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Autoreneintrag · Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
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Porträt Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
1616 – 1679
– Autorenporträt –

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

1616 – 1679 · 62 Jahre

Schlesischer Barocklyriker, Breslauer Bürgermeister und Begründer des galanten Stils in der deutschen Poesie.

Kurzbiografie↑

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau war ein schlesischer Lyriker und Epigrammatiker des Barock. Zugleich nahm er als Bürgermeister von Breslau und als Landeshauptmann des Fürstentums Breslau eine herausragende politische Stellung ein. Geboren wurde er am 25. Dezember 1616 in Breslau, wo er am 18. April 1679 auch starb. In der älteren Forschung galt er als führender Vertreter der Zweiten Schlesischen Dichterschule und als Begründer des „galanten Stils“ in der deutschsprachigen Poesie. Sein Werk lebte zu Lebzeiten vor allem in Abschriften und unautorisierten Drucken. Erst die postume Sammlung der Deutschen Übersetzungen und Getichte und die von Benjamin Neukirch 1695 begonnene Anthologie machten ihn zum berühmtesten deutschen Dichter seiner Zeit. Heute ist sein Name vor allem mit den Helden-Briefen und mit einer bildreichen, sinnlich-eleganten Versdichtung verbunden.


Biografie↑

Hoffmann wurde am 25. Dezember 1616 in Breslau geboren. Er entstammte einer jungen Breslauer Patrizierfamilie, die ursprünglich aus Neiße stammte und über Glatz nach Breslau gekommen war. Sein Vater Johannes Hoffmann (1575–1652), gräzisiert Auleander, war Beamter am Kriegszahlamt in Wien. 1612 wurde er in Prag in den erbländisch-österreichischen Adelsstand erhoben. 1629 erhielt er als Kaiserlicher Rat und Kammersekretär die Reichsadelsbestätigung mit dem Prädikat „von Hoffmannswaldau“. Die Mutter Anna Nagel (1591–1621) stammte aus einer Breslauer Kaufmannsfamilie. Schon der Vater schrieb lateinische Verse, und das geistig-gesellige Klima des Elternhauses prägte den frühreifen Sohn.

Hoffmann besuchte in Breslau das Elisabeth-Gymnasium und wechselte 1636 an das Akademische Gymnasium in Danzig. Dort traf er häufig mit Martin Opitz zusammen, der seit 1636 in Danzig lebte und seine dichterische Arbeit nachhaltig beeinflussen sollte. Der Beredsamkeitsprofessor Johann Mochinger wurde sein Freund und führte ihn wahrscheinlich auch bei Opitz ein. Am 9. Oktober 1638 wurde Hoffmann an der Universität Leiden immatrikuliert; im selben Jahr trug sich dort auch Andreas Gryphius ein. Er studierte Rechtswissenschaften, hörte daneben aber auch Philologen und Historiker von europäischem Rang wie Claudius Salmasius, Daniel Heinsius, Caspar Barlaeus und Gerard Johannes Vossius. Auf einer ausgedehnten Bildungsreise als Begleiter eines Fürstensohns Frémonville lernte er in Amsterdam Andreas Gryphius persönlich kennen. Danach ging er nach England, wo er die Sprache erlernte, und nach Frankreich, wo er mit Hugo Grotius, François Auguste de Thou und Denis Pétau verkehrte. In Italien hielt er sich längere Zeit in Genua, Pisa und Siena auf und reiste weiter nach Rom, Florenz, Bologna und Venedig. Über Wien kehrte er nach Breslau zurück; Wikipedia nennt 1642, die Deutsche Biographie 1641 als Rückkehrjahr.

Am 16. Februar 1643 heiratete Hoffmann auf väterlichen Druck Maria, Tochter des Breslauer Kaufmanns Simon Webersky. Aus der Ehe gingen unter anderem die Söhne Johann (Hans) Christian (1644–1724) und Georg Moritz hervor. In Breslau betätigte er sich als erfolgreicher Kaufmann, kam zu großem Vermögen und wurde Gutsbesitzer von Arnoldsmühle, Belkau und Schlaupe im Fürstentum Breslau sowie Kutscheborwitz im Fürstentum Wohlau. 1647, kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges, wurde er in den Rat gewählt, obwohl er nicht den alten Patrizierfamilien angehörte. Ausschlaggebend waren seine weltmännische Bildung und seine breite Kenntnis der europäischen Literatur. 32 Jahre lang gehörte er ohne Unterbrechung dem Breslauer Rat an, im Wechsel als Schöffe oder Konsul. 1670 und 1674 war er Schöffenpräses. In mehreren Jahren zwischen 1671 und 1676 war er zweiter Konsul und stellvertretender Ratspräses und Landeshauptmann. Von 1677 bis zu seinem Tod amtierte er als Ratspräses und damit als Bürgermeister der Stadt Breslau sowie als Landeshauptmann des Fürstentums Breslau.

