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Autoreneintrag · Friedrich Gottlieb Klopstock
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Porträt Friedrich Gottlieb Klopstock
Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 – 1803
– Autorenporträt –

Friedrich Gottlieb Klopstock

1724 – 1803 · 78 Jahre

Wegbereiter der deutschen Empfindsamkeit und Schöpfer des „Messias“ – der Dichter, der den Hexameter in die deutsche Sprache einführte und Goethe wie Hölderlin den Weg bahnte.

Kurzporträt

Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) war ein deutscher Dichter. Er gilt als wichtigster Vertreter der Empfindsamkeit und gab der deutschen Dichtung der Aufklärungszeit eine neue, gefühlsbetonte Sprache. Sein religiöses Epos Der Messias arbeitete er rund 25 Jahre lang aus. Schon die ersten 1748 veröffentlichten Gesänge erregten großes Aufsehen und wurden zum Vorbild einer ganzen Epoche. Klopstock führte den Hexameter in die deutsche Dichtung ein. Er bahnte den Weg zu den freien Rhythmen Goethes und Hölderlins und verschaffte dem Dichterberuf eine neue künstlerische Würde. Zugleich war er ein politisch wacher Kopf. Er begrüßte die Französische Revolution begeistert und wurde 1792 zum Ehrenbürger Frankreichs ernannt.


Biografie

Friedrich Gottlieb Klopstock kam am 2. Juli 1724 in Quedlinburg zur Welt. Er war das älteste von siebzehn Kindern einer pietistischen Familie. Sein Vater Gottlieb Heinrich war fürstlich-mansfeldischer Kommissionsrat und Stiftsadvokat in Quedlinburg. Die Mutter Anna Maria entstammte einer Langensalzaer Kaufmannsfamilie. Von 1732 bis 1736 lebte die Familie auf der gepachteten Herrschaft Friedeburg in der Grafschaft Mansfeld. Dort büßte der Vater laut der Deutschen Biographie sein Vermögen ein und musste die Pacht schließlich aufgeben.

Nach dem Besuch des Quedlinburger Gymnasiums kam Klopstock 1739 mit fünfzehn Jahren auf die Fürstenschule in Schulpforta. Dort erhielt er eine gründliche humanistische Ausbildung. Er las Homer, Pindar, Vergil und Horaz und unternahm erste eigene dichterische Versuche. In seiner berühmten Abschiedsrede vom 21. September 1745 forderte er ein deutsches Nationalepos und deutete bereits eigene Pläne dazu an. Dabei stand er unter dem Einfluss der poetologischen Schriften Bodmers und Breitingers.

Im Herbst 1745 begann er in Jena ein Studium der evangelischen Theologie. Dort schrieb er die ersten drei Gesänge des Messias zunächst in Prosa nieder. Ostern 1746 wechselte er nach Leipzig und arbeitete das Werk in Hexameter um. Über seinen Vetter Johann Christoph Schmidt schloss er sich dem Freundeskreis um die Herausgeber der Bremer Beiträge an – darunter Ebert, Cramer, Schlegel, Rabener, Giseke, Gärtner und Gellert. In dieser Zeitschrift erschienen 1748 die ersten drei Gesänge des Messias und erregten großes Aufsehen.

Nach Abschluss des Theologiestudiums nahm Klopstock 1748 eine Hauslehrerstelle in Langensalza an. So war er seiner Cousine Maria Sophia Schmidt nahe, die er in seinen Oden unter dem Namen Fanny besang. Die unerwiderte Liebe brachte ihm Hoffnung, Enttäuschung und Entsagung – und einige seiner schönsten frühen Oden. 1750 folgte er einer Einladung Bodmers nach Zürich. Der lebenslustige junge Dichter enttäuschte den doppelt so alten Schweizer, der einen seraphischen Mitarbeiter erwartet hatte. Nach acht Monaten ging Klopstock auf Einladung König Friedrichs V. nach Dänemark. Dessen Minister Graf von Bernstorff hatte ihm eine Lebensrente von zunächst 400, später 800 Talern verschafft.

