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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · W. H. Auden
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Porträt W. H. Auden
W. H. Auden
1907 – 1973
– Autorenporträt –

W. H. Auden

1907 – 1973 · 66 Jahre

Englischer Lyriker, der 1946 Amerikaner wurde und seine Sommer in Österreich verbrachte – für „Das Zeitalter der Angst“ erhielt er 1948 den Pulitzer-Preis.

Kurzbiografie↑

Wystan Hugh Auden wurde 1907 in York geboren und starb 1973 in Wien. Bekannt wurde er vor allem als Lyriker, doch er schrieb auch Essays, Kritiken, Dramen und Operntexte. Für den Versdialog The Age of Anxiety erhielt er 1948 den Pulitzer-Preis. 1939 verlegte er seinen Wohnsitz nach New York und nahm 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Seine späteren Sommer verbrachte er in Österreich, wo er auch begraben liegt.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Auden als Sohn eines Arztes und einer Krankenschwester. Erste Gedichte schrieb er bereits mit dreizehn Jahren. Er besuchte die Gresham's School in Norfolk. Mit achtzehn lernte er Christopher Isherwood kennen, mit dem ihn eine lange Freundschaft und eine Zusammenarbeit an mehreren Dramen verband; zwei davon wurden von Benjamin Britten vertont.

In seinen frühen Oxforder Jahren stand Auden im Mittelpunkt der Pylon Poets. Beeinflusst von Karl Marx und Sigmund Freud trat er zunächst als politisch radikaler Dichter auf. Nach dem Studium lebte er 1929 für neun Monate gemeinsam mit Isherwood in Berlin, damals noch in der Zeit der Weimarer Republik. In Deutschland besuchte er außerdem Kassel und Marburg. Eine Reise nach Island verarbeitete er in einem Reisebuch.

Die politischen Umbrüche seiner Zeit beschäftigten ihn stark. Im Spanischen Bürgerkrieg ergriff er Partei für die Republikaner. Einige seiner bekanntesten Gedichte handeln vom Kampf gegen den Faschismus, darunter Spanien. Auch über den Japanisch-Chinesischen Krieg schrieb er. Das Gedicht 1. September 1939 nimmt den Beginn des Zweiten Weltkriegs zum Anlass.

1935 heiratete Auden Erika Mann, die Tochter Thomas Manns. Der Zweck war praktischer Natur: Die aus dem nationalsozialistischen Deutschland ausgebürgerte Schriftstellerin sollte einen englischen Reisepass erhalten. Zusammengelebt haben die beiden nie, und später blieb der Kontakt lose. Auf dem Papier hielt die Ehe dennoch bis zu Erika Manns Tod, und sie vermachte ihm einen kleinen Teil ihres Erbes.

1939 zog Auden nach New York, wo er zunächst lehrte. Von 1942 bis 1945 arbeitete er am Swarthmore College in Pennsylvania. 1946 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Seit 1948 gehörte er der American Academy of Arts and Letters an. Von 1948 bis 1972 lebte er im Winter in den Vereinigten Staaten und im Sommer in Europa.

Als Librettist arbeitete er mit mehreren Komponisten zusammen. Für Benjamin Britten, der wie er die Gresham's School besucht hatte, richtete er den Text für den Liederzyklus Our Hunting Fathers ein. Gemeinsam mit seinem zweiten Lebensgefährten Chester Kallman (1921–1975) schrieb er Libretti für Igor Strawinsky (The Rake's Progress, deutsch Der Wüstling), für Hans Werner Henze (Die Bassariden und Elegie für junge Liebende), für Nicolas Nabokov (Love's Labour's Lost) und für Carlos Chávez (The Visitors).

Später wandte sich Auden vom politischen Radikalismus ab und dem Christentum zu. Am deutlichsten zeigt sich diese Wende im Nachkriegs-Versepos The Age of Anxiety, auf Deutsch Das Zeitalter der Angst, erschienen 1947. Dafür erhielt er 1948 den Pulitzer-Preis. Zu seinen bedeutenden Arbeiten zählen ferner das Weihnachtsoratorium For the Time Being sowie Dichtungen zum Tod von William Butler Yeats und Sigmund Freud.

Von 1956 bis 1960 war Auden Professor für Dichtung in Oxford. 1957 wurde er mit dem Antonio-Feltrinelli-Preis ausgezeichnet, 1966 mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Den Winter 1964/65 verbrachte er im Rahmen eines Artist-in-Residence-Programms der Ford Foundation in Berlin.

Zwischen 1957 und 1973 lebten Auden und Kallman in den Sommermonaten meist in Kirchstetten in Österreich. Mit dem Wiener Hugo Kurka (1937–2012) verband ihn in seinen letzten fünfzehn Lebensjahren eine enge Beziehung. Erst in seinem letzten Lebensjahr kehrte Auden nach England zurück und ließ sich in Oxford nieder. Er starb 1973 in Wien und wurde in Kirchstetten begraben. In seinem dortigen Haus wurde 1995 eine Gedenkstätte eingerichtet.


Literarische Merkmale↑

Bekannt wurde Auden vor allem durch seine Gedichte, doch sein Werk reicht weit über die Lyrik hinaus: Er schrieb eine Vielzahl von Kritiken und Essays, arbeitete an Dramen mit und verfasste Operntexte. In der Versdichtung The Age of Anxiety belebte er den Alliterationsvers wieder, also den alten Stabreim, bei dem Wörter mit gleichem Anfangslaut einen Vers zusammenhalten.

Sein Schreiben blieb eng mit der Zeitgeschichte verbunden. Der Spanische Bürgerkrieg, der Kampf gegen den Faschismus, der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Japanisch-Chinesische Krieg fanden unmittelbar Eingang in seine Gedichte. Prägend waren dabei zunächst die Gedankenwelt von Karl Marx und Sigmund Freud, später das Christentum.


Rezeption↑

Anerkennung fand Auden zu Lebzeiten in mehreren Ländern. 1948 erhielt er den Pulitzer-Preis, 1957 den Antonio-Feltrinelli-Preis und 1966 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Seit 1948 war er Mitglied der American Academy of Arts and Letters, und von 1956 bis 1960 bekleidete er die Professur für Dichtung in Oxford.

Als Librettist wirkte Auden auf bedeutende Komponisten seiner Zeit. Leonard Bernstein ließ sich von der Dichtung The Age of Anxiety zu einer gleichnamigen Sinfonie anregen, ohne den Text selbst zu verwenden.

Auch das Kino griff auf seine Verse zurück. Das Trauergedicht Funeral Blues erklingt in Vier Hochzeiten und ein Todesfall von 1994. In Luchino Viscontis Gruppo di famiglia in un interno von 1974 steht ein Sonett an zentraler Stelle, und An ihrer Seite aus dem Jahr 2006 zitiert aus Letters from Iceland.

Am Ort seiner österreichischen Sommer wird sein Andenken bewahrt: In Kirchstetten wurde 1995 eine Wystan-Hugh-Auden-Gedenkstätte eingerichtet.

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