Wegen konfessioneller Konflikte reiste Hoffmann 1657 in diplomatischer Mission an den Wiener Kaiserhof, wo er sehr erfolgreich auftrat. Im selben Jahr ernannte ihn Kaiser Leopold I. zum Kaiserlichen Rat. Weitere Aufenthalte in Wien folgten 1660, 1669 und 1670. Daneben wirkte er als Aufseher des Breslauer Schulwesens und später als „Kriegs-Comissarius“. Sein Haus wurde durch gesellige Veranstaltungen ein Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Stadt. Die meisten seiner literarischen Arbeiten entstanden in den 1640er Jahren. Nach 1647 verfasste er wegen der beruflichen und diplomatischen Verpflichtungen nur noch wenige Werke. Hoffmann starb am 18. April 1679 in Breslau. Sein jüngerer Freund, der Dichter und Breslauer Syndikus Daniel Caspar von Lohenstein, hielt ihm die Grabrede.


Literarische Merkmale↑

Hoffmann schrieb Epigramme, die er „Grab-Schriften“ nannte, sowie eine große Zahl religiöser und weltlicher Lieder und Sonette. Daneben hinterließ er einige umfangreiche Werke. Dazu gehören vor allem der Getreue Schäffer von 1652, eine Übersetzung von Giovanni Battista Guarinis Il pastor fido, und die Helden-Briefe von 1664. Die Helden-Briefe sind fiktive Briefwechsel zu ungewöhnlichen Liebesaffären, die von Ovids Heroiden angeregt sind. Besinnliche Themen und Heldengestalten spielen in seiner Dichtung eine große Rolle, doch ebenso ein „reisender Cupido“ oder die Venus zwischen Triumphwagen und hübschem Mädchengesicht.

Formal bevorzugte Hoffmann den Jambus, wie die Zeile „So soll der purpur deiner lippen / Itzt meiner freyheit bahre seyn?“ zeigt. Sein Stil ist durch die Häufung sprachlicher Bilder gekennzeichnet. Laut der Deutschen Biographie entwickelt sein Werk den „zierlichen“, dem humanistischen elegantia-Ideal verpflichteten Stil von Martin Opitz weiter. Unter dem Einfluss der marinistischen Literatur Italiens führt er ihn zu einer „lieblichen“ Diktion. Charakteristisch ist dabei das Zusammenspiel von geistreich zugespitzter Concettistik, sinnlicher Bildlichkeit und rhythmischer Euphonie.

In den Vorreden seiner Werke finden sich nach der Deutschen Biographie Elemente einer hedonistischen Poetik. Das Dichten wird weit mehr nach dem delectare als nach dem prodesse bemessen, und zwar primär im Sinn einer „eigenen Belustigung“. Hoffmann veröffentlichte seine Verse zu Lebzeiten nicht selbst. Sie gingen von Hand zu Hand, wurden immer wieder abgeschrieben und erreichten sogar die Herrscherhöfe. Unberechtigte Drucke wie die Grab-Schrifften von 1662 brachten seine Texte in oft entstellter Form unter die Leser. Erst 1679 sah er sich veranlasst, selbst eine Auswahl unter dem Titel Deutsche Übersetzungen und Getichte für den Druck vorzubereiten. Ihr Erscheinen erlebte er nicht mehr.


Rezeption↑

Hoffmann war schon zu Lebzeiten ein berühmter Dichter. Die nach seinem Tod erschienene autorisierte Ausgabe der Deutschen Übersetzungen und Gedichte umfasste nur etwa die Hälfte seines Gesamtwerks und kam bereits in bearbeiteter Form an die Öffentlichkeit. Dennoch begründete sie einen neuen Stil in der deutschen Literatur, die sogenannte „galante Epoche“. In einer postumen Lob-Rede kennzeichnete sein Breslauer Freund Daniel Caspar von Lohenstein die Dichtung Hoffmanns als von Italien inspiriert. Er behauptete, schon Opitz habe ebendieses „Welsche“ von Hoffmann übernommen.

Einen Höhepunkt erreichte sein Ruhm, als Benjamin Neukirch 1695 die erste große deutsche Anthologie unter dem Titel Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen … Gedichte herausgab; die siebenteilige Sammlung erschien bis 1727. Die Popularität seiner Dichtung führte allerdings auch dazu, dass ihm von Unbekannten verfasste laszive und obszöne Verse zugeschrieben wurden. So wurde aus dem vielgerühmten Hoffmann ein geschmähter Dichter. Unbestritten blieb aber die Bedeutung seiner Formkunst.

In der älteren Forschung galt Hoffmann als führender Vertreter der Zweiten Schlesischen Dichterschule. Im 20. Jahrhundert legten mehrere Arbeiten das Fundament für eine neue Lektüre seines Werks: Felix Mayers Münchner Dissertation über Hoffmann und die französische Literatur (1923), Hermann Geibels Studie zum Einfluss Marinos (1938) und vor allem Erwin Rotermunds Monographie von 1963 sowie seine Untersuchung Affekt und Artistik von 1972. Im selben Jahr 1972 erschien der Artikel Rotermunds zu Hoffmannswaldau in der Neuen Deutschen Biographie. Auswahlausgaben durch Friedhelm Kemp (Heldenbriefe, 1962), Manfred Windfuhr (Gedichte, 1964) und Helmut Heißenbüttel (Gedichte, 1968) machten den Dichter im 20. Jahrhundert wieder zugänglich.

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