Auf der Reise nach Kopenhagen lernte Klopstock 1751 in Hamburg Margareta (Meta) Moller kennen, eine begeisterte Leserin seiner Dichtung. 1752 verlobte er sich mit ihr, am 10. Juni 1754 heiratete er sie in Hamburg. Meta starb am 28. November 1758 bei einer Totgeburt. Klopstock konnte ihren Tod dreißig Jahre lang nicht überwinden und besang sie in seinen Elegien. 1759 gab er ihre Hinterlassenen Schriften heraus.

Von 1759 bis 1762 lebte Klopstock in Quedlinburg, Braunschweig und Halberstadt. Dann kehrte er nach Kopenhagen zurück und blieb dort bis 1771. Um ihn bildete sich ein neuer Freundeskreis mit Gerstenberg, K. F. Cramer, Sturz, den Grafen Stolberg und Funk. Dieser Kreis prägte das kulturelle Leben Dänemarks stark. 1771 ging er nach Hamburg. 1773 erschien der Messias vollständig. Daneben verfasste er Dramen wie Der Tod Adams (1757), Salomo (1764), David (1772) und das Bardiet Hermanns Schlacht (1769). 1774 veröffentlichte er die staatsphilosophische Schrift Die deutsche Gelehrtenrepublik. 1776 zog er auf Einladung des Markgrafen Karl Friedrich von Baden vorübergehend nach Karlsruhe.

1791 heiratete Klopstock im hohen Alter Johanna Elisabeth Dimpfel, verwitwete von Winthem, eine Nichte Metas. Die Ehe blieb wie die erste kinderlos. Er war Mitglied der Hamburger Freimaurerloge Zu den drei Rosen. 1792 wurde er Ehrenbürger der Französischen Republik und gehörte seit 1802 als auswärtiges Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres an. Am 14. März 1803 starb er mit 78 Jahren in Hamburg. Am 22. März wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung neben Meta auf dem Friedhof der Christianskirche in Ottensen beigesetzt.


Literarische Merkmale

Klopstock gab der deutschen Sprache neue Impulse und wirkte als Wegbereiter der nachfolgenden Dichtergeneration. Er war der Erste, der den Hexameter in die deutsche Dichtung einführte. Seine Auseinandersetzung mit dem „deutschen Hexameter" führte ihn zu seiner Lehre vom Wortfuß. Damit bereitete er den Weg für die freien Rhythmen, wie sie später Goethe und Hölderlin nutzten. Zugleich kämpfte er gegen den strengen Reimgebrauch der Opitzschen Schule.

Sein Wirken fällt in die Zeit der Aufklärung. Dennoch war Klopstock nicht der Vernunft verpflichtet wie die meisten Aufklärer, sondern wird der Empfindsamkeit zugerechnet. Er gilt als Begründer der Erlebnisdichtung und des deutschen Irrationalismus. 1779 prägte er den Begriff der „Innerlichkeit". Er bezeichnete sie als eines von neun Elementen poetischer Darstellung – als „Heraushebung der eigentlichen innersten Beschaffenheit der Sache". In dieser Hinwendung zum eigenen Erleben war er ein bedeutender Wegbereiter des Sturm und Drang. Sein Einfluss auf Goethe lässt sich noch im Werther ablesen.

Klopstock verschaffte dem Dichterberuf eine neue Würde. Er lebte die künstlerische Autonomie des Dichters vor und befreite die Dichtung aus den didaktischen Lehrgedichten der Versifikateure. Auch seine Himmels- und Naturvorstellung war neu. Nicht der ruhende antike Himmel mit Göttern und Heroen prägte sein Bild, sondern eine durch Kopernikus und Kepler geprägte Weltharmonie, ein Rhythmus und eine Symmetrie der Sphären, wie es im ersten Gesang des Messias anklingt. Goethe griff dieses Bild im Prolog im Himmel seines Faust wieder auf.

