841 veröffentlichte er seine Gedichtsammlung Unpolitische Lieder in zwei Teilen, die auf große Nachfrage stieß. Während eines Aufenthalts auf Helgoland, damals britische Kronkolonie, verfasste er am 26. August 1841 Das Lied der Deutschen. Laut der Neuen Deutschen Biographie wurde es schon am 4. September vom Hamburger Verleger Campe als Einzeldruck herausgegeben, versehen mit der Melodie einer Kaiserhymne von Joseph Haydn.

Wegen seines Eintretens für ein einheitliches Deutschland und seiner liberalen Haltung wurde Hoffmann Ende 1842 pensionslos seiner Professur enthoben. Ein Jahr später entzog man ihm die preußische Staatsbürgerschaft und verwies ihn des Landes. Er ging ins Exil, irrte quer durch Deutschland und wurde von politischen Freunden aufgenommen, zugleich aber von der Polizei bespitzelt und mehrfach ausgewiesen. Unterschlupf fand er unter anderem auf mecklenburgischen Rittergütern, wo einer seiner Gastgeber ihn gegenüber den Behörden als Kuhhirten ausgab. In der Abgeschiedenheit des Landlebens entstanden viele seiner Kinderlieder. Aus der Bekanntschaft mit dem auswanderungswilligen Pastor Adolf Fuchs gingen die Texanischen Lieder hervor; bei Düsseldorf arbeitete er an dem Gedichtband Diavolini. An der Märzrevolution 1848 nahm er nicht aktiv teil. Durch ein Amnestiegesetz wurde er rehabilitiert und erhielt ein Wartegeld, seine Professur bekam er jedoch nicht zurück.

Am 28. Oktober 1849 heiratete der 51-Jährige in Braunschweig seine 18-jährige Nichte Ida zum Berge. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, von denen der Sohn Franz später Landschaftsmaler wurde. 1860 starb Ida mit 29 Jahren im Kindbett. Beruflich zog Hoffmann 1851 nach Neuwied und 1854 nach Weimar, wo er im Auftrag des Großherzogs Carl Alexander eine literaturwissenschaftliche Zeitschrift herausgab und den Komponisten Franz Liszt kennenlernte. Mit diesem gründete er 1854 den Neu-Weimar-Verein. 1860 zog die Familie nach Corvey, wo Hoffmann durch Vermittlung von Liszt eine Anstellung als Bibliothekar an der Fürstlichen Bibliothek erhielt. Dort lebte er, in den letzten Jahren mit der Arbeit an seiner umfangreichen Autobiographie beschäftigt, bis zu seinem Tod am 19. Januar 1874. Über den genauen Sterbeort gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt die Abtei Corvey, die Deutsche Biographie und die Deutsche Nationalbibliothek verweisen auf Höxter. Er wurde neben seiner Frau auf dem Friedhof bei der ehemaligen Corveyer Abteikirche beigesetzt.


Literarische Merkmale

Als Lyriker stand Hoffmann in der Tradition der romantischen Lieddichtung. Laut der Neuen Deutschen Biographie setzte er deren Streben nach Einfachheit und Volkstümlichkeit unkritisch mit den begrenzten eigenen Ausdrucksmöglichkeiten gleich. Überkommene Motive griff er auf und verwendete sie, wann immer sich ihm ein persönlicher Anlass bot. Vor allem kam es ihm auf Sangbarkeit an: Viele Gedichte schrieb er nach bereits vorhandenen Melodien, andere entstanden aus musikalischem Improvisieren, und nicht wenige erlangten ihre weite Verbreitung erst durch spätere Vertonung.

Seine Kinderlieder gingen aus dem Geist der Biedermeierzeit hervor und prägten über viele Jahrzehnte das Schulleben. Angeregt wurde er dabei durch das Familienleben seiner Freunde und durch die von Ludwig Erk gesammelten Volksweisen. Am erfolgreichsten war er mit seiner politischen Lyrik, die weniger angriffslustig und programmatisch war als jene von Dingelstedt, Freiligrath und Herwegh. Ihre positiven Antriebe waren laut der Neuen Deutschen Biographie die Gedanken der deutschen Einheit, der verfassungsmäßigen Rechtsstaatlichkeit und der persönlichen Freiheit. Davon zu unterscheiden sind seine vaterländischen Lieder, die frei von innenpolitischen Tendenzen wie von außenpolitischem Chauvinismus waren; ihrer Thematik nach gehört auch das Deutschlandlied zu ihnen.

Neben dem Dichter stand der Gelehrte. Hoffmanns wissenschaftliche Leistungen bestehen vor allem in der Veröffentlichung entdeckter Handschriften und seltener Frühdrucke sowie in Sammelwerken und Bibliographien. Für das im Bürgertum des 16. und frühen 17. Jahrhunderts mehrstimmig gesungene Lied prägte er die Gattungsbezeichnung Gesellschaftslied, für anonym gewordene Kunstlieder den Begriff „volkstümliche Lieder“. Seine Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luthers Zeit bot eine literarhistorische Darstellung der geistlichen Lyrik, seine Deutsche Philologie im Grundriß förderte die germanistische Quellenkunde.


Rezeption

Nachhaltig gewirkt haben vor allem zwei Bereiche seines Werks. Seine Kinderlieder wurden über Generationen an den Schulen gesungen und sind bis heute allgemein bekannt. Sein größter Einfluss ging jedoch vom Deutschlandlied aus. Laut der Neuen Deutschen Biographie wurde es in Deutschland bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum nationalen Bekenntnislied, während man es im Ausland zuvor als Ausdruck imperialistischen Machtstrebens deutete – erstmals 1867 durch den Abgeordneten Liégeard im französischen Parlament.

Reichspräsident Ebert erklärte das Lied 1922 zur Nationalhymne. Nachdem sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein Ersatzvorschlag nicht durchsetzen konnte, entschied Bundespräsident Heuss am 2. Mai 1952, dass künftig die dritte Strophe des Deutschlandliedes als Nationalhymne gesungen werden solle. Auf dem Gebiet der Philologie gilt Hoffmann als Begründer der niederländischen Sprachwissenschaft; die Bilder seines Sohnes Franz sind heute im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum in Wolfsburg-Fallersleben ausgestellt.

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