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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Allen Ginsberg
Allen Ginsberg
1926 – 1997
– Autorenporträt –

Allen Ginsberg

1926 – 1997 · 70 Jahre

Dichter der Beat Generation, dessen Gedicht „Howl“ 1956 verboten wurde und einen Prozess um die künstlerische Freiheit auslöste – 1965 prägte er den Begriff „Flower-Power“.

Kurzbiografie↑

Allen Ginsberg wurde 1926 in Paterson im US-Bundesstaat New Jersey geboren und starb 1997 in New York. Er zählt zu den bekanntesten Dichtern der Beat Generation. Berühmt wurde er mit dem langen Gedicht Howl, das 1956 einen Skandal auslöste und ein Verbotsverfahren nach sich zog. Sein zweites großes Gedicht, Kaddish, schrieb er zum Andenken an seine Mutter. Als Vater der Flower-Power-Bewegung gilt er, weil er 1965 den Vorschlag machte, Demonstranten gegen den Vietnamkrieg mit Blumen auszustatten.


Biografie↑

Geboren wurde Irwin Allen Ginsberg am 3. Juni 1926 in Paterson, New Jersey. Seine Mutter Naomi, geborene Levy, war eine aus Russland eingewanderte, überzeugte Kommunistin. Sie erkrankte psychisch, unternahm mehrere Selbstmordversuche und starb 1956. Der Vater Louis Ginsberg war Lehrer und politisch aktiv. Er überredete den Sohn, an der Columbia University Rechtswissenschaft zu studieren.

An der Universität traf Ginsberg auf Jack Kerouac, William S. Burroughs und Neal Cassady, später auch auf Harold Norse. Diese Bekanntschaften prägten sein Werk. In den 1960er Jahren lebte er mit Neal Cassady und Charles Plymell in einer Wohngemeinschaft. Im Dezember 1954 lernte er Peter Orlovsky kennen. Mit ihm verband ihn bis zu seinem Tod eine offene Beziehung.

Zu seiner Homosexualität bekannte sich Ginsberg früh. Politisch stand er links bis anarchistisch. Sein Denken speiste sich aus dem Buddhismus, aus Zen und Yoga, aus seiner jüdischen Herkunft und aus dem Jazz. Auch bewusstseinsverändernde Drogen spielten eine Rolle für sein Schaffen. Sein wichtigster Förderer war der Dichter William Carlos Williams, der ihm entscheidend half, eine eigene dichterische Stimme zu finden.

Der Durchbruch kam mit dem langen Gedicht Howl. Vielen Zeitgenossen erschien Ginsbergs Sprache darin als obszön. Das Gedicht wurde 1956 vorübergehend verboten, der Verleger und Dichter Lawrence Ferlinghetti wurde verhaftet. Daraus entwickelte sich eine bedeutende Kampagne für die künstlerische Freiheit. Ein Richter hob das Verbot schließlich wieder auf. Als zweites Hauptwerk gilt Kaddish, das Gedicht auf seine verstorbene Mutter.

Im Februar 1965 wurde Ginsberg aus Kuba abgeschoben und kam nach Prag. Dort nahm er im Mai mit tschechischen Freunden am Majáles teil, einem alten studentischen Maifest, das die kommunistische Führung meist verbot. Ginsberg wurde zum Majáles-König gewählt. Umgehend verhaftete man ihn wegen Alkoholismus, Rauschgiftsucht, Unruhestiftung und Propagierung der Homosexualität. Innerhalb von zwei Tagen wurde er aus der Tschechoslowakei ausgewiesen.

Im November 1965 erschien sein Aufsatz How to Make a March/Spectacle. Darin forderte er, den Demonstranten gegen den Vietnamkrieg „Massen von Blumen“ bereitzustellen, die sie an Polizisten verteilen sollten. Mit diesem Vorschlag prägte er den Begriff „Flower-Power“.