Politisch zeigte sich Klopstock als Vater des deutschen Nationalstaatsgedankens und als Befürworter der Französischen Revolution. Diese bezeichnete er 1789 in dem Gedicht Kennet euch selbst als „edelste Tat des Jahrhunderts" und rief auch die Deutschen dazu auf. Später geißelte er allerdings in dem Gedicht Die Jakobiner (1793) die Auswüchse der Revolution. Seine Utopie Die deutsche Gelehrtenrepublik (1774) entwarf für die als regierungsunfähig angesehene Fürstenherrschaft eine gebildete Elite an der Macht. Bildung war hier das höchste Gut. Die Strafen unter den Gelehrten beschränkten sich auf Naserümpfen, Hohngelächter und Stirnrunzeln – eine pazifistische Republik der „Aldermänner", „Zünfte" und „des Volkes", in der der „Pöbel" allerdings nur einen „Schreier" auf dem Landtag bekam.


Rezeption

Die ersten Gesänge des Messias von 1748 erregten in der literarischen Öffentlichkeit großes Aufsehen. Sie wurden zum Vorbild der Messiaden-Literatur seiner Epoche. Mit den Oden entfachte Klopstock einen Begeisterungssturm unter den Gegnern der bis dahin vorherrschenden „vernünftigen" Poetik Johann Christoph Gottscheds. Es war, wie es in der Wikipedia heißt, die Geburtsstunde der reinen Dichtung. Schon der junge Lessing bemerkte allerdings nüchtern, dass Klopstock zwar große gesellschaftliche Anerkennung zuteilwurde, das eigentliche literarische Interesse an seinem Werk aber dahinter zurückblieb.

Diesen Befund nimmt die Deutsche Biographie auf. Die poetischen Leistungen der Klassik und Romantik sowie der Stilpluralismus des 19. Jahrhunderts haben Klopstocks Werk vorübergehend in den Schatten rücken lassen. Symptomatisch dafür ist der Gebrauch des Messias als „unfehlbares Schlafmittel" in Christian Dietrich Grabbes Lustspiel Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (1827), wo der Teufel das Werk in die Hand gedrückt bekommt. Franz Munckers große Biographie von 1888 fasste die bis dahin vorliegende Forschung zusammen und urteilte vom Maßstab der Goetheschen Dichtung her. Sie wirkte laut der Deutschen Biographie eher abschließend als zu neuer Auseinandersetzung anregend. Klopstock zähle, so die NDB, auch heute noch zu jenen literarischen Persönlichkeiten, zu denen ein spontaner Zugang kaum oder nur auf Teilgebieten möglich sei. Dennoch werde mit dem neu erwachten Interesse der Wissenschaft für Gesellschaft, Kultur, Sprache und Literatur des 18. Jahrhunderts sein Prestige nicht mehr in Frage gestellt. Die Literaturgeschichtsschreibung hat seine epochale Bedeutung erkannt.

Eine eigene Wirkungsgeschichte hat Klopstock in der Musik. Bereits zu Lebzeiten machte er auf Komponisten wie Georg Philipp Telemann, Christoph Willibald Gluck, Carl Philipp Emanuel Bach, Andreas Romberg und Christian Friedrich Daniel Schubart Eindruck. Gluck vertonte 1776 Oden und Lieder beym Clavier zu Singen. Schubart kannte große Teile des Messias auswendig. Gustav Mahler vertonte Die Auferstehung mit eigenen Ergänzungen im fünften Satz seiner zweiten Sinfonie (1888–1894). Richard Strauss schuf 1897 das Lied Das Rosenband. Bis in die Gegenwart wurden Klopstocks Gedichte immer wieder vertont, etwa von Manfred Trojahn, Heinz Holliger, Juliane Klein, Jörg-Peter Mittmann, Martin Christoph Redel und Max E. Keller. In Quedlinburg erinnert das Klopstockhaus an den Dichter. 1831 wurde dort ein Denkmal von Schinkel und Tieck eingeweiht, das auf eine Bürgerinitiative von 1824 zurückging.

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