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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Kenneth Grahame
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Porträt Kenneth Grahame
Kenneth Grahame
1859 – 1932
– Autorenporträt –

Kenneth Grahame

1859 – 1932 · 73 Jahre

Schottischer Bankbeamter, der nebenbei „Der Wind in den Weiden“ schrieb – einen der meistverkauften Klassiker der Kinderliteratur.

Kurzbiografie↑

Ein Schriftsteller, dessen bekanntestes Buch zu den Klassikern der Kinderliteratur zählt: Kenneth Grahame wurde am 8. März 1859 in Edinburgh geboren und starb am 6. Juli 1932. Er arbeitete in der Bank of England, während er nebenbei zu schreiben begann. Sein Roman Der Wind in den Weiden von 1908 wurde mit etwa 25 Millionen verkauften Exemplaren zu einem der meistverkauften Bücher überhaupt. Im Jahr 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler das Buch zu einem der 100 bedeutendsten britischen Romane.


Biografie↑

Geboren wurde Kenneth Grahame am 8. März 1859 in Edinburgh als drittes Kind. Sein Vater, James Cunningham Grahame, war Anwalt aus einer alten schottischen Familie; seine Mutter Bessie stammte aus der Familie Ingles. Als Kenneth kaum ein Jahr alt war, wurde der Vater Sheriff von Argyll, und die Familie zog dorthin. Nach einigen Zwischenstationen fand sie ein neues Zuhause in Inveraray.

Kurz nach Kenneths fünftem Geburtstag, im März 1864, kam sein Bruder Roland zur Welt. Wenige Tage später erkrankte die Mutter an Scharlach und starb am 4. April 1864. Auch Kenneth bekam die Krankheit und erholte sich erst nach Wochen. Der Vater, der der Trunksucht verfallen war, konnte sich um die vier Kinder nicht kümmern. Die Geschwister zogen zur Großmutter mütterlicherseits nach Cookham Dene in das Haus Mount. Diese Jahre gehörten wohl zu Kenneths glücklichsten. In der Nähe floss die Themse, die in ihm eine lebenslange Liebe zum Fluss und zum Bootfahren weckte. Ein Versuch des Vaters, seine Trunksucht zu überwinden und mit den Kindern nach Argyll zurückzukehren, scheiterte. Am Ende verließ er Kinder und Arbeit und zog nach Frankreich; in den verbleibenden zwanzig Jahren seines Lebens gab es offenbar keinen weiteren Kontakt.

Im Jahr 1868 kam Kenneth im relativ späten Alter von neun Jahren erstmals in die St.-Edward-Schule in Oxford. Diese Schule blieb neun Jahre der Mittelpunkt seiner Welt. Beim Verlassen hatte er zahlreiche akademische und sportliche Auszeichnungen gewonnen, darunter das Amt des Head Boy und das des Kapitäns der Rugby-Mannschaft. Sein Wunsch nach einem Studium an der University of Oxford wurde von seinem geizigen Onkel John Grahame vereitelt, der als sein Vormund fungierte. Zwischen 1875 und 1879 arbeitete Kenneth als Angestellter in einem Büro des parlamentarischen Agenten. In London lernte er einige führende literarische Persönlichkeiten kennen und begann, in literarischen Kreisen zu verkehren.

Von 1879 an arbeitete Grahame in der Bank of England. Die Arbeit war nicht sehr anspruchsvoll, weshalb er begann, leichte Kurzgeschichten zum Zeitvertreib zu schreiben. Er veröffentlichte sie in Zeitschriften wie der St. James Gazette, in William Ernest Henleys National Observer und im Yellow Book. Sein erstes Buch, Pagan Papers, erschien 1893, eine Sammlung von Geschichten und Essays über das Thema der Flucht. Die frühen Aufsätze und Geschichten wurden von Algernon Charles Swinburne gelobt. Es folgte Das Goldene Zeitalter von 1895, eine Sammlung von Skizzen über fünf verwaiste Kinder. Die Fortsetzung Dream Days von 1898 enthielt seine bekannte Kurzgeschichte The Reluctant Dragon, in der ein friedlicher, Gedichte liebender Drache dank eines klugen Jungen sein Leben behält. Diese Geschichte wurde 1941 von Walt Disney unter dem Titel Der Drache wider Willen verfilmt.