Ginsberg war mit dem Musiker und Lyriker Bob Dylan befreundet. Gemeinsam arbeiteten die beiden an Vertonungen ausgewählter Ginsberg-Gedichte und tauschten sich künstlerisch aus. 1977 sangen sie zusammen im Hintergrund eines Stücks auf Leonard Cohens Album Death of a Ladies' Man. Zu seinen engeren Freunden zählte er auch den Labour-Politiker Tom Driberg. Mit Paul McCartney sprach er über Gedichte und Lieder; McCartney entnahm den Titel des Albums Electric Arguments Ginsbergs Gedicht Kansas City to St. Louis.

In späteren Jahren bekannte sich Ginsberg zum Buddhismus. Er wurde Schüler von Chögyam Trungpa Rinpoche, den er in New York zufällig kennengelernt hatte. An der von Trungpa Rinpoche gegründeten Naropa University in Boulder, Colorado, lehrte er später selbst. 1973 wählte man ihn in die American Academy of Arts and Letters, 1992 in die American Academy of Arts and Sciences. 1989 wirkte er in Rosa von Praunheims Film Schweigen = Tod mit, der vom Einsatz New Yorker Künstler für AIDS-Aufklärung und für die Rechte von Infizierten und Erkrankten handelt.

Ginsberg starb am 5. April 1997. Als Sterbeort nennt Wikidata New York City, die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet New York, NY; gemeint ist in beiden Fällen New York.


Literarische Merkmale↑

Geprägt wurde Ginsbergs Dichtung von der Klassischen Moderne und zugleich von der Romantik. Hinzu kamen der Jazz, der Buddhismus und seine jüdische Herkunft. Als wesentliche Vorbilder nannte er selbst William Blake und Walt Whitman. Sein Schreiben speiste sich außerdem aus dem offenen Bekenntnis zur eigenen Homosexualität, aus linkem bis anarchistischem Engagement sowie aus Zen, Yoga und der Erfahrung bewusstseinsverändernder Drogen.

Kennzeichnend ist die lange, weit ausgreifende Gedichtform, wie sie Howl und Kaddish zeigen. Ginsbergs Sprache war so direkt, dass sie vielen Zeitgenossen 1956 als obszön galt und ein Verbot nach sich zog. Zu seiner eigenen dichterischen Stimme fand er mit der Hilfe von William Carlos Williams.

Auch die Nähe zur Musik gehört zu seinem Werk: Mit Bob Dylan arbeitete er an Vertonungen einer Auswahl seiner Gedichte.


Rezeption↑

Bekannt wurde Ginsberg zunächst durch den Skandal um Howl. Das Verbot des Gedichts und die Verhaftung des Verlegers Lawrence Ferlinghetti lösten eine wichtige Kampagne für die künstlerische Freiheit aus, die mit der Aufhebung des Verbots endete. Die Deutsche Biographie verzeichnet ihn im Personenverzeichnis und verweist in der Gemeinsamen Normdatei auf seine Verbindung zu William S. Burroughs und Jack Kerouac.

Seine Wirkung reichte weit über die Literatur hinaus. Der amerikanische Avantgarde-Künstler Bruce Conner schuf 1960 ein Porträt Ginsbergs als Mixed-Media-Objekt. Auf dem Album Combat Rock der britischen Punkband The Clash ist Ginsberg als Gaststimme zu hören.

Auch das Kino griff sein Leben und Werk auf. Rob Epstein und Jeffrey Friedman produzierten 2010 den experimentellen, dokumentarischen Spielfilm Howl – Das Geheul, der auf dem Gedicht und den Umständen seiner Veröffentlichung beruht. 2013 folgte Kill Your Darlings, ein Film über Ginsberg und andere Vertreter der Beat Generation.

Die Aufnahme in die American Academy of Arts and Letters 1973 und in die American Academy of Arts and Sciences 1992 zeigt, dass ihn das offizielle Kulturleben der Vereinigten Staaten zu Lebzeiten anerkannte.

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