Im Jahr 1897 traf Grahame Elspeth Thomson, die Tochter des Erfinders des Luftreifens. Am 22. Juli 1899 heirateten die beiden in Fowey in Cornwall. Ihr Sohn Alastair kam am 12. Mai 1900 zur Welt; er war auf einem Auge blind geboren. Am 7. Mai 1920 nahm sich Alastair das Leben.

Am Vormittag des 24. November 1903 kam ein Mann namens George Robinson zur Bank of England, den Zeitungsberichte als „sozialistischen Wahnsinnigen“ bezeichneten. Er hielt Grahame ein aufgerolltes Manuskript entgegen, das an einem Ende mit einem weißen, am anderen mit einem schwarzen Band gebunden war, und bat ihn zu wählen. Nach Grahames Wahl des schwarzen Endes zog Robinson eine Pistole und feuerte drei Schüsse ab, die alle verfehlten. Bankangestellte überwältigten den Mann; er wurde in das Broadmoor Hospital gebracht.

Nach seinem Abschied von der Bank im Ruhestand 1906 zog Grahame in ein altes Bauernhaus in Blewbury und hatte wieder Zeit zum Schreiben. Eine amerikanische Nachbarin, Constance Smedley, überzeugte ihn, seine Briefe und Gutenachtgeschichten in einem Buch zu veröffentlichen. Der ursprüngliche Titel lautete Der Wind im Schilf; da William Butler Yeats eine Gedichtsammlung mit fast gleichem Titel herausgebracht hatte, änderte Grahame ihn in Der Wind in den Weiden. Zahlreiche Verleger lehnten das Buch ab; schließlich nahm es Algernon Methuen an, allerdings nur unter der Bedingung, dass Grahame auf seinen Vorschuss verzichtete.

Grahame starb am 6. Juli 1932 an einer Gehirnblutung; er ist auf dem Holywell-Friedhof der St.-Cross-Kirche in Oxford begraben. Beim Sterbeort weichen die Quellen leicht voneinander ab: Die Deutsche Nationalbibliothek nennt Pangbourne, Wikidata verzeichnet allgemeiner die Grafschaft Berkshire, in der Pangbourne liegt. Die Grabinschrift verfasste sein Cousin, der Autor Anthony Hope.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Grahames Schreiben ist die Nähe zur Welt der Kindheit und zur englischen Flusslandschaft. Schon in den frühen Sammlungen kreisen seine Geschichten um verwaiste Kinder und ihre Erlebnisse; die Skizzen in Das Goldene Zeitalter und die autobiografisch gefärbten Erzählungen tragen deutlich persönliche Züge. Ein wiederkehrendes Thema ist die Flucht, das bereits die Essays und Geschichten in Pagan Papers bestimmt. Seine Liebe zur Themse und zum Bootfahren, die aus seiner Kindheit stammte, prägte später sein bekanntestes Werk. In der Erzählung vom widerwilligen Drachen zeigt sich zudem ein freundlicher, verspielter Ton: Das friedliche Ungeheuer will nur in Ruhe gelassen werden und liebt Gedichte.


Rezeption↑

Aufgenommen wurde Der Wind in den Weiden in Großbritannien zunächst fast überall mit unerfreulichen Kritiken. Arthur Ransome hielt das Buch für einen Misserfolg und verglich es mit „einer Rede an Hottentotten auf Chinesisch“. Als einziger Rezensent sah der Schriftsteller Arnold Bennett dessen Qualitäten und bewertete es als „ganz erfolgreich“. Die Rettung kam aus einer unerwarteten Richtung: Der damalige US-Präsident Theodore Roosevelt, der bereits Grahames frühere Bücher bewundert hatte, liebte das Werk und empfahl es dem amerikanischen Verlag Scribner nachdrücklich. Dessen Ausgabe trug wesentlich zum Erfolg bei.

Bis heute zählt das Buch zu den Klassikern der Kinderliteratur. Mit etwa 25 Millionen verkauften Exemplaren gehört es zu den meistverkauften Büchern überhaupt. Im Jahr 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler den Roman zu einem der 100 bedeutendsten britischen Romane. Schon zuvor galt Das Goldene Zeitalter als beliebte Lektüre zur Schlafenszeit von Kaiser Wilhelm II. auf dessen Yacht, und die Erzählung vom widerwilligen Drachen wurde 1941 durch Walt Disneys Verfilmung einem breiten Publikum bekannt.

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